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Bits & Pretzels Diesen Start-ups sagt Obama eine große Zukunft voraus

Der ehemalige US-Präsident sieht große Chancen für Umwelttechnik – und verlangt in München auf einer Konferenz die Regulierung von Tech-Konzernen.
Update: 29.09.2019 - 16:39 Uhr 1 Kommentar
Der ehemalige US-Präsident setzt sich mit seinen Aussagen erneut von seinem republikanischen Amtsnachfolger Donald Trump ab. Quelle: AFP
Barack Obama

Der ehemalige US-Präsident setzt sich mit seinen Aussagen erneut von seinem republikanischen Amtsnachfolger Donald Trump ab.

(Foto: AFP)

München 8.000 Menschen warten auf eine Bemerkung, die nicht kommen wird. Wie wird sich Barack Obama zu Donald Trump äußern? Geduldig haben die Teilnehmer der Start-up-Messe Bits & Pretzels ertragen, wie sich die drei Gründer der Veranstaltung ausschweifend selbst dafür feiern, den Ex-Präsidenten nach München geholt zu haben. Gnädig haben sie die Aufwärmspiele des Moderators mitgemacht, sind auf Kommando aufgesprungen und haben sich wieder hingesetzt. Mit freundlichem Applaus haben sie die gut gemeinten Auftritte von sozial bewegten Unternehmern bedacht. Doch jetzt, endlich, kündigt das Trompeten einer Big-Band an: Der Superstar-Politiker ist da.

Unprätentiös tritt Obama auf die Bühne, plaudert souverän – so, wie das Publikum ihn aus dem Fernsehen in Erinnerung hat. Ja, scherzt er, eine Lederhose habe er zum Oktoberfest auch geschenkt bekommen, doch die ziehe er lieber nur im Hotel an. Nein, zum Fest selbst könne er auch als Ruheständler nicht gehen, da würde der Secret Service verrückt. „Na ja, vielleicht kann ich mir einen Schnauzbart ankleben“, scherzt er über einen Inkognito-Besuch im Bierzelt.

Dann wird es ernst. Die neue Bits-&-Pretzels-Chefredakteurin Britta Weddeling, bis vor einem Jahr Silicon-Valley-Korrespondentin beim Handelsblatt, will wissen, was Obama von Green Tech hält. Und ja, er sieht für Gründer große Chancen bei Technologien, die den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen. „Wir müssen technische Wege finden, unsere CO2-Emissionen zu reduzieren“, sagt er. Daher seien Felder wie saubere Energie und bessere Wassernutzung „äußerst vielversprechend“ für Gründer. Zugleich warnt er: Gründungen in dem Bereich seien kein Selbstläufer.

Das Publikum hat Obama damit auf seiner Seite. Selbst wenn er ganz anders argumentiert als die oft wirtschaftsliberale Start-up-Szene. Er fordert eine stärkere staatliche Unterstützung für Start-ups durch Förderung innovativer Technik, aber auch durch eine stärkere Regulierung der großen Tech-Konzerne – bis hin zu einer stärkeren Rolle der Wettbewerbshüter.

„Das Potenzial für grüne Technik ist da, aber es reicht nicht aus, technische Lösungen nur zu finden. Das habe ich als Präsident gelernt: Die Adaption erfordert, dass Regierungen und Öffentlichkeit die Einführung dieser Techniken verlangen“, sagt Obama. Dabei seien spürbare Subventionen, wie es sie etwa in Deutschland über die EEG-Umlage gibt, gerechtfertigt. Schließlich seien Kohle und Gas in der Anfangszeit der Elektrifizierung auch stark gefördert worden. „Wir können nicht erwarten, dass so ein gewaltiger Umbau ohne einige Unterstützung vonseiten der Regierung entsteht“, mahnt Obama.

Der ehemaliger US-Präsident begrüßt vor seiner Eröffnungsrede auf der Bühne Bits-&-Pretzels-Konferenz die Gründer Andreas Bruckschlögl (2.v.l-r), Felix Haas und Bernd Storm. Quelle: dpa
Barack Obama bei Bits & Pretzels

Der ehemaliger US-Präsident begrüßt vor seiner Eröffnungsrede auf der Bühne Bits-&-Pretzels-Konferenz die Gründer Andreas Bruckschlögl (2.v.l-r), Felix Haas und Bernd Storm.

