Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Business-Software „Wir können Geschichte schreiben“: SAP will Milliardenzukauf Signavio zum Zukunftskern machen

Signavio-Gründer Gero Decker formt eine neue Einheit bei SAP in Berlin. Mit ihr will der Konzern den Abstand zum Softwarekonkurrenten Celonis aufholen.
31.05.2021 - 12:00 Uhr Kommentieren
Signavio bleibt nicht eigenständig, sondern wird in den Konzern integriert. Quelle: dpa
SAP

Signavio bleibt nicht eigenständig, sondern wird in den Konzern integriert.

(Foto: dpa)

Hamburg, Düsseldorf Es war eine der größten Start-up-Übernahmen in Deutschland: der Kauf des Potsdamer Unternehmens-Softwareanbieters Signavio durch SAP im Januar für einen kolportierten Kaufpreis von knapp einer Milliarde Euro. Jetzt wird klar, wie Signavio in den Walldorfer Konzern integriert wird. Zur SAP-Konferenz Sapphire will das Unternehmen in dieser Woche seinen Kunden die Details des Produkts vorstellen.

Vorab erläuterten Signavio-Gründer Gero Decker und SAP-Manager Rouven Morato dem Handelsblatt die neue Arbeitsweise im Konzern. Beide sollen zusammen aus Signavio eine zentrale Zukunftseinheit formen. Die Mitarbeiter von Signavio ziehen im kommenden Jahr zusammen mit der deutlich kleineren SAP-Einheit Business-Process-Intelligence in einen Neubau am Berliner Hauptbahnhof. „Wir planen, daraus ein großes Start-up innerhalb der SAP zu machen“, sagt Rouven Morato.

Signavio bleibt also – anders als Qualtrics – nicht eigenständig, sondern wird in den Konzern integriert. Die Firmenkultur werde aber bewahrt, verspricht Morato. Die Signavio-Software soll künftig mit SAP-Programmen im Paket, aber auch weiterhin einzeln verkauft werden.

Denn „Business-Process-Intelligence“, einschließlich der Technologie von Signavio, spielt in der neuen Strategie von SAP eine zentrale Rolle: Kunden sollen ihre Geschäftsprozesse analysieren, übersichtlich darstellen und verbessern können – ähnlich wie es mit den Produkten des Münchener Anbieters Celonis möglich ist. Dessen Lösung hatte SAP vor dem Zukauf mitvertrieben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Tatsächlich sei der Zukauf wichtig für SAP, weil der Konzern verpasst habe, selbst Produkte im Bereich Process-Mining zu entwickeln, sagt Analyst Holger Müller von Constellation Research. Über die Integration von Signavio müsse es nun in den kommenden ein bis zwei Jahren gelingen, mit dem Vorreiter Celonis gleichzuziehen. „Das ist keine leichte Aufgabe, aber der Druck wird dafür sorgen, dass das Thema die nötige Aufmerksamkeit bekommt“, prognostiziert Müller.

    Absage an den Börsengang von Signavio

    Morato hat die neue, cloudzentrierte Strategie 2020 als strategischer Berater von SAP-Konzernchef Christian Klein mitentwickelt. In diese Zeit fällt auch die Anbahnung der Übernahme. „Bis zum Oktober 2020 standen die Zeichen darauf, Signavio bereit für einen Börsengang zu machen“, berichtet Signavio-Gründer Decker. „Bis uns SAP angerufen hat und von seiner neuen Strategie berichtet hat.“

    Er ist Absolvent des vom SAP-Gründer Hasso Plattner mitfinanzierten Potsdamer Informatik-Instituts. Quelle:  Gero Decker, Signavio
    Signavio-Gründer Gero Decker

    Er ist Absolvent des vom SAP-Gründer Hasso Plattner mitfinanzierten Potsdamer Informatik-Instituts.

    (Foto:  Gero Decker, Signavio)

    Auch einer seiner Investoren, John Klein von DTCP, bestätigt: „Signavio hätte das Potenzial für einen sehr erfolgreichen Börsengang gehabt.“ In dem Fall wäre das Start-up formal in die USA abgewandert, um an die Technologiebörse Nasdaq gehen zu können.

    „Es hat uns bei Signavio die Entscheidung leichter für die Übernahme gemacht, dass wir SAP schon länger kennen und partnerschaftlich zusammengearbeitet haben“, sagt Decker. Er ist Absolvent des vom SAP-Gründer Hasso Plattner mitfinanzierten Potsdamer Informatik-Instituts. Ex-SAP-Chef Leo Apotheker war Chef im Aufsichtsrat von Signavio.

    Ausschlaggebend für den Verkauf an den größten deutschen Softwarekonzern sei für ihn die größere Gestaltungsmöglichkeit im SAP-Verbund gewesen, sagt Decker: „Wir können Geschichte schreiben, wo die Reise in den nächsten fünf bis zehn Jahren bei SAP hingeht.“ Business-Process-Intelligence werde nicht „ein Produkt von vielen“ sein, ist Decker überzeugt. Die Prozessoptimierung werde in zahlreichen Produkten zum Einsatz kommen wie eine Schicht, die sich durch den gesamten Konzern ziehe.

