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Büro-Software Slack will den deutschen Mittelstand erobern

Der Software-Hersteller eröffnet seine erste deutsche Niederlassung und hofft auf neue Kunden. Der Aktienkurs kann gute Nachrichten gebrauchen.
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„Jetzt stoßen wir in das industrielle Herz von Deutschland vor“, sagte Co-Gründer Stewart Butterfield. Quelle: AFP
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„Jetzt stoßen wir in das industrielle Herz von Deutschland vor“, sagte Co-Gründer Stewart Butterfield.

(Foto: AFP)

München Die Ambitionen sind groß, das Büro erst einmal klein: Der US-Softwareanbieter Slack eröffnet in diesen Tagen seine erste Niederlassung in Deutschland. Mit einer Handvoll Kollegen wird der neue Deutschland-Chef Oliver Blüher in München starten. Sein Ziel: Den Mittelstand erobern. Dort rücke derzeit vielerorts die junge Generation an die Spitze vor, sagte der Manager: „Diese Leute sind offen für Angebote wie unseres.“

Schon vor zwei Jahren hat der US-Konzern erstmals eine deutschsprachige Version seiner Messenger-Software auf den Markt gebracht. Bislang hat sich die Europazentrale in Dublin um die hiesigen Kunden gekümmert. Das sind vor allem große Industrieunternehmen.

Dabei soll es nicht bleiben, Slack strebt in die Fläche: „Jetzt stoßen wir in das industrielle Herz von Deutschland vor“, sagte CEO und Co-Gründer Stewart Butterfield dem Handelsblatt.

Über den Direktnachrichtendienst können sich Kollegen ohne E-Mails austauschen. Das wird immer populärer: Im jüngsten Quartal schoss der Umsatz von Slack um knapp 60 Prozent auf 145 Millionen Dollar in die Höhe.

Die Firma aus San Francisco kommt eigenen Angaben zufolge auf mehr als 100.000 zahlende Kunden. 720 davon würden für Erlöse von jeweils mehr als 100.000 Dollar im Jahr sorgen, heißt es im Quartalsbericht. Unter dem Strich lohnt sich das Geschäft aber noch lange nicht: Das Unternehmen mit seinen 1800 Mitarbeitern schreibt tiefrote Zahlen.

Butterfield hat Slack Mitte Juni an die Börse gebracht. Der Sprung an die Wall Street war zunächst ein voller Erfolg. In den ersten Minuten auf dem Parkett kletterte der Kurs auf gut 38 Dollar. Das war deutlich mehr als der Referenzpreis von 26 Dollar, den das Unternehmen am Vorabend der Emission bekannt gegeben hatte.

Butterfield hatte sich für eine eher außergewöhnliche Variante eines Börsengangs entschieden, die Direktplatzierung. Dabei bringen Unternehmen die Aktien ohne die Hilfe von Investmentbanken unmittelbar an die Börse.

Der Grund: Der 46-Jährige wollte kein frisches Kapital einsammeln, um etwa weiteres Wachstum zu finanzieren. Er hat lediglich früheren Investoren die Möglichkeit gegeben, Kasse zu machen, und neuen Investoren, die Aktie zu einem – deutlich höheren – Preis zu kaufen.

Seit der Gründung hatte sich Slack rund eine Milliarde Dollar bei Geldgebern besorgt. Für sie hat sich das Engagement gelohnt: Die Marktkapitalisierung von momentan knapp 13 Milliarden Dollar liegt bei einem Vielfachen.

Anleger sind enttäuscht

In den vergangenen Monaten bröckelte der Kurs jedoch auf knapp 24 Dollar ab, ein Minus von mehr als einem Drittel. Zum Vergleich: Der Dow-Jones-Index notiert derzeit ungefähr auf demselben Stand wie im Juni. Wegen des Kursrutsches würde er seine Strategie zwar nicht ändern, beteuert Butterfield. Aber natürlich werde Slack dadurch anders wahrgenommen.

