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Bits & Pretzels „Vielfalt ist ein Motor für Exzellenz“ – Obama plädiert für Offenheit in der Tech-Szene

Noch immer werden nur 15 Prozent der Start-ups von Frauen gegründet. Der ehemalige US-Präsident spricht sich in München für mehr Pluralität in der Branche aus.
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Auf der Messe „Bits & Pretzels“ sorgt der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten für viel Aufmerksamkeit. Quelle: AFP
Barack Obama

Auf der Messe „Bits & Pretzels“ sorgt der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten für viel Aufmerksamkeit.

(Foto: AFP)

München Es hat Vorteile, wenn man nicht mehr der Präsident der Vereinigten Staaten ist. Zum einen bekomme er jetzt mehr Schlaf, scherzt Barack Obama auf der Bühne der Start-up-Konferenz Bits & Pretzels in München, zum anderen sehe er seine Frau viel öfter. Und die spielt bekanntermaßen eine große Rolle in den Botschaften des Politikers. Auch bei dem Thema, das er den 8.000 Zuhörern in München mit auf den Weg gibt: Er plädiert für mehr Vielfalt und Verantwortungsbewusstsein in der Tech-Szene.

„Vielfalt ist der Motor für Exzellenz“, hebt er gleich zu Beginn des Bühnengesprächs hervor. „Man macht das nicht, um politisch korrekt zu sein. Jede Organisation profitiert von Vielfalt. Der Grund ist ganz einfach: Jeder von uns hat blinde Flecken. Als Präsident habe ich gemerkt, dass wir umso mehr frische Ansätze entwickelt haben, je größer der Mix der Menschen um mich herum war.“

Er habe öfter aktiv das Wort ergriffen, etwa um die Frauen in Besprechungen zu Wort kommen zu lassen. „Ich habe den Männern einfach gesagt: Seid jetzt mal still und hört zu!“

Obama weiß, dass er bei dem Publikum auf der Konferenz den Finger in die Wunde legt: „Die Welt der Start-ups und der Tech-Industrie ist nicht gerade sehr einladend, sie ist sehr männlich dominiert“, sagt er.

Frauen in der Minderheit

Auch in Deutschland ist das Bild eindeutig: Hierzulande wurden nur 15 Prozent der Start-ups von Gründerinnen ins Leben gerufen. Viele Akteure würden nicht absichtlich Frauen oder Minderheiten ausschließen, erläutert Obama. „Um etwas zu verändern, muss man aktiv etwas für Vielfalt tun“, appelliert er.

Ein verantwortungsvoller Umgang, so der ehemalige US-Präsident, bedeute aber nicht nur Vielfalt, sondern schließe auch Regulierung mit ein. Auf die Frage, ob Tech-Konzerne zerschlagen werden sollen, weicht er mit einem Sprachbild aus: Auch im Wald würden die Bäume immer wieder Platz für neue Bäume lassen.

Die Lösung sieht er daher im Gespräch: Es sei im Interesse der Unternehmen, den Dialog mit der Gesellschaft und den Behörden zu suchen, das schaffe Akzeptanz. Obama fordert: „Seht Regulatoren nicht als eure Feinde.“

Mit Obama als Eröffnungsredner haben sich die Gründer der Bits-& -Pretzels-Konferenz in diesem Jahr große Aufmerksamkeit gesichert, die sie bewusst für eine weitere Botschaft nutzten: Es gibt beeindruckende Frauen in der Tech- und Start-up-Szene.

Noch bevor Obama die Bühne betritt, darf sich Gründerin Zarah Bruhn vom Integrationsdienstleister Social Bee den Besuchern vorstellen, genauso wie Samantha Payne, Mitgründerin des Prothesen-Start-ups Open Bionics, und Elsa Bernadotte, die das Start-up Karma mitgegründet hat, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Wenn Frauen gründen, so die unterschwellige Botschaft, dann stimmt auch die Wirkung. Das deckt sich mit Umfragen: Nach Zahlen des deutschen Start-up-Verbands sieht fast die Hälfte der Start-up-Gründerinnen ihre Firmen als Sozialunternehmen, unter den Männern ist es nur ein Drittel.

