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Basketball-Star Wie eine Netflix-Doku Michael Jordans Legendenstatus festigt

Die Serie über den Ex-Basketballprofi bricht alle Rekorde. Sie zeigt das ungeschminkte, ja hässliche Bild der Legende. Dass sie überhaupt zu sehen ist, hat mit Jordans Ehrgeiz zu tun.
22.05.2020 - 08:46 Uhr Kommentieren
„The Last Dance“: Netflix-Doku festigt Michael Jordans Legendenstatus Quelle: National Basketball Association/Getty Images
Michael Jordan bei einem Spiel 1995 in Aktion

Der Superstar pflegte sein Image wie kein Zweiter.

(Foto: National Basketball Association/Getty Images)

Düsseldorf Für Sportfans ist sie ein Geschenk der Götter. Seit Monaten stehen die Stadien in den USA leer. Unzählige Experten, die sich sonst täglich stundenlang im Radio und Fernsehen die Köpfe heißreden, haben kein Thema. Mitten in diese Stille hinein sendet der US-Sportsender ESPN eine Dokumentation über den Basketball-Megastar Michael Jordan. Die zehnteilige Serie bricht alle Rekorde.

Sechs Millionen schalteten im Durchschnitt allein bei ESPN ein. Der Sportsender wollte die Dokumentation zunächst im Juni ausstrahlen, doch als die Zuschauerzahlen in der sportfreien Corona-Welt um 60 Prozent einbrachen, war „Der letzte Tanz“, so heißt die Serie, Balsam für Manager und Publikum zugleich.

Netflix strahlt die Episoden zeitversetzt 24 Stunden später aus. Hier ist die Jordan-Chronik weltweit die Nummer eins.

Warum jetzt? Michael Jordan ist ein Athlet des vergangenen Jahrhunderts. Er begann seine Karriere in der National Basketball Association 1984, gewann seinen ersten Titel 1991, den sechsten 1998. In jener letzten Saison ließ sich sein Team, die Chicago Bulls, auf Schritt und Tritt von Kameras begleiten – ein Stilmittel, wie man es in Deutschland aus dem Sommermärchen kennt. Doch die Dokumentation über die Fußball-WM 2006 erschien sechs Monate nach dem Turnier, warum warteten die Bulls lange 22 Jahre?

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    Jordan hatte ein Veto-Recht. Keine Aufnahme von ihm durfte ohne sein Einverständnis verwendet werden. Und die Bilder, die damals hinter den Kulissen aufgezeichnet wurden, wollte Jordan niemals zeigen.

    Es war ein Psycho-Krieg. Jordan hänselte Jerry Krause, den Manager des Teams, als dick und unbedeutend. Er schlug einen Mitspieler beim Training mit der Faust ins Gesicht, beleidigte einen anderen als Hure, verbot einem dritten das Essen, weil er zu schlecht gespielt habe.

    Das ungeschminkte, ja hässliche Bild der Legende überrascht. Jordan pflegte sein Image wie kein Zweiter. Die Werbespots seines Vertragspartners Nike zeigten Jordan als humorvollen, gut erzogenen Übermenschen. Die Vertriebsplanungen für die „Air Jordan“-Schuhe sahen einen Umsatz von einer Million Dollar in den ersten vier Jahren vor. Es wurden 126 Millionen Dollar allein im ersten Jahr. Es war der Beginn einer Beziehung, die Jordan über alles stellte.

    1990 trat Harvey Gantt, ein schwarzer Politiker der Demokraten, in Jordans Heimatstaat North Carolina gegen Jesse Helms an, einen rassistischen Republikaner. Jordans Mutter bat den Sohn, sich mit Gantt fotografieren zu lassen. Jordan lehnte ab. Die Begründung: auch Republikaner kauften Schuhe.

    1,2 Milliarden Dollar soll Jordan mit Nike verdient haben, sein Vermögen wird auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt. Er ist Teilhaber eines NBA-Clubs und meidet die Öffentlichkeit.

    Siegen hat seinen Preis. Michael Jordan (Ex-Basketball-Profi)

    Dass er sich nun doch zeigt, offenbart seinem markantesten Charakterzug: Ehrgeiz. Seine ganze Karriere verschrieb Jordan dem Ziel, der beste Spieler aller Zeiten zu sein. Mehr als zwei Dekaden lang blieb dieser Status unangetastet.

    Doch 2016 gewannen die Golden State Warriors 73 Spiele in einer Saison – eines mehr, als Jordan je schaffte. Dann wurden sie in den Play-Offs von den Cleveland Cavaliers geschlagen. Deren Superstar LeBron James trug die Rückennummer 23 – dieselbe wie einst Jordan. Das Getuschel begann: gab es eine neue Nummer Eins?

    Genau zu der Zeit gab Jordan grünes Licht für die Dokumentation. Wenn die junge Generation sehen würde, wie absolut seine Herrschaft war, würde sie nicht mehr an seiner Alleinstellung zweifeln, so die Logik. Kurz vor der Ausstrahlung kamen Jordan Zweifel: „Wenn die Menschen diese Bilder sehen, glauben sie vielleicht, ich sei eine schreckliche Person.“

    Das mag sein. Doch gerade hat ein Fan den Rekordpreis von 560.000 Dollar für ein von Jordan getragenes, signiertes Paar Schuhe aus dem Jahr 1985 gezahlt. Der Umsatz mit neuen Air Jordans liegt zurzeit 38 Prozent über dem Wert vor der Dokumentation.

    Und wenn Jordan, heute 57, sich auch Sorgen um sein Image macht, so zeigt er sich darin frei von Selbstzweifeln: „Siegen hat seinen Preis. Wer mit mir spielen wollte, musste meine Ansprüche erfüllen. So wie ich selbst.“

    Mehr: Sotheby’s versteigert Jordan-Sneakers für eine halbe Million Dollar

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