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Berliner Start-up Digitales Werkzeug für Ingenieure – Mercedes, VW und Porsche arbeiten mit Spread

Das Berliner Start-up zerlegt mit seiner Software ganze Maschinen grafisch in ihre Einzelteile. Investoren wie der frühere Kuka-Chef Till Reuter sehen großes Marktpotenzial.
26.04.2021 - 13:01 Uhr Kommentieren
Die Software des Start-ups zerlegt mithilfe einer 3D-animierten Optik Motoren oder auch ganze Maschinen binnen eines Augenblicks grafisch in all ihre Einzelteile. Quelle: Spread
Robert Göbel (2.v.r.), Mitgründer von Spread mit einigen Kollegen

Die Software des Start-ups zerlegt mithilfe einer 3D-animierten Optik Motoren oder auch ganze Maschinen binnen eines Augenblicks grafisch in all ihre Einzelteile.

(Foto: Spread)

Berlin Wenn der erste – gemessen am Auftragsvolumen – größere Kunde den Namen Mercedes-Benz trägt, dann darf der Unternehmensstart wohl als verheißungsvoll bezeichnet werden. Tatsächlich ist es dem Berliner Start-up Spread gelungen, den Stuttgarter Autobauer während einer mehrwöchigen Testphase von den Vorzügen seiner neuen Software zu überzeugen. In einem Pilotprojekt arbeitet ein Teil der Mercedes-Ingenieure seither mit der Spread-Plattform.

Dabei zerlegt die Software mithilfe einer 3D-animierten Optik Motoren oder auch ganze Maschinen binnen eines Augenblicks grafisch in all ihre Einzelteile. Anhand verschiedener Farben wird deutlich, wo die in der 3D-Konstruktion hinterlegten unzähligen Einzelteile direkt miteinander verbunden sind und wie beispielsweise elektronische Kommunikation zwischen diesen funktioniert.

Valerij Asmus, Manager Process Digitalization, koordiniert bei Mercedes übergreifende digitale Initiativen der verschiedenen Konzernabteilungen wie Entwicklung, Produktion und After Sales. Asmus lässt sich wie folgt zitieren: „Die Komplexität von Produkten und Maschinen wächst seit Jahren kontinuierlich. Mit der neuen Software von Spread gelingt es, das multidimensionale Wissen unserer Ingenieure auf eine einfache und intelligente Weise zu vernetzen.“

Spread-Gründer und Geschäftsführer Robert Göbel, ein mittelgroßer, oft und gerne lachender junger Mann mit einer gewissen, den Raum füllenden Präsenz zeigt auf seinem Rechner zur weiteren Anschauung der Funktionsweise seiner Software das komplexe Innenleben einer Flugzeugturbine.

Das Programm analysiert die technische Konstruktion und zeichnet in Sekundenschnelle mit vielen Farben die Architektur des Tausende von Komponenten umfassenden Flugzeugmotors im Detail nach, darunter jede Schraube, jedes Kabel und jeden Dichtungsring. Und ermöglicht es so den an der Turbine arbeitenden Ingenieuren, die weitverzweigte Konstruktion des Antriebs samt möglicher Fehler rasch und leicht zu erfassen.

Spread könnte somit als eine Art digitales Werkzeug für Ingenieure bezeichnet werden, „das entlang des gesamten Produktzyklus einer Wasch- oder Kaffeemaschine, eines elektronischen Autofensterhebers oder eben einer kompletten Flugzeugturbine eingesetzt werden kann: von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Montage und Wartung“, verspricht Gründer Göbel.

Große Autobauer arbeiten bereits mit Spread

Es sind dies die lyrischen Marketingformulierungen eines von seiner Entwicklung voll überzeugten Gründers, dessen neue Software aber eben auch schon in ganz realen Kundenbeziehungen zum Einsatz kommt: Zu den Klienten, bei denen Entwickler und Ingenieure bereits mit Spread arbeiten, gehören neben Mercedes auch Volkswagen und Porsche.

Und auch unter den Investoren finden sich renommierte Namen wie die Venture-Capital-Gesellschaften Cavalry und La Famiglia sowie Business Angels wie der ehemalige Microsoft-Manager Charles Songhurst, Sebastian Borek, der Initiator der Founders Foundation und ganz aktuell auch der frühere Kuka-Chef Till Reuter.

Sie alle eint offenbar die Überzeugung, dass Göbel und seinen drei Mitgründern eine wichtige Entwicklung gelungen sein könnte. Mercedes-Manager Asmus formuliert es so: „Der enorme Vorteil ergibt sich daraus, dass die Plattform konkrete Lösungen in allen Phasen der Wertschöpfung bietet und dadurch auch eine Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Unternehmensfunktionen erreicht.“

Auch Till Reuter, Angel Investor bei Spread und ehemals Chef des Roboterbauers Kuka, glaubt an das große Potenzial seines Investments: „Die Komplexität, die Ingenieure heute und in der Zukunft managen müssen, um beispielsweise ein Auto auf die Straße zu bringen, ist enorm. Es ist höchste Zeit, ihnen dazu ein intelligentes und vernetzendes Tool an die Hand zu geben. Eine solche Lösung hat enormes Potenzial nicht nur im Automobilbau, sondern für alle Unternehmen, die komplexe Produkte bauen. Perspektivisch bin ich davon überzeugt, dass die Software durch ihr intelligentes Produktverständnis auch für die Robotik eine Schlüsseltechnologie wird.“

Reuter hat zusammen mit den anderen genannten Investoren bisher insgesamt 2,9 Millionen Euro in Spread investiert – Geld, das vorwiegend für 20 Softwareentwickler ausgegeben wird. Neben Detailarbeiten am weithin marktreifen Produkt will Göbel nun damit beginnen, professionelle Vertriebsstrukturen aufzubauen. „Anfragen für den Einsatz unserer Software gibt es aus der Industrie mehr als genug“, sagt Göbel. „Alle Voraussetzungen, um nun die nächste Wachstumsphase zu starten, sind vorhanden.“

Investorin sieht „transformativen Charakter“ in der Lösung

Wichtigster Wettbewerber ist wahrscheinlich der französische Anbieter Dassault Systemes mit seiner 3D-Software – ein Unternehmen mit jahrelanger Erfahrung bei digitalen 3D-Animationen und mehr als 20.000 Mitarbeitern.

Trotz dieses durchaus herausfordernden Konkurrenzumfelds glaubt auch Judith Dada, Partnerin bei der Venture-Capital-Gesellschaft La Famiglia, an den Erfolg von Göbel und seinen Mitstreitern: „Die Spread-Lösung hat transformativen Charakter: Sie erlaubt es, den Produktlebenszyklus visuell verständlich zu machen – von der Konzeption, über die Entwicklung und Produktion bis hin zu Service und Wartung eines Produkts. So schafft Spread eine Demokratisierung im Produktverständnis von Unternehmen, die dadurch nachhaltiger und effizienter werden: Produkte können besser repariert werden, und der Lebenszyklus verlängert sich.“

Mehr: Dieser Gründer will mit KI die Entwicklung von Elektronikprodukten beschleunigen

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