Cebit Computermesse schafft Plus dank China

Die Cebit hat global viel Konkurrenz bekommen und an Bedeutung eingebüßt. Nun zeigte sie sich zum zweiten Mal in neuer Form als Messe für IT-Entscheider – und fuhr dank Zugpferd China das erste Plus seit Jahren ein.
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Die weltgrößte Computermesse Cebit präsentierte sich zum zweiten Mal in Folge als reine Fachmesse. Quelle: dpa
Cebit 2015

Die weltgrößte Computermesse Cebit präsentierte sich zum zweiten Mal in Folge als reine Fachmesse.

(Foto: dpa)

HannoverDas Partnerland China als starker Treiber hat der IT-Messe Cebit ein leichtes Wachstum beschert. In Jahr zwei der Neuausrichtung als reine Business-Messe stieg die Besucherzahl um gut sechs Prozent auf 201 000 Menschen, wie aus den vorläufigen Zahlen hervorgeht. Die mit Ständen belegte Fläche sei ebenfalls um rund sechs Prozent gewachsen, bei den Standbeschickern gelang ein Miniplus um 17 auf 3262 Aussteller.

Im Wettkampf um den wichtigsten Messe-Marktplatz für die IT-Branche sieht sich die Cebit nun besser gerüstet. „Das Gesamtpaket stimmt, wir haben acht Prozent Plus bei den Besuchern aus dem Ausland gehabt, insbesondere aus den USA und Asien. Dreiviertel aller Besucher kommen mit konkreten Investitionsplänen“, sagte Cebit-Chef Oliver Frese am Freitag am letzten Messetag in Hannover.

„Wir können festhalten, dass die Cebit neue Kraft gewonnen hat. Wir haben Wort gehalten“, sagte Frese. Der Vodafone-Manager und Chef des Messeausschusses, Jan Geldmacher, lobte: „Die Neupositionierung ist gelungen.“ Durch die Bank seien alle Aussteller „äußerst zufrieden“.

Die Zahlen basieren auf offiziellen Werten für die Selbstkontrolle der Branche (FKM). Inklusive weiterer Gäste, etwa aus Delegationen, stieg die Besucherzahl ebenfalls um rund sechs Prozent auf 221 000. Im Spitzenjahr 2001, noch als Publikumsmesse, waren 800 000 Besucher zur Cebit geströmt.

Die Branchenschau habe sich mit der inhaltlichen Neupositionierung zur „weltweit führenden Konferenz im IT-Umfeld“ entwickelt, sagte Frese. Branchenbeobachter bescheinigen der CeBIT seit Jahren einen Bedeutungsverlust im Vergleich zu anderen Messen wie die Elektronik-Show CES in Las Vegas und der Mobile World Congress in Barcelona. In Deutschland gewann die IFA in Berlin an Bedeutung.

Die Messezahlen stehen vor dem Hintergrund des bisher stärksten Cebit-Partnerlandes China. 612 Unternehmen aus dem Reich der Mitte waren nach Hannover gekommen - rund ein Fünftel aller Aussteller. Mit Großbritannien, dem Partnerland vor einem Jahr, hatte es nur 130 Gastland-Aussteller nach Hannover gezogen. Aus China waren damals noch rund 100 Aussteller weniger gekommen.

Highlights der Computermesse
Der gesprächige Dino
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Dieses Spielzeug ist so schlau wie ein Supercomputer: Der Dinosaurier der US-Firma Elemental Path greift auf die Daten des Computersystems Watson von IBM zu. Die Plastikechse versteht menschliche Sprache und beantwortet Fragen. Neben Informationen aus der Wikipedia gibt das Cognitoy auch Bildungsinhalte, Geschichten und Witze von sich. Das Start-up finanziert die Produktion der ersten Charge über eine Kickstarter-Kampagne. (Foto: C. Kerkmann)

Bezahlen per Gesichtserkennung
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Gesichtskontrolle, bitte: Wer mit dem Smartphone bezahlen will, kann beim chinesischen Internetkonzern Alibaba dafür künftig die Gesichtserkennung nutzen. Konzernchef Jack präsentierte die Funktion bei der Eröffnung der Messe. Ein ähnliches Prinzip nutzen auch Apple und Samsung für die Bezahlung mit ihren Smartphones, allerdings dient bei ihnen der Fingerabdruck zur Identifizierung.

