Automatisierungstechnik erhöht den Wohnkomfort und schützt bei Abwesenheit vor Einbrechern Mikroelektronik vernetzt das Haus

Intelligente Häuser sind im Kommen. Im Abstand von wenigen Wochen wurden gleich zwei Modellhäuser vorgestellt, in denen die Lampen, Fenster, Heizung oder Rollläden über einen Rechner nach den Vorgaben der Bewohner automatisch gesteuert werden.
  • N. Oberhäuser und H. Schürmann
Ein Berliner Einfamilienhaus der Firma Weber ist mit der neuesten Informations- und Kommunikations- und Unterhaltungstechnik vollgepackt. Foto: dpa

Ein Berliner Einfamilienhaus der Firma Weber ist mit der neuesten Informations- und Kommunikations- und Unterhaltungstechnik vollgepackt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Ende Januar wurde auf dem Gelände der Bundesgartenschau in München das Haus der Gegenwart eröffnet und in dieser Woche das T-Com-Haus der Deutschen Telekom in Berlin. In München zeigt Softwarekonzern Microsoft zusammen mit Partnern, dass es nicht nur möglich ist, die Haustechnik über einen Taschencomputer zu steuern, sondern auch die Unterhaltungselektronik wie von Geisterhand zu bedienen. Auch in dem Telekomhaus in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin steuern Computer die Haustechnik, Musikanlage und den Fernseher.

Doch ganz so neu – wie es auf den ersten Blick scheint – ist die Vernetzung der Haustechnik nicht. Schon vor zwei Jahren hat das Fraunhofer-Institut IMS in Duisburg das so genannte „In-Haus“ gebaut, in dem Firmen der Haustechnikbranche ihre Lösungen für die Hausautomation vorstellen und im Zusammenspiel mit Produkten anderer Hersteller testen können.

Auch Clemens August Brachtendorf, Architekt in Düsseldorf, macht sich schon seit Jahren für das vernetzte, intelligente Haus stark. Dabei setzt der 43-Jährige auf einen Standard – den Europäischen Installationsbus kurz EIB –, der bereits lange existiert: Siemens und andere Firmen haben ihn im Jahre 1990 eingeführt.

Der Begriff „Bus“ kommt aus der Computertechnik und bezeichnet ein offenes System, das einzelnen Bestandteile verbindet. Durch den Bus werden die Einzelteile zu einem sinnvollen Ganzen zusammengeführt. Der Bus regelt die Befehlssteuerung für alle mit ihm verbundenen Schaltungen. So fährt die Steuerung bei Sturm automatisch die Jalousien hoch, das Thermostat regelt die Heizung je nach Außentemperatur und der Helligkeitssensor schaltet die Lampen ein und aus.

Über eine festgelegte Schnittstelle kann der Techniker seinen PC anschließen, um die Funktionen der Elektronik im Haus zu programmieren. So wird detailliert festgelegt, welche Lampe

auf welchen Schalter reagieren soll oder bei welcher Außentemperatur die Heizung in welchem Raum anspringt.

Standardmäßig werden Licht, Sonnenschutz, die Rolladensteuerung und die Heizung in ein EIB zusammengefasst. „Ich empfehle meinen Kunden immer noch eine Fensterkontrolle mit einzubeziehen“, sagt der Architekt. Wenn Fenster geöffnet werden, fährt die Heizung automatisch herunter und wenn der Hausbesitzer in Urlaub ist, kann die Steuerzentrale so eingestellt werden, dass das System Alarm schlägt, wenn das Fenster gewaltsam geöffnet wird. „Das EIB-System ist heute schon in der Lage SMS-Nachrichten und E-Mail Nachrichten zu versenden“, sagt Brachtendorf.

Das System benötigt ein vieradriges geschirmtes Kabel, in dem die Daten mit einer Geschwindigkeit von 9,6 Kilobit pro Sekunde übertragen werden. Das mutet in Zeiten von Megabit-Standleitungen extrem langsam an. „Um ein Licht zu schalten, benötigt man keine große Datenmenge“, sagt Brachtendorf. Zudem sei das System sehr sicher und stabil. Der Architekt zieht die Kabelversion der Funkversion vor. Sie sei abhörsicherer und in der Reichweite nicht auf 50 Meter begrenzt, sagt er.

Weiterer Vorteil: Das EIB-Bussystem ist ein offenes System – jeder Hersteller von Haustechnik kann entsprechende Komponenten herstellen, die später in einem Haus ohne Problem mit einander kommunizieren. So liefern Gira, Merten und Busch-Jaeger EIB-Schalter, die Firma Heimeier stellt EIB-Heizungsventile her und die Steuerungen für den Heizkessel kommen von Buderus und Vissmann.

Die Technik ist jedoch nicht billig. Daher gibt es bislang nur wenige Häuslebauer, die bereit sind, die Mehrkosten aufzubringen. 5 000 Euro veranschlagt Brachtendorf für die Automatisierung eines Einfamilienhauses. Ab 10 000 Euro kann das EIB-System auch über das Internet gesteuert werden. Doch auch die Einsparpotenziale seien nicht zu verachten: „Wenn die Heizung optimal geregelt wird, sind Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent möglich“, sagt Brachtendorf.

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