Besessen oder neugierig? Mit der App zur Selbstüberwachung

Apps und andere technische Tools sind inzwischen so ausgereift, dass sie bei der Lebensführung helfen können. Ob Anreize zur Gewichtsabnahme oder die Überwachung von Schlafgewohnheiten - alles wird geboten.
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Alles per Smartphone: Viele Nutzer zeigen sich bei Apps experimentierfreudig. Quelle: ap

Alles per Smartphone: Viele Nutzer zeigen sich bei Apps experimentierfreudig.

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WashingtonFrüher war da nur ein vages Gefühl: Ich erledige mehr im Haushalt als mein Ehepartner. Bestimmte Aufgaben bei der Arbeit treiben meinen Blutdruck in die Höhe. Mir scheint, ich muss öfter niesen. Und sind wirklich die Kohlehydrate dafür verantwortlich, dass ich nach dem Mittagessen so müde bin? Inzwischen lässt sich all das überprüfen, denn es gibt Apps oder andere technische Spielereien dafür. Fast alles, was wir tun, kann so aufgezeichnet und analysiert werden.

Und viele Menschen zeigen sich experimentierfreudig: Sie überwachen ihren Schlaf, die Lerngewohnheiten ihrer Kinder, die Haushaltsarbeit oder sogar, ob ein Baby häufiger an der linken Brust der Mutter saugt als an der rechten. „Ich weiß nicht, ob ich das Wort 'besessen' verwenden würde“, sagt Ernesto Ramirez, der vergangene Woche eine zweitägige Konferenz zum Thema in San Francisco mitorganisierte. Auch er gehört zur Gruppe derer, die sich selbst mit technischen Mitteln genau unter die Lupe nehmen. „Ich glaube, es gibt in der Welt einen allgemeinen Trend hin zur Neugier, dahin, zu beweisen, dass man über sich selbst Bescheid weiß.“

Zu den Rednern bei früheren derartigen Konferenzen zählte ein Mann, der mit einer eigenen App überprüfen wollte, ob er jede einzelne Straße in Manhattan ablaufen kann. Und ein Vater nutzte ein Tool um zu erfassen, ob seine Kinder die ihnen aufgegebenen Aufgaben im Haushalt erledigten.

Was Smartphones alles messen können
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Kalorien

Ein paar Pfunde verlieren oder den Cholesterinspiegel in den Griff bekommen - wer wirklich gesund leben will, muss sich gut ernähren.

MyFitnessPal (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone)

MyFitnessPal ist nicht nur eine App sondern eine ganze Community, die sich rund um das Thema Abnehmen dreht. Hier kann man sich ein Profil erstellen und darin abspeichern, was, wann wo gegessen wurde. Der Vorteil an der Gruppe: Der User kann sich mit anderen vergleichen und wird so extra angespornt. In die App integriert ist auch ein Sport-Tool, dass einem je nach Länge der Aktivität anzeigt, wie viele Kalorien man wieder verbaucht hat.

Kaloriencheck (iOS)

Die App zeigt mit einem Mouse-Klick an, wie viele Kalorien in dem Essen stecken.

FoodNavi (iOS)

FoodNavi hilft dabei den Überblick über die eigenen Ernährung zu behalten und zeigt in Diagrammen an, wie viele Milchprodukte, wie viel Obst und wie viele Kohlenhydrate der User schon zu sich genommen hat.

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Blutdruck und Puls

Wenn der Blutdruck Achterbahn fährt, gilt es Ruhe bewahren und vor allem den eigenen Körper genau im Auge behalten. Dabei helfen etliche Tools.

Blutdruck Daten (iOS, Android)

Der digitale Blutdruck-Pass erfasst alle Blutwerte, die mit einem extra Gerät gemessen werden müssen. Das Tool ist kostenlos.

Blutdruck+Puls Grapher (iOS und Android)

Ganz ähnlich funktioniert der Grapher. Hier können nicht nur die Blutdruckwerte, sondern auch die Ernährung des Tages sowie die jeweiligen Tagesaktivitäten eingetragen werden. Zum Beispiel "Fußball auf dem Sofa mit einer Tüte Chips".

Ithlete (iOS, Android)

Der Brustgurt Ithlete misst den Puls beim Sport machen: Ganz gleich ob beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Die Ergebnisse der Messung werden direkt auf die App überspielt.

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Schrittzähler

Wer den ganzen Tag im Büro sitzt, kennt das Problem: Man bewegt sich viel zu wenig. Wie schlimm es um einen wirklich bestellt ist, zeigen Schrittzähler an. Diese dokumentieren wie viele Schritte der einzelne pro Tag absolviert.