(Foto: dpa)

Damit setzt sich der Demokrat auch von seinem republikanischen Amtsnachfolger Donald Trump ab, der sich bislang vor allem für fossile Energieträger aus den USA einsetzt und Zweifel am Klimawandel geäußert hat. „Das hier sieht aus wie ein gebildetes Publikum, daher muss ich Sie wohl nicht davon überzeugen, dass das Problem echt ist“, sagt Obama in der Münchener Messehalle.

Einen größeren Seitenhieb gegen Trump, der Obama immer noch regelmäßig verbal angreift, leistet sich Obama nicht. Er bleibt damit auf der traditionellen diplomatischen Linie, nach der sich ein Ex-Präsident im Ausland nicht negativ über nachfolgende Administrationen äußert – egal, wie begierig das Publikum auf eine Spitze gegen den in Deutschland so ungeliebten Trump wartet.

Obama bleibt also sachlich. In ernstem Ton gibt er zu bedenken, dass in den USA zuletzt weniger Start-ups und Börsengänge zu verzeichnen gewesen seien. Eine Ursache dafür sei die Dominanz großer Konzerne etwa aus dem Silicon Valley, die neuen Tech-Gründern immer weniger Raum ließen.

Daher seien starke Wettbewerbsbehörden nötig. „Das ist, wie wenn ein Wald manchmal ausgelichtet werden muss, um Platz für neue Bäume zu schaffen“, sagt der brillante Rhetoriker. Allerdings könnten zu frühe Interventionen ebenso schädlich sein.

Zu Obamas Amtszeit kam es zu keiner Aufspaltung etwa von Google, Facebook oder Amazon. Jetzt sieht der Ex-Präsident hingegen die Zeit zum Handeln gekommen. Er fordert die Internetriesen auf, auf die Politik zuzugehen, um gemeinsam Ansätze für mehr Wettbewerb zu entwickeln.

Die Manager müssten einsehen, dass sie das Vertrauen der Öffentlichkeit brauchen – auch etwa bei Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz. Ohne ausreichende Regulierung drohten die unerwünschten Effekte überhandzunehmen.

„Wir romantisieren die Idee, dass alles gut geht ohne viel Regulierung. Aber tatsächlich sind Länder wie Singapur oder Norwegen – oder die USA zu anderen Zeiten – am erfolgreichsten, wenn es eine Kombination von Freiheit und Sinn fürs Gemeinwohl gibt“, sagt Obama und erlaubt sich so doch noch eine kleine Spitze gegen die aktuelle Regierungspolitik – zumindest will das Publikum das so interpretieren und spendet Szenenapplaus.

Obama argumentiert im Sinne der US-Linken: Es erschrecke ihn, dass einige Spitzenleute im Silicon Valley libertären Ideen nachhingen und keine Steuern zahlen wollten – obwohl das Silicon Valley gerade durch die guten Schulen und Spitzen-Unis in Kalifornien entstanden sei, die viel Steuergeld erforderten. „Wenn Sie ein Land sehen wollen, das komplett libertär ist, reisen Sie in gescheiterte Staaten wie Somalia ohne Straßen und Polizei, und Sie sehen, dass das nicht gut geht“, polemisiert er.

Zum Schluss bekommt Obama stehenden Applaus – und geht ab. Die eigentliche Konferenz kann beginnen.

Konferenzen erhöhen Unterhaltungsanteile

Mit Obamas Auftritt positioniert sich die Bits & Pretzels im zunehmenden Wettbewerb zwischen den Gründer-Konferenzen in Deutschland. In nur fünf Jahren ist die Veranstaltung von 150 auf 5.000 Teilnehmer angewachsen – und damit ein echter Wettbewerber für etablierte Konferenzen vor allem in Berlin. Zu Obamas Rede verkauften die Veranstalter zusätzliche Tickets nur für den Sonntagvormittag.

Der Auftritt des Friedensnobelpreisträgers auf der Konferenz markiert den Versuch, die Bits & Pretzels über die jährliche Veranstaltung hinaus als Medienmarke für Gründer zu etablieren. Wie andere US-Präsidenten auch verdient Obama seit dem Ende seiner Amtszeit Geld als Konferenzredner und ist über entsprechende Agenturen anfragbar.

