Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Apple, Amazon, Google und Facebook Mächtig und innovativ: Die großen Tech-Konzerne dominieren auch in der Krise

Die Quartalszahlen zeigen erneut die Stärke der großen Tech-Konzerne aus den USA. Die Debatten über Zerschlagungen sind jedoch nicht zielführend, denn die Größe ist nicht das Problem.
31.07.2020 - 03:45 Uhr Kommentieren
Die
Google, Apple, Facebook und Amazon

Die "Big Four"-Tech-Unternehmen sind auch in der Coronakrise nicht klein zu kriegen.

(Foto: AFP)

San Francisco Es soll keiner behaupten, Apples Aktie könne nicht mehr fallen. Aktuell um die 400 Dollar wert, wird der Kurs Ende August wohl nur noch bei rund 100 Dollar liegen. Der wertvollste Konzern der Welt hat einen Aktientausch im Verhältnis 4:1 angekündigt, „um die Aktie zugänglich für eine breitere Basis an Investoren zu machen“.

Eine freiwillige Aufsplittung der Aktie scheint auch schon das Einzige zu sein, was den Apple-Kurs noch drücken kann. Für das abgelaufene Quartal verkündete Apple-Chef Tim Cook am Donnerstag „historische Ergebnisse“, nachbörslich sprang die Aktie um sechs Prozent nach oben.

Etwa zur gleichen Zeit taten das auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Amazon-Chef Jeff Bezos. Überall Umsätze und Gewinne, die schneller steigen, als sich das Analysten vorstellen konnten. Die größten Tech-Konzerne der Welt schütteln das erste volle Quartal in der Jahrhundert-Pandemie ab wie eine lokale Grippewelle. Einzig Google-Mutter Alphabet litt unter sinkenden Werbeumsätzen, weil Hotels, Restaurants und Fluglinien wenig Anlass sehen, für Suchwörter zu bezahlen.

Die Welt geht unter, Big Tech boomt

Dass vier der wertvollsten Konzerne der Welt am gleichen Tag ihre Zahlen präsentieren, ist selten. Dass sie es am gleichen Tag tun, an dem ein Einbruch der US-Wirtschaft um ein Drittel verkündet wird, ist bezeichnend. Dass sich einen Tag zuvor exakt die vier Topmanager der gleichen Konzerne mit zerknirschten Mienen im US-Kongress vielfältigen Kartellvorwürfen stellten, verdichtet diesen Moment in der Wirtschaftsgeschichte auf absurde Weise.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Welt geht unter, aber das „Big Tech“-Raumschiff ist längst in andere Sphären entschwunden. Es gibt zwei Lesarten, wie all das zusammenpasst – an beiden ist einiges richtig und einiges falsch. Die eine: Ja, die Gafas – Google, Apple, Facebook und Amazon – profitieren als Technologiekonzerne von einer Krise, in der einzig Technologie ein annähernd normales, modernes Leben aufrechterhält.

    Freunde brauchen Google Meet, Händler brauchen Facebook Ads, Schüler brauchen MacBooks und alle brauchen Amazon Prime. Wer will wirklich wissen, was diese Pandemie vor 30 Jahren mit uns gemacht hätte?

    Die andere: Die Gafas waren schon vor Corona zu mächtig und sind jetzt noch viel mächtiger. Nicht mal der Werbeboykott vieler Konzerne mit großen Marketingbudgets konnte Facebook etwas anhaben. „Es lohnt sich, in unregulierte Monopole zu investieren“, kommentierte der New Yorker Marketingprofessor und Tech-Kritiker Scott Galloway auf Twitter die Rekordzahlen der Tech-Giganten.

    Ob die Gafa-Konzerne tatsächlich Monopole sind und ihre Monopolmacht zum Schaden von Konkurrenten und Konsumenten ausnutzen, untersuchen in einer Reihe von Verfahren gerade die EU-Kommission, das US-Justizministerium, die US-Aufsichtsbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte verschiedener US-Bundesstaaten.

    Wenn sie Monopole sind, sind sie jedenfalls seltsame Exemplare der Spezies. Auch als ausgewachsene Konzerne verbindet sie im Allgemeinen wenig mit der staubigen Selbstgefälligkeit alter Staatsmonopole, der kundenfeindlichen Bürokratie und „Friss oder stirb“-Mentalität.

    Die Gafas sind beeindruckend innovativ

    Die Gafas sind noch immer beeindruckend innovativ. Apple hat sich mit Apple Watch und Airpods unter Tim Cook noch einmal neu erfunden, seine Wearables-Sparte allein wäre unter den 140 umsatzstärksten Unternehmen der USA.