Für das laufende Geschäftsjahr kündigte der Kanadier jüngst einen Umsatz zwischen 603 und 610 Millionen Dollar an, etwas mehr als die maximal 600 Millionen, die er noch im Frühjahr angepeilt hatte. Das entspricht einem Plus von 51,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Anleger sind aber offenbar enttäuscht, dass es nicht stärker aufwärts geht.

Die Firma aus San Francisco kommt eigenen Angaben zufolge auf mehr als 100.000 zahlende Kunden. Quelle: Slack
Slack-Co-Gründer Stewart Butterfield

Die Firma aus San Francisco kommt eigenen Angaben zufolge auf mehr als 100.000 zahlende Kunden.

(Foto: Slack)

Vergangene Woche nahm Keith Weiss von Morgan Stanley das Kursziel der Aktien von 38 auf 28 Dollar zurück. Der Banker begründete das mit zunehmendem Wettbewerb, zurückgehenden IT-Ausgaben sowie den Quartalszahlen, die eher gemischt ausgefallen seien.

Neuer Schub könnte in Zukunft aus Deutschland kommen. In München stellt Landeschef Blüher jetzt Vertriebsmitarbeiter ein, IT-Spezialisten und Kundenbetreuer. Es sei wichtig, Leute vor Ort zu haben, betonte Butterfield. Einerseits zögen sich die Verhandlungen mit Großkunden zum Teil über Monate hin. Andererseits sei es unerlässlich, die Nutzer zu schulen. „Die Arbeitsweise verändert sich stark“, so der Unternehmer.

Firmen setzen den Messenger ein, um im Team zu kommunizieren. Vielfach ersetzt er den als umständlich angesehenen E-Mail-Verkehr im eigenen Haus. Slack kann zudem mit anderen Diensten verknüpft werden - etwa mit Dropbox und Twitter.

Erlöse generiert Slack so: Wer nur die einfache Variante des Tools nutzt, zahlt nichts. Die Standardversion gibt es in Deutschland ab 6,25 Euro pro Nutzer und Monat, das Plus-Modell mit erweiterten Funktionen für 11,75 Euro pro Nutzer und Monat.

Sixt als Musterbeispiel

Laut Unternehmensangaben hat der Messenger zwölf Millionen aktive Nutzer pro Tag. Konkurrent Microsoft kommt mit seinem Konkurrenzangebot „Teams“ nach eigener Darstellung auf 13 Millionen. Fast alle seine Kunden hätten auch Zugriff auf „Teams“, meint Butterfield.

Schließlich sei es Teil des Office-Pakets von Microsoft, das auf den meisten PCs und Notebooks weltweit installiert ist. Viele würden trotzdem lieber seine Software nutzen. Butterfield: „Die Leute lieben Slack. Sonst wären wir verloren.“

Butterfield rühmt sich bereits einiger namhafter Kunden in Deutschland. Der Softwareriese SAP gehöre genauso dazu wie insgesamt 18 Konzerne aus dem Dax. Dazu kämen Firmen der zweiten Reihe wie der Autovermieter Sixt. Der sei ein gutes Beispiel für einen Mittelständler, bei dem gerade der Nachwuchs Verantwortung übernehme und offen für neue Arbeitsweisen und Werkzeuge sei, erläuterte Deutschland-Chef Blüher. Die beiden Söhne von Patriarch Erich Sixt sitzen bereits im Vorstand.

Ein weiterer solcher Kunde ist der Heizungs- und Klimaspezialist Viessmann, der vom 30-jährigen Max Viessmann geführt wird. Allen Abonnenten sichert Slack zu, dass die Daten künftig auf Wunsch in Deutschland gespeichert werden.

Bei allen Vorzügen von Slack: Einen globalen Standard in der Kommunikation zu setzen werde unglaublich schwierig, gibt Butterfield zu. „Die E-Mail“, meint der Firmenchef, „wird nicht verschwinden.“ Schade eigentlich.

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