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Börsengang der Funktürme Frankfurt statt London: Vodafone-Chef Read wegen geplantem Milliarden-IPO in Erklärungsnot

Der Telekommunikationsriese will seine Funktürme in Frankfurt an die Börse bringen. Ein Milliarden-IPO, den viele auch gern in London gesehen hätten.
24.07.2020 - 11:50 Uhr Kommentieren
Vodafone hatte im vergangenen Jahr verkündet, sein Funkturmgeschäft Anfang 2021 in Deutschland an die Börse zu bringen. Quelle: AFP
Vodafone-Chef Nick Read

Vodafone hatte im vergangenen Jahr verkündet, sein Funkturmgeschäft Anfang 2021 in Deutschland an die Börse zu bringen.

(Foto: AFP)

London Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone bringt seine Funkturmtochter im kommenden Frühjahr in Frankfurt an die Börse – eine Entscheidung, die bei britischen Journalisten auf Unverständnis stieß. Nein, mit dem Brexit habe das nichts zu tun, betonte Vodafone-Chef Nick Read am Freitag, aber der größte Teil des Geschäfts der Tochter sei eben in Deutschland, die Investoren seien international. Und nein, das habe keine Folgen für den Firmensitz der Konzernmutter in London. „Sie dürfen da nicht zu viel hineinlesen“, appellierte Read an die Journalisten in einer Telefonkonferenz.

Doch die Entscheidung für Frankfurt dürfte in Großbritannien weiter für Diskussionen sorgen. Schließlich hatte auch das Vorhaben des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns Unilever, seine Firmenzentrale in London zu entmachten, so viel Widerstand bei Londoner Fonds hervorgerufen, dass Unilever dieses Vorhaben beerdigte. Unilever hat nun den umgekehrten Weg eingeschlagen und soll künftig allein aus London geführt werden.

Vodafone hatte im vergangenen Jahr verkündet, sein Funkturmgeschäft Anfang 2021 in Deutschland an die Börse zu bringen. Der Deal dürfte helfen, den hohen Schuldenberg abzutragen. Und es ist kein ungewöhnlicher Schritt: Der spanische Konkurrent Telefónica hatte seine Funkturmsparte bereits vor einigen Jahren an die Börse gebracht. Die Deutsche Telekom hatte ihre Funktürme auch vor Jahren in eine eigene Gesellschaft eingebracht, ist aber noch alleinige Besitzerin.

Vantage Towers, wie die neu gegründete Tochter mit Sitz in Düsseldorf heißt, wäre ein Mega-IPO: Bei Fragen zur Bewertung verweist Vodafone-Chef Read auf den spanischen Konkurrenten Cellnex, der mit dem 27- bis 28-fachen seines bereinigten Gewinns gehandelt werde. Würde man diese Zahlen bei Vantage Towers zu Grunde legen, wäre der Börsenwert bei Platzierung aller Unternehmensanteile bei über 20 Milliarden Euro. Auch nach dem IPO will Vodafone jedoch Mehrheitseigentümer bleiben.

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    Das Portfolio von Vantage Towers umfasst 68.000 Funktürme in neun Märkten. Das Unternehmen hat laut Vodafone im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 680 Millionen Euro verzeichnet. Würde man einen Anteil an der britischen Funkturmsparte CTIL dazurechnen, wäre das operative Ergebnis bis zu 70 Millionen Euro höher. Geführt wird Vantage Towers von den langjährigen Vodafone-Managern Vivek Badrinath als Vorstandsvorsitzenden und Thomas Reisten als Finanzvorstand.

    Firmenwert bis zu 20 Milliarden Euro

    Die Debatte um den chinesischen Telekomausrüster Huawei habe keinen Einfluss auf den IPO, sagte Vodafone-Chef Read. Weltweit wird derzeit überlegt, wie man mit den Produkten des chinesischen Unternehmens umgeht. Die US-Regierung hält Huawei für ein Sicherheitsrisiko – ein Vorwurf, den Huawei zurückweist.

    Doch die kürzlich entschied die britische Regierung, Bauteile des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei aus dem 5G-Netz in Großbritannien zu verbannen. Telekomunternehmen waren gegen eine Einschränkung: Zum einen, weil die Produkte des chinesischen Unternehmens als besonders gut und günstig gelten, zum anderen aber auch, weil in Teilen des Netzwerks bereits Huawei-Produkte verbaut worden waren. Vodafone-Chef Read hatte deswegen gewarnt, es könnte „sehr, sehr teuer“ werden, wenn man die Bauteile austauschen müsse.

    Das könne die Einführung von 5G in Europa um „wahrscheinlich zwei Jahre“ verzögern. Er sei „enttäuscht“, sagte er, aber zugleich begrüße er, dass die britische Regierung mit der Forderung, bereits verbaute Huawei-Teile auszubauen, mehrere Jahre Zeit gegeben habe. Zudem führe man mit der Regierung Gespräche, wie die finanziellen Folgen abgefedert werden könnten.

    Die Schlussfolgerung, dass Huawei nach Großbritanniens Entscheidung automatisch auch europaweit verboten werde, wies Vodafone-Chef Read zurück. Die Entscheidung der britischen Regierung müsse man im Kontext der „einzigartigen geopolitischen Position“ des Landes sehen, sagte er mit Verweis auf das Sicherheitsbündnis „Five Eyes“, zu der Großbritannien gehört. „Ich würde das nicht automatisch auf Europa übertragen. Europa geht durch einen eigenen Prüfprozess.“

    In Deutschland steht die Entscheidung zu Huawei noch aus. Auch hier setzen sich Unternehmen wie die Deutsche Telekom für die Zulassung der chinesischen Produkte ein. In Frankreich wird der umstrittene chinesische Anbieter nach Informationen des Handelsblatts de facto ausgeschlossen.

    Am Morgen hatte Vodafone zudem Zahlen für das vergangene Quartal vorgelegt. Demnach schrumpfte der organische Umsatz hauptsächlich wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie um 1,3 Prozent. Der deutsche Markt erwies sich dabei als überdurchschnittlich robust. Vodafone-Chef Read zeigte sich zufrieden mit den Zahlen – und Analysten auch: Sie lägen im Rahmen der Erwartungen, hieß es von den Experten von Citi.

    Mehr: Großbritannien schließt Huawei vom 5G-Ausbau aus

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