Unumstritten ist das Geschäftsmodell nicht: Vor zwei Jahren stand Obama in der Kritik, weil er mehrfach vor Wall-Street-Firmen für jeweils 400.000 Dollar aufgetreten war. Obama erklärte damals, das Geld diene auch sozialen Zwecken. Klar ist: Obama zieht als Redner auch in Deutschland – und macht die Konferenz selbst für abgebrühte Investoren mit Vielfliegerkarte zum Erlebnis.

Das ist wichtig, weil die Zahl der großen Tech- und Start-up-Konferenzen in Deutschland steigt. Die Berliner Noah-Konferenz mit 2.000 Besuchern, die mit weiteren Veranstaltungen in London und Tel Aviv europaweit aktiv ist, bietet ein ähnliches Konzept mit Start-up-Pitches und Talks. Etwas mehr auf Technik fokussiert ist die Berliner Konferenz Tech Open Air (TOA), die jährlich im ehemaligen Funkhaus des DDR-Rundfunks stattfindet und zusätzlich mit Open-Air-Ständen an der Spree lockt.

Mehr auf digitales Marketing ausgerichtet sind die Kölner Start-up-Konferenz Pirate Summit und die stark wachsende Hamburger Online Marketing Rockstars (OMR), die wie die Bits & Pretzels auf Medienangebote wie Podcasts und ein eigenes Magazin setzt. OMR-Gründer Philipp Westermeyer hat zudem das thematische Spektrum ausgebaut und so zuletzt nach eigenen Angaben 52.000 Besucher angezogen.

Allen Konferenzen gemein ist, dass sie zunehmend auf Unterhaltungsanteile setzen: Cocktails an der Spree auf der TOA, Konzerte bei der OMR, Networking im Oktoberfestzelt bei der Bits & Pretzels. Die Kölner Pirate Summit stellt sogar die gesamte Veranstaltung unter das Spaßmotto Piraten – und feiert kommendes Jahr zehnjähriges Bestehen.

Mehr: Amazon kündigt ehrgeizige Klimaziele an und ordert 100.000 Elektro-Lieferwagen. Andere Konzerne sollen nachziehen – doch viele Fragen bleiben offen.

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  • Obama ist ein weiser Mann.: „Das Potenzial für grüne Technik ist da, aber es reicht nicht aus, technische Lösungen nur zu finden. Das habe ich als Präsident gelernt: Die Adaption erfordert, dass Regierungen und Öffentlichkeit die Einführung dieser Techniken verlangen“, sagt Obama. Dabei seien spürbare Subventionen, wie es sie etwa in Deutschland über die EEG-Umlage gibt, gerechtfertigt. Schließlich hätten Kohle und Gas in der Anfangszeit der Elektrifizierung auch hohe Förderung bekommen. „Wir können nicht erwarten, dass so ein gewaltiger Umbau ohne einige Unterstützung von der Regierung entsteht“, mahnt Obama. Dunkle Solarenergie ist keine Magie mehr und die Neutrinovoltaic kann die Photovoltaic ERGÄNZEN UND ABLÖSEN. Im Karlsruher Institut für Technologie werden erste Meßergebnisse erwartet. Danach ist die Physik, die Politik und auch die Wirtschaft in Deutschland in der Lage, den in der Summe unglaublich großen Energiegehalt der Masse der Neutrinos, die uns in jeder Sekunde (mindestens 60 Mrd. pro cm² oder einfach vorstellbar je Fingernagel) auf unserer Erde völlig unschädlich und kostenlos erreicht, festzustellen. Die Verleihung der beiden Physik-Nobelpreise im Jahre 2015 für die Nachweise des Massegehaltes der Neutrinos war unter anderem der Auslöser für diese gigantische staatliche Investition. Am Karlsruher Institut für Technologie beginnt damit die öffentlich staatlich-politische Anerkennung der Tatsache, daß Neutrinos einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung auf der Erde ohne jegliche klimaschädliche Emissionen übernehmen können. Dadurch ist auch für die Wirtschaft bzw. für alle Unternehmen, die sich an der Produktion der Neutrino-Energiewandler beteiligen oder diese in ihren Produkten verbauen möchten, eine gewaltige Hürde abgebaut. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wann die ersten Produkte, die NIE WIEDER eine Steckdose zum Laden oder zum Betrieb benötigen, auf den Markt kommen. Die Politik muss Steuern, damit die Wirtschaft Rudern kann Ab JETZT!

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