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Apple, Samsung, Google Smarthome oder Überwachungskapitalismus: Die Neuerfindung des Wohnens spaltet Tech-Welt

Internetkonzerne wie Google und Apple wollen das Zuhause zum smarten Organismus machen. Doch was die einen begeistert, kritisieren andere scharf.
15.01.2020 - 16:37 Uhr Kommentieren
Das Zuhause soll zum „lebenden Organismus“ werden. Quelle: Bloomberg
Samsung-Manager Federico Casalegno

Das Zuhause soll zum „lebenden Organismus“ werden.

(Foto: Bloomberg)

San Francisco Für Samsungs Chefdesigner Federico Casalegno steht die Menschheit vor der dritten großen Evolution des Wohnens. War die Behausung vor Urzeiten ein einfacher Schutz vor Wetter und Gefahren, mutierte sie später zu einem Wohnort mit Technologiebezug, hielten Heizung, Sanitärinstallationen, Kommunikationsverbindungen, Aufzüge und anderer Komfort Einzug.

Jetzt, im beginnenden Jahrzehnt, so Casalegno auf der Technologiemesse CES in Las Vegas, stehe die Menschheit an der Schwelle zur Neuerfindung des Wohnens. Das Zuhause werde zum „lebenden Organismus“, der vom Verhalten der Bewohner lernt, deren Bedürfnisse kennt und den Lebensmittelpunkt nach ihren Wünschen und Werten individualisiert.

Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen und Dutzende Sensoren in Möbeln, Haushaltsgeräten und Konsumelektronik werden diese Arbeit selbsttätig übernehmen. Es sei ein „radikaler Ansatz“, räumt der Samsung-Forscher ein, aber „keine Utopie“ mehr.

Die Messe CES stand im Zeichen der Vorboten dieser Umwälzung. Sie wurde beherrscht vom Zweikampf der Giganten Google und Amazon, die ihren Kampf um die Wohnzimmer mit immer härteren Bandagen austragen. Ihre „intelligenten“, sprachgesteuerten digitalen Assistenten waren überall zu sehen, aus dem Off kam noch Apple mit dem Digitalassistenten „Siri“ dazu. Apple war offiziell nicht auf der Messe vertreten, aber durch Dutzende Unternehmen, die Siri in ihre Produkte integrieren.

Die drei großen Widersacher im entstehenden Markt für digitale, sprachgesteuerte persönliche Assistenten hatten Ende Dezember im Vorfeld bereits für Aufsehen gesorgt, als sie die Entwicklung eines gemeinsamen Standards für Smarthomes ankündigten. Dieser „lizenzfreie Verbindungsstandard“ solle die „Kompatibilität zwischen Smarthome-Produkten verbessern, mit eingebauter Sicherheit als zentralem Designziel“.

Gemeint sind derzeit Geräte wie Apples Homepod, Amazons Echo oder Googles Home Speaker. Doch wie es enden könnte, zeigte wieder Samsung auf der CES: „Ballie“, ein kleiner, rollender Kugelroboter, der seinem Besitzer auf dem Fuße folgt oder allein das Haus durchstreift, beherrscht und steuert den lebenden Organismus Haus und liest den Besitzern die Wünsche quasi von den Augen ab.

Oder, besser gesagt, er liest es von dem ab, was die online gekauft haben, kaufen wollen, was sie gegoogelt oder auf Facebook geteilt, im Kühlschrank oder den RFID-gespickten Küchenschränken haben, was sie auf Youtube schauen (oder nicht schauen), mit wem sie kommunizieren und mit wem nicht und über was. Klingt die Sprache, die der smarte Lautsprecher auffängt, traurig, fröhlich, erregt, verärgert? All das wird sich im Verhalten des Hauses widerspiegeln.

Dieser Standard, so er kommt, wird sich zunächst darauf beschränken, den Zugang aller Geräte zu IP-basierten Kommunikationsnetzen, vulgo dem Internet, zu sichern. Solche IP-Netze werden in Häusern so selbstverständlich integriert sein wie Wasser, Heizung und Strom. Niemand soll sich dann beim Ein- oder Umzug noch Gedanken machen müssen, ob seine Geräte auch funktionieren.

„Wir werden in der Zukunft fast alles über Sprachassistenten steuern“

Hightech-Stadtteil in Toronto geplant

Anbieter werden auch Firmen wie Alphabets Sidewalk Labs sein. Die Tochter der Holding, deren größtes Unternehmen Google ist, plant und entwickelt urbane Infrastruktur bis hin zu ganzen Stadtteilen. Das größte Projekt ist die Umwandlung eines Teils der kanadischen Metropole Toronto in einen „Hightech-Stadtteil“.

Es wäre die Erfüllung eines der größten Träume von Google-Mitgründer Larry Page, der schon vor Jahren offen von einer unregulierten Zukunftsstadt träumte, in der man all die Dinge ausprobieren könnte, die ihm so vorschwebten, von fahrerlosen Autos bis hin zu smarten Wohnungen, digitalem Gesundheitswesen und was einem noch alles einfällt. Sidewalk-Chef ist die Internetlegende Dan Doctoroff, der bei der Vorstellung der Pläne vom „innovativsten Stadtteil der Welt“ schwärmte.

Doch was vor zehn Jahren vielleicht noch von vielen mit grenzenlosem Optimismus begrüßt worden wäre, stößt zahlreiche Datenskandale später auf massiven Widerstand und Kritik. Nach langer Zeit des Schweigens haben Vertreter von Sidewalk und der städtischen Organisation Waterfront Toronto vergangenen Montag erstmals wieder miteinander gesprochen und versöhnliche Töne angeschlagen.

Sie haben noch bis Ende März Zeit, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, sonst könnte das Projekt, das bis zu 40 Milliarden Dollar groß werden könnte, in sich zusammenfallen. Sidewalk-CEO Doctoroff betonte erneut, es gehe ihm bei dem Projekt nicht in erster Linie um Daten.

Angriff auf die Verhaltensdaten
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