Energie 4.0 Versorger wollen die digitale Wende

Der Energiesektor mobilisiert hohe IT-Investitionen. Branchenneulinge beschleunigen mit ihrer Kreativität die Digitalisierung. Aber auch in Haushalten hält digitale Technik Einzug, wenn es um Energieeffizienz geht.
  • Bernward Janzing
1 Kommentar
Die Bedeutung von Software in der Stromversorgung wächst rasch. Quelle: dpa
Monteur bei der Arbeit an einem Umspannwerk

Die Bedeutung von Software in der Stromversorgung wächst rasch.

(Foto: dpa)

FreiburgVon Köln aus arbeitet Next Kraftwerke an der neuen Energiewirtschaft. Flexibilität für den Strommarkt – darauf fußt das Geschäftsmodell des 2009 gegründeten Unternehmens. Die ist umso wichtiger, je mehr Energie wetterabhängige Windkraft- oder Solaranlagen liefern. Um das schwankende Angebot optimal zu steuern, sind Dutzende Software-Ingenieure im Einsatz. Neben den Energiehändlern, die den Strom am Markt platzieren, machen sie den größten Teil der 135-köpfigen Belegschaft von Next Kraftwerke aus.

Die Aufgabe der IT-Experten ist hochkomplex: 4.000 Anlagen mit einer Leistung von zusammen 2.270 Megawatt hängen inzwischen an der Leitzentrale des Unternehmens. Sie alle gehören privaten Betreibern. Next Kraftwerke übernimmt die Steuerung – auch bei Verbrauchern. Zudem sind Speicher wie etwa Notstromaggregate eingeklinkt.

„Zumeist flexibilisieren wir Anlagen, die ohnehin bestehen, und erzielen damit Zusatzerlöse für den Betreiber“, sagt Firmensprecher Jan Aengenvoort. Allein könnten viele dies nicht schaffen, weil sie nicht die nötige Leistung erreichen, um an den Märkten agieren zu können. Das aber gelingt, wenn Dienstleister wie Next Kraftwerke sie IT-gestützt zu Pools zusammenschalten.

Die Liberalisierung des Strommarkts 1998 schaffte den Rahmen für neue Anbieter wie Next Kraftwerke – Verbraucher konnten nun ihren Versorger selbst wählen. Der Aufstieg der Erneuerbaren beschleunigt den Erfolg der Newcomer. Zunehmend wird IT zur entscheidenden Stellschraube: „Die Digitalisierung ist Eckstein der Energiewende“, erläutert Robert Spanheimer, Referent Smart Grids & Smart Home beim Digitalverband Bitkom. Für IT-Dienstleister sieht er beste Perspektiven – vor allem, wenn sie Software bieten.

Mehr Sonnenstrom fürs Kanzleramt
Prestige-Auftrag für die Naturstrom AG
1 von 7

Thomas Banning hat allen Grund zur Freude. Er ist Vorstand der Naturstrom AG. Diese ist am MR Sun-Strom beteiligt und erhielt zusammen mit dem Dresdner Photovoltaik-Spezialisten den Auftrag, die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bundeskanzleramts zu installieren.

Umweltschonende Energieversorgung
2 von 7

Nach vier Jahren Bauzeit wurde das Bundeskanzleramt im Jahr 2001 bezogen. Wichtiger Randaspekt: Biodiesel, Sonnenenergie und Ökostrom sollten für eine umweltschonende Energieversorgung sorgen. Doch der Zahn der Zeit nagt auch am Kanzleramt.

Sanierung im Kanzleramt
3 von 7

Nach 15 Jahren ist Kanzleramt ein Sanierungsfall. Die Elektrik muss modernisiert, die undichte Decke der Tiefgarage repariert und der alte Ölkessel ausgetauscht werden. Auch ein neues Energiekonzept wurde in Auftrag gegeben. Drei Millionen Euro sollen im kommenden Jahr in die Sanierung investiert werden, unter anderem in neue Solaranlagen. Die Flachdächer vom Nord- und Südflügel eignen sich hierfür besonders.

Leistung von 200 Kilowatt
4 von 7

Die Module liegen nämlich waagerecht, mit Blick auf die markante Gebäudearchitektur. Hier sind zwar bereits Solaranlagen installiert, doch diese werden erneuert. Die neue Solaranlage auf dem Kanzleramts-Dach wird über eine Leistung von 200 Kilowatt verfügen.

Sonnenstrom für den Eigenbedarf
5 von 7

Jährlich soll die neue Solaranlage über 160.000 Kilowattstunden Strom produzieren und somit gegenüber der alten Anlage auf gleicher Fläche ein Drittel mehr Ertrag liefern. Die Menge entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch von 50 deutschen Durchschnittshaushalten. Genutzt werden soll der Sonnenstrom vom Dach übrigens für den eigenen Bedarf.

Weiterbetrieb oder Neuinvestition?
6 von 7

Das Bundeskanzleramt ist damit das Beispiel für ein Phänomen, das in den nächsten Jahren viele Besitzer von Solaranlagen beschäftigen wird. Bei Tausenden Anlagen werden sich die Betreiber fragen müssen: Lohnt sich der Weiterbetrieb der alten oder die Investition in eine neue Anlage? Und sollten sie den produzierten Strom selber nutzen oder vermarkten?

EEG-Vergütung läuft aus
7 von 7

Denn in vier Jahren, 2020 läuft für die ersten Solar- und Windenergieanlagen die EEG-Vergütung aus. Diese ist nach Inbetriebnahme der Anlage nämlich nur für 20 Jahre festgesetzt. Die Naturstrom AG hofft, sich durch die neue Photovoltaik-Anlage auf dem Kanzleramt als Ansprechpartner für Betreiber von älteren Anlagen zu etablieren.

Die Versorger müssen umsteuern, Energie 4.0 heißt das Schlagwort: „Die Digitalisierung ist eines der ganz großen Themen der Energiewirtschaft“, sagt Stefan Kapferer, Chef des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die gesamte Wertschöpfung von der Erzeugung über den Transport bis hin zur Steckdose werde erfasst. Auch etablierte Konzerne sind gezwungen, kräftig in IT-Know-how zu investieren: „Viele Unternehmen haben eine Digitalisierungsstrategie entwickelt und entsprechende Personalressourcen aufgebaut, die sich intensiv mit der Umsetzung befassen“, sagt Kapferer. Eon verpflichtete jüngst gar den früheren SAP-Manager Matthew Timms als Chief Digital Officer.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Chancen für Quereinsteiger
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Energie 4.0 - Versorger wollen die digitale Wende

1 Kommentar zu "Energie 4.0: Versorger wollen die digitale Wende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Energieversorgung wird digitalisiert, damit man die Energieversorgung besser managen kann. Genauso wichtig ist es aber auch für Haushalte und Unternehmen, ihren Energieverbrauch zu managen. Energiemonitoring bringt für beide Seiten einige Vorteile: www.smart-cost.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%