Pedometer (iOS und Android)

Von Runtastic stammt der Pedometer. Die App nutzt den Beschleunigungssensor des Smartphones, um die Anzahl der Schritte zu ermitteln. Die Distanz und die Zeit der Aktivität werden am Ende übersichtlich angezeigt. Das Smartphone kann überall am Körper getragen werden.

Ultimate (iOS)

Apple-User können auch Ultimate nutzen. Der Schrittzähler misst die Bewegung via GPS.

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Joggen

Wie die Schrittzähler funktionieren auch andere Tools für das Laufen - vom leichten Joggen bis zum Marathontraining. Hinter den beiden Apps steht jeweils eine Community mit Personen, die sich zum Thema austauschen und auch gegenseitig anfeuern.

Runtastic (iOS, Android, Blackberry, Windows Phone, Bada)

Eine der beliebtesten Trainings-Apps ist Runtastic. Via GPS wird der Verlauf der Jogging-, Fahrrad- oder Skaterstrecke gespeichert und innerhalb der Plattform hochgeladen. Wer möchte, kann nach dem Lauf auch sein Ergebnis bei Facebook oder Twitter hochladen. Außerdem bietet das Tool die Möglichkeit gegen die eigenen Leistung oder die anderer anzutreten. Auch einfache Gymnastik-Trainings oder Yoga-Übungen lassen sich manuell hinterlegen.

Runkeeper (iOS und Android)

Ganz ähnlich funktioniert Runkeeper. 17 Millionen Menschen nutzen nach Anbieter-Angaben die App weltweit.

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Schlaf

So verrückt es klingt, immer mehr Menschen verfolgen ihren Schlaf genau. Wie oft wird man wach? Wie viele Stunden Schlaf bekomme ich in der Woche.

Sleep101 (iOS)

Die App des Anbieters Zeo verfolgt genau wie lange und wie gut ein User schläft. Ein integrierter Wecker weckt genau in dem Moment, in dem eine Tiefschlafphase vorbei ist.

ElectricSleep (Android)

Eine Alternative für Android-Nutzer ist die App ElectricSleep, die ebenfalls von Zeo auf den Markt gebracht wurde.

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Stimmung

Einfach mal messen, wie es einem so geht. Auf dem Markt gibt es zig Tools, die einem dabei helfen. Eine Empfehlung:

Mood Panda (iOS und Android)

Ein kleiner Panda ist der Begleiter durch den Tag. In der ansprechend gestalteten App können Stimmungsschwankungen genau festgehalten und visualisiert werden. Einzelne Ereignisse lassen sich auch auf Twitter oder Facebook verbreiten.

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Zeit

Wie gerne würde man einmal die Zeit zurückdrehen können - viel zu schnell scheint sie an manch Tagen zu vergehen. Dabei müsste man sich viel häufiger die Frage stellen, was man eigentlich den ganzen Tag tut, was einem so sehr die Zeit raubt. Dabei hilft der:

Rescue Time (Android)

Wie lange habe ich E-Mails gelesen, wie lange im Internet gesurft und wie lange telefoniert. Den eigenen Tagesablauf genau zu messen, kann sinnvoll sein. So lässt sich ganz einfach herausfinden, an welchen Stellen des Tages Zeit vergeudet wurde. Das tolle daran: Das Programm läuft im Hintergrund des Smartphones und speichert so alle Verhaltensweisen.

Als Tim Davis aus dem US-Staat Pennsylvania vor zwei Jahren auf die Waage stieg und sie ihm ein Gewicht von 144 Kilogramm anzeigte, kaufte er einen Aktivitäts- Tracker und eine App für sein Mobiltelefon, um seine Kalorien zu zählen. Er besorgte sich eine WLAN-fähige Waage, die sein aktuelles Gewicht täglich auf Twitter postete und nutzte andere Apps, um seinen Blutdruck, seine Pulsrate, seine tägliche Stimmungslage und seine Medikamenteneinnahme im Blick zu behalten.

Irgendwann nutzte er 15 verschiedene Apps und Tools, die ihm geholfen hätten, innerhalb eines Jahres 29 Kilogramm abzunehmen, sagt Davis. „Es sind die Veränderungen im Sekundentakt, im Minutentakt, die entscheidend waren“, erklärt der 39-Jährige. „Wenn man der Typ ist, der technische Spielereien und Apparate mag und gerne Zahlen sammelt, ist man auch der Typ, der keine Lücken im Datenmaterial mag.“

Die Kinderärztin Natasha Burgert aus Kansas City berichtet, dass Apps, die die Ess- und Schlafgewohnheiten von Neugeborenen aufzeichnen, seit einiger Zeit extrem beliebt seien. Sie selbst ermuntere Eltern sogar, ihr die Daten vor einem Termin in ihrer Praxis zu übermitteln. „In den ersten Wochen sind die Eltern so müde. Es ist wirklich schwierig für sie, dir objektive Daten zu nennen.“

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