Obama glaubt, dass Start-ups, die sich mit Technologien rund um den Klimaschutz beschäftigen, gute Zukunftsperspektiven haben. „Wir brauchen alle Hände“, sagt er. „Allein mit Technologie werden wir es nicht schaffen. Wir müssen auch an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren.“

Bei der Konferenz wird es am Montagnachmittag eine Bühne geben, auf der durchgängig über den sogenannten „Impact“ gesprochen wird. Neben Karma werden sich dort auch andere Start-ups vorstellen, die Nachhaltigkeit ins Zentrum ihrer Arbeit gestellt haben.
Laut dem „Google Female Founders Monitor“ des Start-up-Verbands bekommen Gründerinnen in Deutschland allerdings deutlich seltener Geld von Business-Angels und anderen Investoren. Sie finanzieren ihr Unternehmen im Vergleich zu Männern häufiger aus Eigenmitteln oder mit Geld aus dem Umfeld. Nur 2,3 Prozent des weltweiten Risikokapitals gingen 2018 nach Daten des Analysehauses Pitchbooks an Gründerinnen.

Ein Fünftel Frauen

„Wir stecken enorm viel Energie in das Ziel, mehr Teilnehmerinnen zu gewinnen“, sagt Konferenz-Mitveranstalter Bernd Storm van’s Gravesande. Deshalb wollen er und seine beiden Kompagnons ihnen zumindest eine Bühne bieten. Im vergangenen Jahr kamen sie auf 21 Prozent Teilnehmerinnen, die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor.

Ausgewogenheit auf den Podien herzustellen gelinge trotzdem nicht, ergänzt sein Kompagnon Andreas Bruckschlögl: „Viele der bemerkenswerten, einflussreichen Frauen in der Tech-Start-up-Szene werden für sehr viele Veranstaltungen angefragt und sind nicht immer verfügbar.“ 

Was sind die Ursachen für die geringe Zahl der Gründerinnen? Eine Hürde ist die Finanzierung. „Gründerinnen sitzen bei der Investorensuche oft reinen Männerrunden gegenüber“, hat Nina Jetter, Investmentmanagerin beim Berliner Frühphaseninvestor Project A, beobachtet. Als Teil der Private-Equity-Branche hätten die Risikokapitalgeber bislang mehr Männer angezogen.

Jetter hat die deutsche Risikokapital-Landschaft ausgewertet: Demnach liegt die Frauenquote bei den Partnern unter fünf Prozent, insgesamt arbeitete weniger als ein Fünftel Frauen bei den Risikokapitalgebern. „Ich sehe allerdings viel Bewegung“, sagt Jetter. Alle Fonds versuchten, ihre Teams um Frauen zu erweitern. Bei Project A selbst seien bereits drei von sechs Investmentmanagern weiblich.

„Wir sehen, dass das bei uns sehr gut funktioniert. Das Team hat auch unterschiedliche Karrierehintergründe und unterschiedliche Lebensalter.“ Jetter und ihre Kolleginnen wollen auch positive Rollenvorbilder unterstützen, etwa durch Auftritte auf Konferenzen und Mentoring. Eine Frauenquote bei Investments lehnt sie dagegen ab.

Davon hält auch Julian Riedlbauer, Deutschlandchef der M&A-Beratung GP Bullhound, nichts. Er glaubt nicht an eine systematische Benachteiligung von Gründerinnen. „Würden mehr Frauen gründen, würden sie auch Geldgeber finden. Für die Investoren ist das Geschlecht zweitrangig“, sagt er. „Traurig finde ich, dass es im Gegensatz zu Männern extrem wenig Frauen sind, die nach ihrem BWL-Abschluss gründen.“ Das sei ein tiefer liegendes Problem, das unter anderem im Bildungssystem und der Erziehung verankert sei.

