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AWS-Konferenz re:invent So können Unternehmen mehr Erfolg in der Cloud haben

Die Cloud-Branche fürchtet, dass die Kunden den Wandel nicht konsequent genug vorantreiben. Viele Unternehmen müssen sich komplett neu aufstellen.
27.12.2019 - 22:13 Uhr Kommentieren
Viele traditionelle Unternehmen tun sich mit der Umstellung schwer. Quelle: dpa
Verloren in der Cloud

Viele traditionelle Unternehmen tun sich mit der Umstellung schwer.

(Foto: dpa)

Las Vegas Andy Jassy hat ein Problem. Unternehmen strömen weltweit in die Cloud. Sie kommen zu Microsoft, Google, Alibaba oder zu AWS, der Cloud-Tochter von Amazon, die Jassy leitet. Die Wachstumsraten sind hoch, wie Synergy Research auf Basis der Zahlen zum dritten Quartal 2019 ermittelt hat.

„Der Markt für digitale Dienste im Netz hat sich in nur acht Quartalen verdoppelt und wird sich innerhalb der nächsten elf Quartale noch einmal verdoppeln“, so Synergy-Chefanalyst John Dinsdale. Schon heute ist der Markt für Cloud Computing pro Jahr 100 Milliarden Dollar groß.

Jassy könnte also eigentlich zufrieden sein. Doch es ist die Angst vor dem Scheitern, die die Branche umtreibt. Das größte Problem scheint der Kunde zu sein. Denn viele Unternehmen wollen die Cloud in ihre Abläufe integrieren. Doch wirklich ändern soll sich dabei besser nichts: Alte Strukturen werden „zurechtgebogen“. Da scheinen Rückschläge und Probleme vorprogrammiert. Irgendwann, so fürchten die Betreiber, werde der Ärger auf die Betreiber der Clouds zurückschlagen.

Mehr als 65.000 Teilnehmer waren Anfang Dezember nach Las Vegas gepilgert, um auf der Hausmesse „re:invent“ von AWS im Sands Convention Center die neuesten Entwicklungen des Marktführers im Cloud Computing zu hören. Vor dem voll besetzten Auditorium verschwendete AWS-Chef Jassy keine Zeit mit Floskeln.

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    Unternehmen wie AirBnB, Lyft, Netflix oder Peleton hätten „aus dem Stand mit einem Start in der Cloud“ alteingesessene Industrien neu erfunden. Die angestammten Unternehmen fragen heute AWS, wie sie sich transformieren müssen, um mithalten zu können. Doch wer nicht bereit sei, sich radikal zu ändern, werde mit der Cloud alleine nicht glücklich, stellt Jessy von Anfang an klar: „Der Weg in die Cloud ist nicht Technologie – es ist die Unternehmensführung.“

    Vier Faktoren für den Erfolg in der Cloud

    Für den Wandel müsse ein Unternehmen vier Kernpunkte beachten. Erstens: „Das Top-Management muss überzeugt sein und aktiv mitmachen“, sagt Jassy. Nichts sei einfacher, als den Wandel immer weiter auf die lange Bank zu schieben.

    Zweitens: Ziele müssten „aggressiv formuliert und umgesetzt“ werden. Die Unternehmensberater von Deloitte nennen als Beispiel für einen aggressiven Wandel den deutschen Handelskonzern Otto, der „autonom betriebliche Entscheidungen durch KI und maschinelles Lernen in einer Größenordnung durchführt, bei der Menschen nicht mehr mithalten können.“

    Drittens: „Training ist entscheidend“, warnt Jassy. Es bringe gar nichts, den Mitarbeiter zu sagen: „So, hier ist die Cloud, macht was damit.“ Die Hausmesse „re:invent“ sei auch eine Trainings- und Schulungsmesse mit Hunderten Workshops.

    Viertens: „Lassen Sie nicht zu, dass das Unternehmen in Angststarre verfällt, wenn nicht direkt am Anfang alles klar und erkennbar ist.“ Der Weg in die Cloud dauere Jahre, viele Apps seien einfach zu transformieren, andere nicht. Die werden dann eben zuletzt gemacht. Nur eben nicht warten, bis alles bis ins Detail geklärt ist.

    Cloud Computing hat in wenigen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Zu Beginn war es die einfache und preisgünstige Anmietung von Rechenkapazität und Speicherplatz im Internet, um eigene Datenrechner auszumustern. Heute ist Cloud Computing ein komplettes Betriebssystem für Unternehmen geworden und ist in der Lage, Installationen wie Windows, SAP-ERP-Programme, Oracle-Datenbanken oder hausgemachte Software zu ersetzen.

