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Bilanzcheck Die SAP-Wachstumsstory bekommt einen neuen Plot

Der Softwareriese wächst weiter kräftig, auch dank mehrerer Übernahmen – nun muss er auf Profitabilität achten. Ein Risiko bergen laufende Rechtsstreitigkeiten.
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Für die kommenden Jahre verspricht das Management kräftiges Wachstum. Quelle: dpa
Das Logo von SAP auf einem Riesenrad

Für die kommenden Jahre verspricht das Management kräftiges Wachstum.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn SAP die Aktionäre am Mittwoch zur jährlichen Hauptversammlung lädt, dürfte die Stimmung entspannt bis euphorisch sein. Der Kurs des Softwareherstellers hat kürzlich ein Allzeithoch erreicht, das Unternehmen hat mit rund 135 Milliarden Euro den größten Börsenwert im Dax. Zudem verspricht das Management auch für die kommenden Jahre kräftiges Wachstum.

Eine Analyse des jüngsten Geschäftsberichts zeigt: SAP ist finanziell in guter Verfassung, investiert aber weiter viel in die Neuausrichtung, etwa durch Übernahmen – und das auf Kosten der Profitabilität.

Das Management hat nun deutliche Verbesserungen angekündigt, wie es große Investoren ohnehin fordern, darunter der Hedgefonds Elliott Management. Im Rückblick könnte sich 2018 daher als ein Übergangsjahr herausstellen.

Dass die Geschäfte gut laufen, lässt sich an den Prognosen festmachen: Dreimal erhöhte der Vorstand die Ziele für 2018, und er erreichte sie alle. Der Umsatz wuchs um fünf Prozent auf 24,71 Milliarden Euro, ohne Wechselkurseffekte um elf Prozent auf 25,96 Milliarden Euro – bei der Steuerung legt das Unternehmen diese bereinigte Kennzahl zugrunde. Die deutliche Differenz zeigt, dass der starke Euro die Geschäfte belastete.

Cloud-Computing als Wachstumstreiber

Die Unsicherheit in der Wirtschaft störte indes kaum. „Unser Geschäft wächst, und SAP ist widerstandsfähig gegen schwierige Bedingungen“, sagte Konzernchef Bill McDermott dem Handelsblatt im Januar. „Gegen diese Story lassen sich schwer Gegenargumente finden.“

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Wichtigster Wachstumstreiber ist das Cloud-Computing. Immer mehr Firmen nutzen Teile ihrer IT „on demand“. Sprich: Programme, Speicherplatz oder Rechenleistung laufen in den Rechenzentren von Dienstleistern, bezahlt wird nur für genutzte Kapazitäten. Das gilt auch für Geschäftsanwendungen, wie SAP sie entwickelt – der Konzern hat sich mit mehreren Zukäufen dafür gerüstet.

Diese Strategie ist erfolgreich. Der Erlös aus dem Cloud-Computing stieg um 32 Prozent auf 4,99 Milliarden Euro. Das kann sich im Vergleich zur Konkurrenz durchaus sehen lassen: Salesforce erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von 26 Prozent, Workday 32 Prozent – beide bieten ausschließlich Dienste aus der Datenwolke an.

Das Geschäft mit Softwarelizenzen schrumpft

Zum Erlös tragen zahlreiche Produkte bei. So steuerten die Marktplätze Ariba, Concur und Fieldglass, auf denen Geschäftskunden Material, Reisen und Arbeitskräfte beschaffen können, 2,18 Milliarden Euro zum Cloud-Geschäft bei. SAP fasst die Zukäufe aus den Jahren 2012 bis 2014, die mehr als 14 Milliarden Dollar kosteten, im Segment „Business Network“ zusammen.

Im neuen Segment „Customer Experience“ weist der Softwarekonzern erstmals die Ergebnisse für CRM-Software aus, mit der Kunden Marketing, Vertrieb und Kundendienst steuern. Der Umsatz aus Cloud-Verträgen wuchs von 200 auf 528 Millionen Euro, auch dank der Übernahme von Callidus, das 156 Millionen Euro beitrug. Das gesamte Segment blieb allerdings unter der Milliardenschwelle. Konkurrent Salesforce ist also weit enteilt.

Die größte Summe steuerte das Segment „Anwendungen, Technologie und Services“ bei, in dem der Konzern viele Aktivitäten zusammenfasst. Der Cloud-Umsatz wuchs um 30 Prozent auf 2,32 Milliarden Euro. Die einzelnen Beiträge schlüsselt der Geschäftsbericht aber nicht auf.

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Ob die Plattform Leonardo, mit der Firmen beispielsweise Maschinen vernetzen können, oder S/4 Hana Cloud, das die Steuerung von Geschäftsprozessen ermöglicht: Wie groß das Geschäft mit diesen Produkten ist, können Aktionäre nur erahnen. Zusammengenommen dürften sie weniger als eine Milliarde Euro eingebracht haben. Bei den selbst entwickelten Cloud-Angeboten ist also noch viel zu tun.

Dagegen schrumpfte das Geschäft mit Softwarelizenzen um fünf Prozent auf 4,65 Milliarden Euro. Die Veränderungen im IT-Markt machen sich bemerkbar. Dabei ist SAP noch in der glücklichen Lage, mit S/4 Hana ein Programm zu verkaufen, das zahlreiche Kunden in den nächsten Jahren einführen wollen. Zum Jahresende hatten 10 500 einen Vertrag unterschrieben, zahlreiche Bestandskunden dürften bald den Wechsel beschließen. Das sorgt für Stabilität.

