Bitkom-Umfrage Lieber bruchfreies Glas als 5G beim Smartphone: Verbraucher zögern bei neuer Technik

Die Smartphone-Hersteller rüsten sich für den neuen Mobilfunkstandard.
Düsseldorf Die Smartphone-Hersteller rüsten sich für 5G: Zahlreiche Unternehmen wollen im Laufe des Jahres Geräte auf den Markt bringen, die mit dem neuen Standard kompatibel sind – nach der Absage des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona verbreiten sie die Ankündigungen nun bei separaten Veranstaltungen oder gleich per Pressemitteilung. Auch die Mobilfunkanbieter machen bereits Werbung für die neue Technologie.
Die Verbraucher sind bei der neuen Technologie aber noch zurückhaltend, gerade in Deutschland. So spielen bei der Anschaffung neuer Smartphones Faktoren wie Robustheit und Ausdauer die größte Rolle. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Branchenverband Bitkom am Donnerstag veröffentlicht hat. Auch die Zahlungsbereitschaft für 5G-Tarife ist nach wie vor gering.
Allerdings ist die Mobilfunktechnik bisher auch nur punktuell verfügbar. „Ein neues Netz entsteht nicht über Nacht“, sagte Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland und Mitglied des Bitkom-Hauptvorstands. „Und genauso wenig setzt sich auch eine neue Mobilfunkgeneration im Gebrauch der Menschen gleich in wenigen Monaten durch.“ Wie die Vorgängergenerationen auch werde 5G aber von der Nische in die Masse wandern.
5G ist die Abkürzung für die fünfte Mobilfunkgeneration. Sie verspricht deutlich mehr Leistung: Die Geschwindigkeit ist höher, es kommt nur zu geringen Verzögerungen bei der Datenübertragung, und der Stromverbrauch fällt niedriger aus. Zudem können die Mobilfunkanbieter das Netzwerk in unterschiedliche Bereiche aufteilen und Kunden beispielsweise eine zuverlässige Verbindung oder eine hohe Datenübertragung garantieren – etwa für die Industrie 4.0 oder die Telemedizin.
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"Ein neues Netz entsteht nicht über Nacht", sagt der Manager.
Die Verbraucher sehen den Nutzen bislang aber offenbar nicht. Laut der Bitkom-Studie halten nur 46 Prozent 5G-Kompabilität für eine wichtige Funktion. Deutlich mehr legen Wert auf einen robusten Bildschirm (86 Prozent), eine lange Akkulaufzeit (82 Prozent) und eine hochwertige Verarbeitung (85 Prozent), zudem auf großen Speicherplatz (73 Prozent). Nicht zuletzt ist der Preis ein Kriterium: Zwar kostete ein Mobiltelefon durchschnittlich 530 Euro und damit noch mehr als im Vorjahr, der Wunschpreis liegt im Mittel aber bei nur 193 Euro.
Beobachter erwarten rasante Verbreitung der Technologie
Die Zurückhaltung dürfte damit zu tun haben, dass die kommerzielle Einführung 5G erst im vergangenen Jahr begonnen hat und der schnelle Standard bislang nur in ausgewählten Städten und in ausgewählten Bereichen verfügbar ist. Bei einer 5G-Abdeckung würden sich aber 18 Prozent der Smartphone-Nutzer auf jeden Fall und 38 Prozent möglicherweise ein kompatibles Gerät kaufen, um die Technik nutzen zu können. Zudem ist die Zahlungsbereitschaft für einen entsprechenden Tarif auf durchschnittlich sieben Euro pro Monat gestiegen.
Beobachter erwarten allerdings in den nächsten Jahren eine rasante Verbreitung der neuen Technologie. Der Marktforscher Strategy Analytics schätzt, dass in diesem Jahr bereits zehn Prozent der weltweit verkauften Geräte für den neuen Standard gerüstet sein werden. Zum einen, weil Apple Gerüchten zufolge erste iPhone-Modelle damit ausstatten und vielen Kunden damit einen Grund für ein Upgrade bieten wird. Zum anderen, weil bald die Preise vieler Modelle auf unter 500 Euro sinken dürften.
Die Nachfrage entwickle sich stärker als gedacht, meinte Analyst Ken Hyers. Das gelte bislang für China und Südkorea, wo der Wettbewerb und Subventionen der Netzbetreiber für Nachfrage sorgen, künftig aber auch für andere Regionen: „Wir erwarten, dass die USA und Europa später in diesem Jahr die Lücke schließen.“
Allerdings sorgt die Verbreitung des Coronavirus für große Unsicherheit: China ist sowohl die wichtigste Produktionsstätte für Smartphones als auch ein wichtiger Absatzmarkt für die Hersteller. Erst kürzlich kassierte Apple wegen der Epidemie den Ausblick fürs laufende Quartal. Marktforscher revidieren daher bereits ihre Prognosen.
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