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Justizministerin Lambrecht

Die Politikerin fordert, dass die Anbieter von Sprachassistenten Kunden „einfach, klar und verständlich“ über die Datennutzung informieren.

(Foto: dpa)

Apple, Google, Amazon Sprachassistenten und Datenschutz: Wer zuhören will, muss fragen

Nach peinlichen Enthüllungen wollen Apple und Amazon bei ihren Sprachassistenten für mehr Datenschutz sorgen.
Update: 03.08.2019 - 14:03 Uhr Kommentieren
Der Konzern will Nutzer künftig um Erlaubnis fragen, bevor er Sprachbefehle nachträglich transkribieren lässt. Quelle: AFP
Homepod von Apple

Der Konzern will Nutzer künftig um Erlaubnis fragen, bevor er Sprachbefehle nachträglich transkribieren lässt.

(Foto: AFP)

Düsseldorf, Berlin Nutzer des Amazon-Sprachassistenten Alexa dürften spätestens seit dem vergangenen Wochenende beunruhigt sein. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ rekrutiert die Zeitarbeitsfirma Randstad Mitarbeiter in Polen, die die Aufzeichnungen teils auch in der eigenen Wohnung und unterwegs abschreiben. Die Nutzerdaten, ist zu befürchten, werden dabei offenbar nicht so stark geschützt wie vermutet.

„Einigen Mitarbeitern ist es gestattet, von anderen Orten aus zu arbeiten“, bestätigte Amazon. Der Konzern verweist dabei jedoch auf „strenge Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss“. Doch auch vonseiten der Aktionäre gibt es Sorgen um den Kurs von Amazon.

Die Mitschriften werden gebraucht, um die Systeme weiterzuentwickeln. Mit den transkribierten Texten trainieren die Unternehmen ihre Algorithmen – üblich bei der Technologie, die als Künstliche Intelligenz bezeichnet wird. Allerdings informieren sie ihre Kunden bislang nur indirekt über diese Praxis. Amazon erklärt beispielsweise in der App, dass „ein sehr kleiner Anteil der Sprachaufzeichnungen“ unter Umständen „manuell überprüft“ werde.

Vertrauliches belauscht

Für Aufregung hatte schon vor einigen Tagen ein Artikel der britischen Zeitung „The Guardian“ gesorgt. Sie hatte berichtet, dass Mitarbeiter eines Dienstleisters im Auftrag von Apple Aufnahmen anhören, und das teils mit intimen Inhalten. Von Gesprächen über vertrauliche medizinische Informationen war dort die Rede – bis hin zu Geräuschen von Paaren beim Sex.

Dabei müssen die Anbieter nach Einschätzung von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) nachfragen: Die Datenschutz-Grundverordnung enthalte klare Regeln für das Internet der Dinge. Die Kunden müssten einfach, klar und verständlich über Art und Umfang der Datennutzung informiert werden, sagte sie dem Handelsblatt. Andernfalls drohten Bußgelder von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Besonders problematisch: Alexa, Siri und der Google Assistant zeichnen gelegentlich auch dann auf, wenn die Nutzer das nicht beabsichtigen. „Sprachassistenten reagieren regelmäßig auf Worte, die so eigentlich nicht vorgesehen sind“, sagt Florian Glatzner, Referent im Team Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

So hat das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale NRW herausgefunden, dass Amazons Assistentin Alexa nicht nur auf ihren Namen und das Wort „Amazon“ reagiert, sondern manchmal auch auf „ham wa schon“. Schließlich soll die Software auch nuschelnde Nutzer bei der Spracheingabe verstehen: Ein undeutliches „Haben wir schon“ klingt eben fast wie „Amazon“.

Auch der Google Assistant fühlt sich zu oft angesprochen. Er soll auf „Okay Google“ oder „Hey Google“ reagieren, schaltet sich aber auch ein, wenn sich die Familie auf „Okay, Kuchen“ einigt oder ein Nutzer „Okay, du“ sagt. Siri hat laut Glatzner schon mal auf das Geräusch eines Reißverschlusses reagiert – nutzungsgemäß vor allem in Bade- und Schlafzimmern.

Der Verbraucherschützer sieht darin ein Problem von grundsätzlicher Bedeutung, kommen doch Sprachassistenten auch auf Smartwatches und in Autos zum Einsatz – und künftig wohl in immer mehr Geräten. „Die Unternehmen sind in der Verantwortung, ihre Produkte so zu gestalten, dass sie dem geltenden Recht entsprechen. Es darf nicht sein, dass die Verantwortung auf die Nutzer abgeschoben wird.“

Neben organisatorischen Maßnahmen mahnen Experten auch technische Schritte an. So fordert der Hamburger Datenschützer Johannes ‧Caspar eine Zugriffskontrolle per Stimmprofil. Das Kalkül: Wenn eine dritte Person in Mikrofonreichweite ist, muss sie nicht befürchten, dass ihre Daten auf den Servern der IT-Konzerne landen.

Standard für die Industrie

Einige Politiker und Datenschützer ziehen die Technologie grundsätzlich in Zweifel. Dieter Janecek, Obmann der Grünen im Digitalausschuss des Bundestags, bleibt angesichts erster Versprechen misstrauisch, auch weil die Datenverarbeitung oft an Vertragspartner ausgelagert werde: „Solchen Wohnzimmerwanzen alles zu erlauben sollte man sich persönlich gut überlegen – und dabei auch an die Privat- und Intimsphäre seiner Gäste und Kinder denken“, sagte er dem Handelsblatt.

Die Kritik an dieser Praxis ist in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. Darauf reagieren die Konzerne nun, teils von sich aus, teils auf Druck der Behörden.

Apple will künftig ausdrücklich um Erlaubnis der Kunden fragen und bis dahin die Analyse aussetzen. Amazon ermöglicht es mit einem Update, über die App die Nutzung auszuschalten. Google-Mitarbeiter dürfen wiederum nach dem Einschreiten des Hamburger Datenschützers ‧Caspar mindestens drei Monate lang keine Mitschnitte mehr kontrollieren.

Für den Datenschützer ist die Ankündigung von Apple wichtig. „Der Schlüssel zu einer zulässigen menschlichen Auswertung von Sprachaufnahmen führt über die Einwilligung der Betroffenen“, sagte er. Caspar fordert außerdem Industriestandards für den Datenschutz bei Sprachassistenzsystemen. „Hier kommt den Aufsichtsbehörden für den Datenschutz eine wichtige Rolle zu“, stellt der Hamburger klar.

Mehr: Viele Menschen würden etwas Privatsphäre aufgeben, um Sprachassistenten zu verbessern. Die Anbieter müssen aber dringend transparenter werden, kommentiert Handelsblatt-Autor Christof Kerkmann.

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