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Audio-App Chinesische Firma Agora macht den rasanten Aufstieg von Clubhouse möglich

Clubhouse ist schnell gewachsen. Jetzt weisen Forscher nach, dass die Infrastruktur dafür von der Firma Agora aus Schanghai kommt. Ein Problem ist aber Chinas Zugriff auf IT-Firmen.
18.02.2021 - 14:31 Uhr 1 Kommentar
Netzwerke wie Instagram oder WhatsApp werden fürs Recruiting kaum genutzt. Quelle: AFP
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Netzwerke wie Instagram oder WhatsApp werden fürs Recruiting kaum genutzt.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Die Macher hinter der Audio-App Clubhouse haben lange Zeit ein Geheimnis daraus gemacht, mit welcher Technologie sie ihren Dienst aufgesetzt haben. Ein Team an der US-Stanford-Universität hat in einer Analyse nun nachgewiesen, dass Clubhouse die Infrastruktur von der Firma Agora.io aus Schanghai bezieht. Das Unternehmen betreibt Server in den USA und in China.

Hinter Agora steht CEO Zhao Bin, der sich auf Englisch Tony nennt. Er gehört zu den Vorreitern von Audio- und Video-Übertragungen per Internet. Der an der Peking-Universität ausgebildete Entwickler war 1997 Teil des Gründungsteams des Konferenzdienstes Webex. 2008 wechselte er dann als Technikchef zu Chinas erstem Livestreaming-Dienst YY.

Dann wollte er eine eigene Firma aufbauen. Sein Ziel sei immer gewesen, Menschen ein umfassendes Zusammenleben online zu ermöglichen, wie das gemeinsame Singen von Karaoke-Liedern, Freunde treffen oder Partys veranstalten. „Der richtige Zeitpunkt kam, als der Smartphone-Absatz in China rasant stieg“, beschrieb Zhao später sein Kalkül.

2014 gründete er mit Freunden Agora. Das Ziel der Firma beschreibt Zhao: „Agora gibt Entwicklern die Möglichkeit, eine Welt zu erschaffen, in der jeder einfach mit jedem in Echtzeit in Interaktion treten kann.“

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    Zhaos Unternehmen kümmert sich um die technologische Infrastruktur. Das Entwickeln konkreter Anwendungen überlässt er seinen Kunden. Das ist etwa der Fall bei Clubhouse. Die Audio-App wird von einer US-Firma vorangetrieben. Sie hat sich das Format ausgedacht, kümmert sich um die Inhalte und das Marketing. Nur die technische Infrastruktur kommt wohl von Agora.

    Behörden könnten Diskussionen mitgeschnitten haben

    Nach Ansicht der Forscher entsteht daraus ein großes Datenschutzproblem (Standford-Analyse im Original). Denn die chinesische Regierung hat weitreichenden Zugriff auf IT-Firmen im Land und kann die Herausgabe von Daten verlangen.

    In einem Dokument, dass Agora bei der US-Behörde Securities and Exchange Commission einreichen musste, räumte das Unternehmen selbst sogar ein, dass es nach chinesischen Gesetzen zur Kooperation mit Sicherheitsbehörden verpflichtet werden kann, „um die nationale Sicherheit zu schützen oder bei der Ermittlung krimineller Handlungen zu helfen“ (Dokument im Original).

    Die Forscher vom Internet Observatory an der Standford University sehen jetzt vor allem Bürger in China in Gefahr. Einige Wochen war Clubhouse in China verfügbar. In offenen Diskussionen tauschten sich Bürger über kontroverse Themen, wie den Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren, der Situation der Tibeter im Land oder auch die prodemokratischen Proteste in Hongkong aus. Vor rund einer Woche war Clubhouse dann von chinesischen Behörden zensiert worden und ist seitdem nicht mehr direkt aus China abrufbar.

    Agora reagierte auf den Bericht der Stanford-Forscher und betonte, die Firma speichere nicht dauerhaft die Daten von Nutzern der Plattform. Das Standford-Team schrieb jedoch, seine Analyse habe ergeben, dass der Datentransfer an vielen Stellen nicht ausreichend verschlüsselt gewesen sei. Daher sei es möglich gewesen, dass chinesische Regierungsstellen die kritischen Diskussionen in China mitgeschnitten haben könnten.

    Die Stanford-Forscher betonten allerdings, dass von diesem Risiko wohl nur Nutzer in China betroffen waren. Der Datentransfer internationaler Nutzer werde vor allem über die Agora-Server in den USA abgewickelt. Dort sei ein Zugriff chinesischer Behörden kaum möglich. Eine Rückmeldung von Agora sowie Clubhouse auf eine Anfrage stand bisher aus.

    Der CEO und Gründer von Agora.ai stellt die Infrastruktur hinter der Hype-App Clubhouse bereit. Quelle: Medium
    Tony Zhao

    Der CEO und Gründer von Agora.ai stellt die Infrastruktur hinter der Hype-App Clubhouse bereit.

    (Foto: Medium)

    Zhao und Agora hat die Diskussion bislang nicht geschadet. Ganz im Gegenteil ist mit dem Bericht der Standford-Forscher erstmals öffentlich die Kooperation zwischen Agora und Clubhouse nachgewiesen worden. Bis heute schweigen beide Firmen zu den Details der Zusammenarbeit.

    Agora ist im Juni an der Nasdaq an die Börse gegangen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres lag der Kurs mehr als 20 Prozent im Vergleich zur Einstandsbewertung im Minus. Als dann Anfang des Jahres zunehmend über die Verbindung von Agora und Clubhouse berichtet wurde, stieg die Bewertung deutlich an. Seit Jahresbeginn hat die Firma mehr als 45 Prozent bei der Bewertung zugelegt. Derzeit wird sie an der Börse mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet.

    Dabei konnte Zhao noch nie schwarze Zahlen vorweisen. Bei der Bekanntgabe der jüngsten Daten für das dritte Quartal 2020 gab Zhao einen Umsatz von 30,8 Millionen Dollar bei einem Verlust von 2,9 Millionen Dollar bekannt. Allerdings konnte Zhao ein starkes Wachstum ausweisen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hatte allein der Umsatz um mehr als 80 Prozent zugelegt. Allerdings hatte sich im gleichen Zeitraum der Verlust nahezu verdreifacht.

    Vor Investoren zeigte sich Zhao zuversichtlich: „Uns geht es um mehr als nur Audio und Video.“ Künftig werde die Firma ihr Portfolio deutlich erweitern. Angebote für virtuelle Realität, Echtzeitübersetzung oder Transkription von Gesprächen seinen möglich. Zhao sagte: „Wir haben Agora von Anfang an skalierbar gebaut.“ Das zahle sich nun aus.

    Mehr: Über den Fokus auf Konsumenten hinaus: Das sind die spannendsten Einhörner aus China

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    1 Kommentar zu "Audio-App: Chinesische Firma Agora macht den rasanten Aufstieg von Clubhouse möglich "

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    • " ... Der Datentransfer internationaler Nutzer werde vor allem über die Agora-Server in den USA abgewickelt. ..."

      Die Frage ist dabei, wer die Wartung der Server ausführt und wie das AdminGate zum Produkthersteller gebaut ist.
      Gleiches Problem stellt sich auch mit Blick auf den US-Patriot Act in Bezug auf Microsoft Cloud-Umgebungen, die bei deutschen Providern betrieben werden.

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