    Die Unternehmen erhalten über die cloudbasierte Software einen Einblick in ihre komplexe IT. Das verspricht einerseits eine effizientere Organisation und damit niedrigere Kosten, andererseits einfachere Anpassungen der Technik, etwa bei der Einrichtung eines Online-Shops oder dem Aufbau einer neuen Geschäftseinheit.

    Business-Process-Intelligence als Tuning fürs Programmpaket

    Die Vision für die Zukunft beschreibt Gero Decker so: „Wenn beispielsweise ein Geschäft wegen der Corona-Beschränkungen von einem Tag auf den anderen nur noch ‚Click & Meet‘ anbieten darf, schlägt das SAP-System diese Option vor – der Nutzer klickt nur noch auf ‚Aktivieren‘“.

    Der Dax-Konzern sieht das als Vermarktungsargument für sein Kernprodukt: Die „Business-Process-Intelligence“ ist wie ein Tuning für das Programmpaket S/4 Hana Cloud, mit dem Unternehmen Geschäftsprozesse wie Finanzierung, Lieferung und Produktion steuern. Die aufwendige und teure Einführung des Systems, die derzeit viele Kunden abschreckt, rechnet sich damit schneller.

    Das Programmpaket von Signavio eignet sich für Programme verschiedener Hersteller. Das gelte auch für das Portfolio mit dem SAP-Logo, sagt Rouven Morato: „Im Hinblick auf Geschäftsprozesse gilt: Es ist unerheblich, ob die Software von SAP oder einem anderen Anbieter stammt. Wir werden im Markt nur erst genommen, wenn wir komplette IT-Landschaften bedienen können.“

    SAP zahlte für das Start-up knapp eine Milliarde Euro. Quelle: LightRocket/Getty Images
    Signavio

    SAP zahlte für das Start-up knapp eine Milliarde Euro.

    (Foto: LightRocket/Getty Images)

    Jens Hungershausen, Chef der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), sieht die Übernahme als „logischen Schritt, um den Bereich Business-Process-Intelligence innerhalb der SAP zu verankern“. Eine volle Integration in die SAP-Architektur sei notwendig, um das volle Potenzial der Technologie nutzen zu können.

    Das nötige Personal dafür sei vorhanden, sagt Manager Morato. 500 Mitarbeiter hat Signavio mitgebracht, 150 kommen von SAP. Bis Ende des Jahres soll die Einheit auf knapp 1000 Mitarbeiter wachsen. „SAP hat sich klar dazu bekannt, in den Geschäftsbereich zu investieren und die bereits bestehende Lösung von Signavio weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Integration voranzutreiben. Die Kapazitäten dafür haben wir.“

    Signavio-Gründer Decker wird kein Business-Angel

    Insgesamt sei das Projekt auf fünf Jahre geplant – ursprünglich mit organischem Wachstum. Durch die Akquisition gehe es nun deutlich schneller voran als ursprünglich veranschlagt. So habe Signavio bei der Übernahme bereits 2.000 Kunden gehabt – darunter SAP selbst.

    Zur geschäftlichen Entwicklung nennen die beiden Manager keine Details. Ihre Einheit gehört zum Segment „Applications, Technology & Support“, dem mit Abstand größten Bereich von SAP. Hier kamen im ersten Quartal 2021 knapp zwei Milliarden Euro Erlöse aus dem Cloudgeschäft. Dieser Bereich legte damit währungsbereinigt um zehn Prozent zu – und war damit der Wachstumstreiber des Konzerns. Insgesamt erzielte die Sparte im Quartal 5,3 Milliarden Euro Erlöse.

    Seit Anfang Mai sind die Signavio-Produkte auf der Preisliste von SAP, was den Verkauf erleichtert. „Wir erwarten für das zweite Halbjahr einen signifikanten Schub“, sagt Morato – allerdings von einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

    Privat will Decker – anders als andere erfolgreiche Gründer – nicht zum Business-Angel werden. „Gute Gründer brauchen einen nicht, schlechte hat man ständig an der Backe“, sagt er. Stattdessen will er spezielle Impact-Fonds unterstützen, die an der Dekarbonisierung der Wirtschaft arbeiten. So ist er einer der Ankerinvestoren beim Fonds Extantia, vormals Beyond Black, der in Unternehmen für Klimatechnologien investiert.

    Mehr: Process-Mining: Wie sich Geschäftsprozesse mithilfe von Algorithmen optimieren lassen.

    Startseite
    Mehr zu: Business-Software - „Wir können Geschichte schreiben“: SAP will Milliardenzukauf Signavio zum Zukunftskern machen
    0 Kommentare zu "Business-Software: „Wir können Geschichte schreiben“: SAP will Milliardenzukauf Signavio zum Zukunftskern machen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%