Der Schlaustrumpf
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Die ganze Welt wird smart – warum nicht auch Socken? Dieses Textil beinhaltet Drucksensoren, die messen, wie ein Jogger oder Wanderer den Fuß abrollt. Ein ansteckbares Funkmodul sendet die Daten per Bluetooth zum Smartphone. Eine App zeigt die zurückgelegte Strecke und gibt Tipps für ein gesünderes Laufen. Entwickelt hat das System die Firma Cluster Reply, es soll im Mai zu Preisen um die 100 Euro auf den Markt kommen. (Foto: C. Kerkmann)

Smartphone-Halterung Virtualvizor
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Eher skurril mutet dagegen diese Smartphone-Halterung an, bei der das Mobiltelefon direkt vor dem Gesicht getragen wird. Immerhin hat der Nutzer dann die Hände frei, wenn er vor die nächste Laterne läuft.

IO Hawk
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Der IO Hawk wiegt rund zehn Kilogramm. Bewegt wird das futuristische Fortbewegungsmittel von einem Elektrometer. Der IO Hawk fährt mit bis zu zehn Kilometer pro Stunde durch die Gegend, gesteuert und beschleunigt wird das Gerät durch Bewegungen des Fahrers. Eine Akkuladung reicht für 20 Kilometer. Mit rund 1500 Euro ist das Gerät allerdings nicht ganz billig.

Windows 10
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Für Microsoft ist es ein wichtiges Jahr: Der Konzern führt sein neues Betriebssystem Windows 10 ein. Wer einen Vorgeschmack darauf bekommen möchte, kann sich auf der Cebit verschiedene Geräte mit der Software ansehen. Sie läuft nicht nur auf PCs, sondern auch auf Smartphones – Entwickler können ihre Programme so leicht anpassen. Auf den großen Bildschirmen kehrt außerdem das Startmenü zurück. (Foto: C. Kerkmann)

Hochsicherheitstablet
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Schick, aber trotzdem sicher: Blackberry hat ein Tablet entwickelt, dass Spaß machen, trotzdem aber die Daten schützen soll. Das Gerät basiert auf dem Galaxy Tab S 10.5 von Samsung, der kanadische Konzern ergänzt es aber um die Sicherheitssoftware der zugekauften Firma Secusmart. Daher auch der Name des Produktes: SecuTablet. Es richtet sich an Behörden oder Firmen mit hohen Sicherheitsanforderungen, was auch den Preis von 2270 Euro erklärt. (Foto: C. Kerkmann)

Frese sagte dazu: „Unser Partnerland-Konzept ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt.“ Er sei „sehr zuversichtlich“, China als aufstrebende IT-Nation langfristig an die Messe binden zu können. Eine Prognose für die chinesische Ausstellerzahl im nächsten Jahr wollte er noch nicht wagen, das gelte auch für den Ausblick zu den Gesamtzahlen.

Für die Cebit-Macher von der Deutschen Messe AG markiert dieses Jahr damit eine Wende für die Leitmesse, die 13 Jahre in Folge geschrumpft war. Die Deutsche Messe steht wirtschaftlich unter Druck und kann sich Einbußen in der Ertragskraft ihrer Zugpferde kaum leisten.

Ziel ist eine schwarze Zahl im Vierjahreszeitraum 2011 bis 2014. In der Branche wechseln starke und schwache Jahre wegen der Rhythmen der Messen. 2011 hatte es 32 Millionen Euro Überschuss gegeben, 2012 folgten 20 Millionen Euro Verlust. 2013 verbuchten die Hannoveraner nur gut 13 Millionen Euro und verpassten die angepeilte Marke von 15 Millionen Euro. Damit liegt die Gewinnhürde für 2014 bei 25 Millionen Euro. Ob das glückte, ist noch unbekannt. Die Bilanz folgt im Sommer.

  • dpa
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