SAP traut sich langfristige Prognosen zu

Davon profitiert auch der Support, den Kunden beim Abschluss eines Vertrags obligatorisch abschließen müssen, er blieb bei 10,98 Milliarden Euro stabil. Zudem erwirtschaftete SAP 4,09 Milliarden Euro mit Services (plus vier Prozent), zu denen das Softwarehaus Beratungsangebote, Schulungen und Zahlungsdienstleistungen zählt.

Was den Aktionären zusagen dürfte: Der Anteil planbarer Umsätze steigt kontinuierlich. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil 65 Prozent. Dank langfristiger Verträge für Software-Support und Abodienste ist die Geschäftsentwicklung sehr gut kalkulierbar. So hatte SAP am Jahresende aus laufenden Cloud-Verträgen 10,1 Milliarden Euro Umsatz gesichert, den die Kunden in den kommenden Quartalen zahlen. „Cloud Backlog“ nennt der Konzern diese Kennzahl.

SAP traut sich daher langfristige Prognosen zu. 2023 soll der Umsatz 35 Milliarden Euro erreichen, womit der Konzern eine durchschnittliche Wachstumsrate von gut sieben Prozent erwartet. Die Erlöse mit Cloud-Computing will der Konzern auf mehr als 15 Milliarden Euro mehr als verdreifachen, in Interviews spricht McDermott sogar von 20 Milliarden Euro. Dieses Maximalziel legt ein durchschnittliches Plus von mehr als 30 Prozent pro Jahr zugrunde.

Um diese Pläne umzusetzen, investiert SAP massiv. So baut der Konzern mehrere Bürogebäude, allein am Firmensitz in Walldorf und St. Leon-Rot entsteht Platz für 1600 Mitarbeiter. Gesamtkosten: 150 Millionen Euro. Auch neue Rechenzentren und die Einstellung von Cloud-Spezialisten kosten – der Ausbau des Geschäfts sei ein „wesentlicher Kostenfaktor“, schreibt das Unternehmen.

Das belastet die Profitabilität: Die bereinigte operative Marge, die SAP für die Steuerung verwendet, stieg minimal auf 29 Prozent. Die bereinigte Bruttomarge im wichtigen Cloud-Geschäft legte leicht auf 63,1 Prozent zu und ist damit noch deutlich von den 75 Prozent entfernt, die der Konzern 2023 erreichen will. Wettbewerber erreichen bereits jetzt 80 Prozent. Mit dem Einstieg des aktivistischen Investors Elliott dürfte der Druck steigen, schneller profitabler zu werden, also die SAP-Story etwas anders zu erzählen.

Übernahmen mit Anleihen finanziert

Das Betriebsergebnis stieg 2018 zwar um 17 Prozent, dabei spielten aber Sondereffekte eine große Rolle. So hatte im Vorjahr ein Restrukturierungsprogramm zu Buche geschlagen, außerdem waren die anteilsbasierten Vergütungen angesichts des damals hohen Aktienkurses sehr teuer ausgefallen. Bereinigt lag das Plus bei lediglich sechs Prozent.

Der Gewinn nach Steuern stagnierte sogar bei 4,09 Milliarden Euro. 2017 profitierte SAP von der Steuerreform in den USA sowie der Übertragung von Markenrechten von einer Schweizer Tochtergesellschaft auf den deutschen Mutterkonzern – 2018 entfielen diese Einmaleffekte in Höhe von rund 500 Millionen Euro.

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Ein Risiko bergen Rechtsstreitigkeiten: SAP ist sich mit Steuerbehörden mehrerer Länder über konzerninterne Finanzierungen uneins. „In allen Fällen gehen wir davon aus, dass ein für uns positiver Ausgang erst im Klageverfahren erzielt werden kann“, heißt es im Geschäftsbericht. Eine Rückstellung hat der Konzern nicht gebildet, weil er die Beanstandungen für unbegründet hält. Sollte er doch verlieren, muss er mit einem zusätzlichen Aufwand von bis zu 1,75 Milliarden Euro rechnen.

Bei der strategischen Neuausrichtung spielten bislang Übernahmen eine große Rolle. SAP kaufte 2018 Callidus Cloud und kündigte die Übernahme von Qualtrics an, die seit Januar 2019 offiziell ist. Die Deals, die umgerechnet neun Milliarden Euro kosteten, finanzierte der Konzern mit mehreren Anleihen. Die Finanzschulden stiegen um 79 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro.

Die Strategie hinterlässt Spuren in der Bilanz: Die Bilanzsumme erhöhte sich 2018 um 21 Prozent auf 51,49 Milliarden Euro, die Eigenkapitalquote sank von 60 auf 56 Prozent. Gleichzeitig stieg der Goodwill auf 23,73 Milliarden Euro. 2019 kommen durch die Übernahme von Qualtrics nach heutiger Bewertung weitere 4,8 Milliarden Euro zu diesem „Geschäfts- oder Firmenwert“ hinzu.

Damit dürfte die Summe bald größer sein als das Eigenkapital. Ein Risiko: Die Kennzahl beziffert bei Übernahmen die Differenz zwischen dem gezahlten Kaufpreis und dem bewertbaren Vermögen des Unternehmens – ein Hoffnungswert. Wenn ein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert oder die Konjunktur einbricht, drohen hohe Abschreibungen.

Das sind die Stärken und Schwächen von SAP
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