    In der Cloud gibt es Zugangsverwaltungen, Datenbanken, Security-Tools, Apps für alle betrieblichen Anwendungen und Künstliche Intelligenz (KI) und Datenanalyse. AWS selbst nennt 175 Services, die Kunden nutzen können.

    Gerade KI, maschinelles Lernen und Datenanalyse in großem Stil („Big Data“) revolutionieren die Wirtschaftswelt. Lösungen, die ohne Cloud Computing für die Masse der Unternehmen zu teuer und damit unpraktikabel gewesen wären.

    Das ist jetzt anders. Die Unternehmensberatung Deloitte schätzt, dass bereits 2019 rund 70 Prozent der Unternehmen, cloud-basierte Enterprisesoftware einführen und 65 Prozent ihre KI-Apps entwickeln, indem sie cloud-basierte Entwicklungsumgebungen nutzen. Wer künstliche Intelligenz sagt, der kommt an der Cloud nicht vorbei.

    Wertschöpfung muss an der Basis stattfinden

    Constantin Gonzalez, Software- und Lösungs-Architekt bei AWS in München, hält Innovationsworkshops“ mit Kunden in Deutschland ab. Dabei vermittelt er die „Amazon Leadership-Prinzipien“, die auch bei AWS gelten.

    Und eines davon sei das „Ownership“, die „Eigentümerschaft“ an seiner Arbeit. „Wer nicht nur die IT beschleunigen will, muss die Strukturen ändern“, führt er im Gespräch mit dem Handelsblatt aus: „Entscheidungen müssen weiter nach unten delegiert werden.“

    Die Cloud erlaube es, Mitarbeitern direkt mehr Entscheidungsbefugnisse zu geben und gleichzeitig die Einhaltung aller Richtlinien zu garantieren. „Die Governance, also die Bürokratie oder Kontrollstrukturen, für ein 100 Prozent automatisiertes Gebilde wie die Cloud kann man nicht mehr von Hand machen“, so Gonzalez. Die Effektivitätsgewinne verpuffen.

    Das gilt auch für Entscheidungswege: „Ein großes Problem bei Projekten sind die ‘Silos‘, in die Unternehmen aufgeteilt sind.“ Wenn sie zusammenarbeiten sollen, entstehen Reibungsverluste, müssen Projektmanager ernannt werden, ewige Meetings und Abstimmungsprozesse folgen.

    „Wir bei AWS gehen anders vor. Wir ziehen die entsprechenden Leute aus den ‘Silos‘ ins Projekt und alle kommen in dasselbe Team.“ Das sei „unglaublich wichtig“, denn das Team bekomme die alleinige Verantwortung, das Projekt durchzuziehen und ein eigenes Budget mit Ergebnisverantwortung. „So werden aus Teams Start-ups innerhalb des Unternehmens.“ Die Wertschöpfung wandere immer weiter nach unten im Unternehmen, sozusagen an die Basis.

    Projekte als solches, so Gonzalez, sollten ohnehin der Vergangenheit angehören. Am Ende sei ein Projekt im besten Fall positiv „erledigt“ und abgehakt. Irgendwann werde es vergessen, an jemanden delegiert, der es lustlos weiterbetreibe oder es sterbe.

    AWS denke dagegen in Services, Dienstleistungen, die ständig, über Jahre, weiterentwickelt würden. Ein permanent ernannter Servicemanager kann neue Mitarbeiter zu sich holen und das Produkt verbessert. „Diese Denkweisen setzen sich immer weiter in deutschen Unternehmen durch.“

    Ein Paradebeispiel für ihn sei „Siemens Mindsphere“, ein cloud-basiertes Betriebssystem für Unternehmen zur Vernetzung von Fabriken, Produktionen, Maschinen und IoT-Geräten. Das sei „in nur acht Monaten“ nach diesem Denkmodell entstanden, von der Idee bis zur Auslieferung an den ersten Kunden. „Und das bei einem über hundert Jahre alten Unternehmen.“ Der Wandel ist möglich.

    Mehr: Mit Gaia-X treibt Wirtschaftsminister Altmaier die Idee einer europäischen Cloud-Lösung voran. Das kann klappen, wenn die Politik an Tempo gewinnt.

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