Ähnlich sieht das Louise Koch. Sie ist beim IT-Konzern Dell verantwortlich für Nachhaltigkeit und Vielfalt. Am Rande der Konferenz kritisiert sie, dass Frauen nicht nur in Start-ups unterrepräsentiert sind, sondern auch in den Tech-Unternehmen noch immer an eine „gläserne Decke“ stoßen würden. „Nach wie vor ist Diskriminierung im Alltag allgegenwärtig. Wenn man ehrlich ist, denkt jeder von uns ab und zu in Schubladen und steckt seine Gegenüber in festgezurrte Kategorien, der eine mehr, der andere etwas weniger.“

Dieses Schubladendenken befördere Vorurteile und Klischees, die Individualität und Facetten eines Menschen würden dagegen übersehen. „Als Unternehmen ist man in der Pflicht, aktiv diese Schranken einzureißen.“ Da reiche es bei Weitem nicht aus, einmal im Jahr einen „Girls’ Day“ zu veranstalten. Dell habe neben vielen Netzwerken für Frauen und Minderheiten ein Programm aufgelegt, das sich „Many Advocating Real Change“ nennt und unbewusste Vorurteile abbauen will.

Geduld jedenfalls müssen die Frauen wohl mitbringen. „Michelle hat mich 26 Jahre in der Sache erzogen“, scherzt Obama auf dem Podium. Sosehr er die größere Freiheit genieße, seit er nicht mehr Präsident sei, eines dürfe er noch immer nicht: das Oktoberfest besuchen. „Da macht mir der Geheimdienst einen Strich durch die Rechnung“, sagt er. „Also werde ich die Lederhose nur im Hotel tragen – extra für Michelle.“ Keine Frage, dass er dafür spontanen Applaus erntet.

Mehr: LinkedIn-Mitgründer und Wagniskapital-Investor Reid Hoffmann tritt bei der Bits & Pretzels auf. Er verteidigt seine Vorstellungen über das Wachstum von Unternehmen. Lesen Sie hier mehr.

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1 Kommentar zu "Bits & Pretzels: „Vielfalt ist ein Motor für Exzellenz“ – Obama plädiert für Offenheit in der Tech-Szene"

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  • Obama ist ein weiser Mann:Auch im Wald würden die Bäume immer wieder Platz für neue Bäume lassen...
    Gerade bei der Einführung von neuesten Technologien zur emissionsfreien Energienutzung ist es JETZ so wichtig dem NEUEN PLATZ ZU GEBEN. Die Verleihung der beiden Physik-Nobelpreise im Jahre 2015 für die Nachweise des Massegehaltes der Neutrinos war unter anderem der Auslöser für diese gigantische staatliche Investition am Karlsruher Institut für Technologie - es beginnt mit den Messungen nun endlich eine öffentlich staatlich-politische Anerkennung der Tatsache, daß Neutrinos einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung auf der Erde ohne jegliche klimaschädliche Emissionen übernehmen können. Dadurch ist auch für die Wirtschaft bzw. für alle Unternehmen, die sich an der Produktion der Neutrino-Energiewandler beteiligen oder diese in ihren Produkten verbauen möchten, eine gewaltige Hürde abgebaut. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wann die ersten Produkte, die NIE WIEDER eine Steckdose zum Laden oder zum Betrieb benötigen, auf den Markt kommen. Die BERLINER NEUTRINO-ENERGY GROUP bietet Patente und Lizenzen zur Anwendung von Neutrino-Energy. Dunkle Solarenergie ist keine Magie mehr und die Neutrinovoltaic kann die Photovoltaic zukünftig ERGÄNZEN UND ABLÖSEN. Unsere Politik muss jetzt Steuern, damit die Wirtschaft Rudern kann.