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Autochips NXP-Chef Kurt Sievers: Der Mangelverwalter

Der neue CEO des Infineon-Konkurrenten warnt vor anhaltenden Lieferengpässen bei Halbleitern: Die Kunden brauchen noch mehr Geduld.
02.02.2021 - 18:23 Uhr Kommentieren
Der gebürtige Augsburger rückte erst im Mai an die Spitze des niederländischen Chipkonzerns NXP vor. Quelle: Pressefoto
Kurt Sievers

Der gebürtige Augsburger rückte erst im Mai an die Spitze des niederländischen Chipkonzerns NXP vor.

(Foto: Pressefoto)

München Es sind Probleme, die viele andere Vorstandschefs mitten in der Coronakrise wohl gerne hätten: Kurt Sievers muss seine Kunden vertrösten. Der neue Chef des Chipkonzerns NXP kann die Aufträge längst nicht so zügig abarbeiten, wie das die Käufer gerne hätten.

Weil NXP – genau wie Konkurrenten wie Infineon – nicht genügend liefert, stehen vielerorts die Bänder in der Autoindustrie still. Der Manager sprach denn auch von einem „turbulenten 2020“, als er an diesem Dienstag zum ersten Mal die Jahreszahlen der ehemaligen Philips-Tochter präsentierte.

Der gebürtige Augsburger rückte erst im Mai an die Spitze des niederländischen Unternehmens vor. Der Stabwechsel war zwar lange geplant. Letztlich war der Zeitpunkt aber alles andere als ideal, schließlich übernahm Sievers die Verantwortung auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns.

Damals hatte Corona die gesamte westliche Welt fest im Griff, die Aussichten erschienen düster – und Sievers kürzte seine Produktionspläne drastisch. Rückblickend ein Fehler. „Das Geschäft ist wesentlich schneller zurückgekommen, als wir geglaubt haben“, sagte der Manager im Dezember dem Handelsblatt.

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    So ist der Umsatz im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar geklettert. Weil NXP in New York notiert ist, rechnet der Konzern in Dollar ab. „Wir haben einen besonders starken Aufwärtstrend im Auto- und Mobilfunkgeschäft erlebt“, erläuterte Sievers am Dienstag. Der Betriebsgewinn hat sich mit 463 Millionen Dollar mehr als verdoppelt.

    Die Autohersteller sind schuld

    Es wäre ein Einstand nach Maß, hätte der Physiker nicht mit den Lieferproblemen zu kämpfen. Die Kapazitäten in den Chipfabriken seien ausgelastet, die Vorlaufzeiten würden dramatisch zunehmen, warnte Sievers.

    Experten machen vor allem die Automarken und deren Zulieferer verantwortlich, dass die Bauteile fehlen. Sie hätten einfach zu spät bestellt. Die Hersteller von Computern und Smartphones seien schneller gewesen.

    Es sei nicht die Aufgabe der Halbleiterhersteller, den Bedarf der Autobranche zu antizipieren, sagt Marcus Gloger, Partner bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

    Sievers ist nicht der einzige CEO in der Halbleiterbranche, den in den vergangenen Wochen die Anrufe verzweifelter Einkäufer aus der Autobranche erreichten. Gloger: „Praktisch die gesamte Halbleiterindustrie kann aktuell nicht ausreichend liefern.“ NXP ist nach dem Dax-Konzern Infineon die Nummer zwei im Autochip-Geschäft. Infineon-Chef Reinhard Ploss präsentiert die aktuellen Zahlen am Donnerstag.

    Sievers kennt sein Unternehmen in- und auswendig. Der begeisterte Bergsportler hat sein gesamtes Berufsleben bei den Niederländern verbracht. Als er 1995 dazustieß, war NXP noch Teil von Philips. Seit 2009 sitzt der Familienvater, der in Hamburg lebt, im Vorstand des Konzerns. Er war eine der treibenden Kräfte hinter der zwölf Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Konkurrenten Freescale vor sechs Jahren. Bis Infineon letztes Frühjahr den amerikanischen Rivalen Cypress schluckte, war NXP die Nummer eins bei den Autochips.

    Natürlich profitiert Sievers davon, dass es der gesamten Branche vergleichsweise gut geht. So ist der Umsatz der Industrie vergangenes Jahr trotz Corona weltweit um 6,5 Prozent auf 439 Milliarden Dollar gestiegen. Das hat der amerikanische Branchenverband SIA errechnet. Die Industrie habe insbesondere davon profitiert, dass sich Beschäftigte weltweit für die Heimarbeit mit neuen Rechnern eingedeckt haben.

    Der Aktienkurs ist um 80 Prozent gestiegen

    Unter den Investoren genoss Sievers von Anfang an großes Vertrauen. Seit seinem Amtsantritt ist der Aktienkurs um knapp 80 Prozent in die Höhe geschossen. Mit seinen jüngsten Quartalszahlen hat er die Erwartungen der Analysten erneut übertroffen.

    Allerdings seien den Konzernführern wie Sievers die Hände gebunden, findet Thibault Pucken, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Inverto: „Auch die Halbleiterhersteller sind nicht voll integriert und auf viele Lieferanten angewiesen. Die müssen sich ebenso in der Schlange anstellen.“ Immerhin, Sievers dürfte zugutekommen, dass Produktionspartner TSMC in Taiwan zugesagt hat, mehr Kapazitäten für Autochips zur Verfügung zu stellen. TSMC ist der weltgrößte Auftragsfertiger.

    Dennoch, die Kunden brauchen weiterhin Geduld. Die Lieferengpässe würden noch einige Quartale andauern, so Sievers. Immerhin muss er sich für die nächsten Monate keine Sorgen ums Geschäft machen, im Gegenteil: Wenn seine Prognose zutrifft, wird der Umsatz im ersten Quartal um rund ein Viertel in die Höhe schießen.

    Mehr: Sonderschichten ab Sommer geplant: VW will nach dem Chipmangel die Aufholjagd starten

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