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Autonomes Fahren Fernride will Lkw-Fahren zum Bürojob machen

Unternehmen suchen vergeblich Lkw-Fahrer. Fernride will das Problem entschärfen – und künftig einen einzigen Fahrer 50 Fahrzeuge fernsteuern lassen.
06.07.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Maximilian Fisser, Hendrik Kramer und Jean-Michael Georg haben das Start-up aus ihrem Studium an der TU München heraus gegründet. Quelle: Fernride
Die Fernride-Gründer

Maximilian Fisser, Hendrik Kramer und Jean-Michael Georg haben das Start-up aus ihrem Studium an der TU München heraus gegründet.

Paris Es klingt nach Spielzeug und soll ein Riesengeschäft werden: Hendrik Kramer, 26, und seine Mitgründer haben ein System entwickelt, mit dem Lkws fahrerlos über Fabrikgelände gesteuert werden können. Damit wäre zahlreichen Unternehmen geholfen, die derzeit keine Lkw-Fahrer finden.

Denn: „Es gibt in Europa 100.000 Lastwagen, die das Werksgelände nie verlassen“, sagt Kramer, der CEO der Firma. Für all diese Fahrzeuge könnte sich das System von Fernride eignen – und irgendwann vielleicht noch für viel mehr.

Es geht auch um einen Zwischenschritt zum autonomen Fahren. Algorithmen sollen in Fernrides Teleoperationsbetrieb vom Menschen lernen. „Künstliche Intelligenz ist noch nicht weit genug, den fahrerlosen Prozess umzusetzen“, sagt Hendrik Kramer. „Aber wir können sie in diesem relativ einfachen Anwendungsfall trainieren und die Technologie damit weiterentwickeln.“

Das Münchener Start-up hat jetzt seine erste institutionelle Finanzierungsrunde über 7,1 Millionen Euro abgeschlossen. Sie folgt auf ein Pilotprojekt mit Logistikdienstleister DB Schenker: Auf dessen Werksgelände konnte Fernride laut Kramer zeigen, dass es Lkws von seinem Münchener Teleoperationszentrum aus „sicher aus der Ferne über das Mobilfunknetz steuern kann“. Damit wird Level 4 von 5 auf dem Weg zum echten autonomen Fahren erreicht.

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    Wenn das Konzept aufgeht, wird Lkw-Fahren zum Bürojob. Fernride stattet die Lastwagen mit einer Schnittstelle aus, über die Bremse, Gas und Lenkung elektronisch angesteuert werden können. Zudem sind die Fahrzeuge mit zwölf Kameras, Sensoren und einem Konnektivitätsmodul ausgestattet, die die Daten an das Teleoperationszentrum senden.

    „Dort sitzt ein Mensch, der die Situation besser beurteilen kann und den Truck besser sieht als der Fahrer in der Kabine“, sagt Hendrik Kramer. „Das geht in einer auf dem Bildschirm visualisierten 3D-Welt viel leichter.“

    Autonomes Fahren bei Lkws: Bis zu fünf Milliarden Euro schwerer Markt

    „Im nächsten Schritt geht es darum, die fahrerlosen Trucks rund um die Uhr und unter allen Witterungsbedingungen in die Prozesse der Kunden zu integrieren“, sagt Kramer. Den Markt für die Teleoperation auf Betriebsgrundstücken in Europa beziffert er mit mehr als fünf Milliarden Euro. Langfristig könnte das Unternehmen noch einen größeren Markt adressieren: „Das Ziel ist, die Technologie so robust zu machen, dass man damit Stück für Stück auf die Straße gehen kann.“

    Fernride wurde zwar erst 2019 gegründet. In der Technologie stecken aber bereits zehn Jahre Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der Technischen Universität München. Jüngst war Kramer auf der Pariser Technologiemesse Vivatech eingeladen, um einem internationalen Publikum die für viele Ausgründungen bekannte Uni und sein Start-up vorzustellen.

    Die Mitgründer Jean-Michael Georg, 33, und Maximilian Fisser, 33, haben dort in dem Forschungsbereich Teleoperation und Sensortechnik promoviert und sich gemeinsam mit Wirtschaftsingenieur Kramer zur Ausgründung entschieden.

    Marie-Helene Ametsreiter hat vor 18 Monaten erstmals mit der Wagniskapitalfirma Speedinvest in Fernride investiert. Bis autonomes Fahren auf breiter Basis im öffentlichen Verkehr möglich ist, werde es noch einige Zeit dauern, sagt sie.

    Und: „Teleoperiertes Fahren ist eine Grundvoraussetzung, um autonomes Fahren ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug sicher zu skalieren und rentabel zu betreiben.“ Fernride habe „mit dem Go-to-Market über Logistikanwendungen auf Privatgelände einen skalierbaren Weg gefunden, um diese Entwicklung stark zu beschleunigen.“

    Die neue Finanzierungsrunde wird vom Münchner Start-up-Investor 10x angeführt. Zu den Bestandsinvestoren gehören neben Speedinvest unter anderem Fly Ventures und die UnternehmerTUM.

    Künstliche Intelligenz soll von Teleoperatoren lernen

    Die Fernride-Gründer sind zwar nicht die Einzigen mit diesem Ansatz. Die Telekom arbeitet hier zum Beispiel mit dem israelischen Start-up Ottopia zusammen. Aus Sicht von Ametsreiter unterscheide sich Fernride aber in der „eleganten“ Integration in bestehende Wertschöpfungsketten von seinen Wettbewerbern.

    Zunächst werden die Teleoperatoren verschiedene Fahrzeuge nur nacheinander bewegen können. Hendrik Kramer schätzt, dass ein Operator trotzdem allein für 25 Fahrzeuge auf einem Werksgelände zuständig sein könnte – so gering sei die Auslastung.

    Doch das System habe das Potenzial, auf Dauer durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung immer effizienter zu werden. „Sobald ein Teleoperator nacheinander verschiedenen automatisierten Fahrzeugen in schwierigen Situationen helfen kann, kann man irgendwann eins zu 50 realisieren“, sagt er.

    Bis dahin ist allerdings noch viel Entwicklung und wohl auch Kapital nötig. Bisher hat Fernride nur bewiesen, dass ein Mensch mithilfe seiner Technologie aus der Ferne sicher einen Lastwagen steuern kann. In einem Test hat dabei eine 18-Jährige am besten abgeschnitten – ohne Führerschein.

    Mehr: Silicon Valley an der Isar: Wie München Start-ups und Tech-Giganten anzieht

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    1 Kommentar zu "Autonomes Fahren: Fernride will Lkw-Fahren zum Bürojob machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein platter Reifen am Truck irgendwo auf der Autobahn. Wird der Reifen dann auch per Fernsteuerung gewechselt???
      Eines ist aber klar: Unternehmen werden immer versuchen, die Kosten zu senken - und gerade auch die Transportkosten.
      Postauslieferung per Drohnen gibt es schon - und ferngestuerte Trucks zwecks Einsparung der Kosten für die Trucker wird es auch früher oder später geben.
      Kommt es also in immer mehr Bereichen zu einem "Ende der Arbeit" (-> siehe Jeremy Rifkin: The End of Work) mit einer Viellzahl an "überflüssigen" Arbeitsplätzen?
      Davon ist nicht auszugehen: das Internetzeitalter zeigt, dass vielmehr Fortschritt MEHR Arbeitsplätze schafft.
      Und einen großen Vorteil haben etwa selbstfahrende Trucks, U-Bahnen oder Busse sowieso: streikende Fahrer können dann nicht mehr die ganze Gesellschaft lahmlegen und erpressen!

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