    Amazon holte sich bei seinem Versuch, mit dem Fire Phone 2014 ein eigenes Smartphone-Ökosystem aufzubauen, eine blutige Nase und legte nur ein Jahr später mit dem smarten Lautsprecher Amazon Echo das Fundament für ein völlig neues digitales Ökosystem.

    Die Gafas sind in erster Linie groß, erfolgreich und margenstark, weil sie Produkte und Dienste anbieten, die Menschen weltweit gerne nutzen. Und weil sie weitsichtige Entscheidungen treffen. Niemand hat die Weisheit „Nur die Paranoiden überleben“ des Intel-Gründers Andy Grove so verinnerlicht wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

    Bei der Kongressanhörung drängten die US-Abgeordneten Zuckerberg in die Enge, weil er in E-Mails aus dem Jahr 2012 bekannte, den aufstrebenden Konkurrenten Instagram Markt wegkaufen zu wollen, bevor er Facebook gefährlich wurde.

    Die Betonung liegt aber auf „bevor“. Dass Instagram, damals ein Start-up ohne Umsatz, zur Cashcow des Konzerns werden würde, war nicht ausgemacht. Das Virtual-Reality-Start-up Oculus, in dem Zuckerberg zwei Jahre später den Architekten der nächsten großen Tech-Plattform sah, hat das Versprechen bis heute nicht eingelöst.

    Facebooks Netzwerkeffekte haben Tiktok nicht verhindert

    Vor einigen Jahren noch galt der Markt für soziale Netzwerke als natürliches Monopol. Netzwerkeffekte würden die Gründung einer Facebook-Alternative immer sofort die Luft abschnüren – warum sollten Nutzer auf eine Plattform wechseln, auf der niemand sonst ist? Und wer es wie Snapchat doch versuchte, würde von Facebook gnadenlos kopiert und plattgewalzt.

    Snap hat überlebt. Und mit Tiktok ist eine weitere Alternative zu Facebook und Instagram entstanden, die mit einem unendlichen Feed lustiger Kurzvideos ein Bedürfnis erfüllt, auf das Zuckerberg und seine Generäle von selbst nicht gekommen sind. Ihre bisherigen Klonversuche sind kläglich gescheitert.

    Die Monopoldebatte um Big Tech eignet sich nicht für einfache Wahrheiten, denn die Realität ist ambivalent: Die Tech-Konzerne sind nicht nur innovativer und mutiger als traditionelle Monopole, sondern als die meisten Unternehmen. Und trotzdem sind sie zu mächtig und missbrauchen diese Macht regelmäßig.

    Amazon nutzt offenbar seine Doppelrolle als Onlinehändler und Marktplatz, um kleine Kaufleute auf seiner Plattform zu benachteiligen. Tim Cook behauptet, alle Entwickler für seinen App Store gleich zu behandeln und macht dann mit Amazon für dessen Prime-Video-App einen speziellen Deal. Und Mark Zuckerberg schimpft auffällig viel auf China, seit mit Tiktok das Tochterunternehmen eines chinesischen Konzerns zu einem ernsten Konkurrenten geworden ist.

    Um diese konkreten Probleme anzugehen, sind präzise Lösungen vonnöten, keine Zerschlagungsfantasien. Amazons Handels- vom Marktplatzgeschäft abzuspalten ist zielführender als etwa die lukrative Cloud-Tochter AWS. Letzteres täte zwar mehr weh, aber hat wenig mit dem eigentlichen Problem zu tun – AWS steht ja im harten Wettbewerb mit Microsoft und Google.

    Bei Apple könnte es schon reichen, eine Zulassung weiterer App Stores auf iOS zu erzwingen, wie es „Epic Games“-Chef Tim Sweeney fordert. Und Facebook braucht vor allem Konkurrenten in seiner Gewichtsklasse.

    Die schiere Größe der Tech-Konzerne, ihr Börsenwert oder ihre Cash-Reserven sind nicht das Problem. Probleme entstehen da, wo sie ihre Schultern breit machen können, um Herausforderern den Marktzugang zu versperren. Genau diese Stellen sollten die Wettbewerbshüter in Europa und den USA identifizieren.

    Ob sie an den richtigen Schrauben drehen, wenn sie über ihre Maßnahmen entscheiden, werden sie unmittelbar beobachten können. Dann nämlich, wenn die Aktienkurse der Tech-Giganten wirklich nachgeben. Ohne Aktiensplit, versteht sich.

    Mehr: Anhörung im US-Kongress: Sechs harte Stunden für die Tech-Giganten

    Startseite
    Mehr zu: Apple, Amazon, Google und Facebook - Mächtig und innovativ: Die großen Tech-Konzerne dominieren auch in der Krise
    0 Kommentare zu "Apple, Amazon, Google und Facebook: Mächtig und innovativ: Die großen Tech-Konzerne dominieren auch in der Krise"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%