Japan Der Roboterpionier rüstet zur Aufholjagd

Japan war einst die unumstrittene Roboter-Macht der Welt. Doch das Epizentrum der globalen Roboterrevolution hat sich die USA verschoben. Nun rüstet sich Japans Industrie zum Kampf um die Industrie von morgen.
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Weltspitze in Sachen Roboter – Dennoch holt sich Japan Hilfe aus Deutschland

TokioDer Roboterpionier Japan steht vor einer Sinnkrise. Zwar setzt die zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens noch immer weltweit die meisten Industrieroboter. Aber nach jüngsten Studien hat Japan seine Vorherrschaft eingebüßt.

Zahlen des britischen Centre for Economics and Business Research zeigen, dass die USA, Südkorea und Deutschland bei Industrierobotern rasanter aufholen – und nicht nur, weil sie aggressiv den Einsatz von Robotern erhöhen. Japans Roboterpopulation ist laut der britischen Studie seit ihrem Rekordhoch 1993 um 20 Prozent gesunken. Die Experten des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan urteilen sogar, dass sich die Dominanz in Entwicklung und Anwendung von Automaten und smarten Systemen „vom frühen Epizentrum Japan auf die USA verschoben hat.“

Auch bei Produktionsanlagen ist Japans Verschnaufpause im Rennen um die nächste industrielle Revolution zu spüren. „Da ist der deutsche Maschinenbau um zwei bis drei Jahre voraus“, urteilt Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Japans großer Auftritt bei der Cebit mit weit über 100 Firmen war daher kein Zufall. Das Land schaut sich nach Partnern um – gerade in Deutschland.

Ein Beispiel: Am Dienstag kündigten Konica-Minolta und Sick, ein führender deutscher Sensorhersteller für industrielle Anwendungen, eine strategische Allianz an. Gemeinsam wollen sie die Radartechnik der Japaner, die bisher vor allem für autonome Autos gedacht war, für Sensoren in der Produktion nutzen. Dies soll den Japanern helfen, künftig auch in den digitalen Fabriken der Zukunft mitzumischen.

Mehr Drang nach Übersee könnte folgen. Denn Regierung und Wirtschaft wollen nicht hinnehmen, dass das Land wie zuvor schon bei Computern, Flachdisplays und Smartphones seine Vormachtstellung just dann verliert, wenn der weltweite Boom beginnt. Japans Regierung hat daher den Themenbereich Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) zu einem Pfeiler ihrer ambitionierten Wachstumspolitik gemacht.

Industrieroboter wird zum Pizzabäcker
Roboter backt Pizza
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Ein Roboter, der den Haushalt erledigt – am Bremer Institut für künstliche Intelligenz (IAI) arbeiten Forscher an der Verwirklichung dieses Traums: Dort wird Robotern Küchenarbeiten wie Pizzabacken oder das Zubereiten von Popcorn beigebracht.

Forschungsprojekt RoboHow
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Im Zuge des EU-finanzierten Projekts „RoboHow“ werden die Maschinen von den Bremer Forschern auf die Erledigung solcher Aufgaben trainiert. Durch die Arbeit in der Küche...

Zielorientiertes Handeln
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...sollen die Maschinen selbstständiges, zielorientiertes Handeln lernen und dabei vage Anforderungen in präzise Bewegungsketten umsetzen.

Michael Beetz mit Haushaltsroboter Pepper
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Alltagsaufgaben wie das Eindecken des Esstischs oder die Zubereitung einer einfachen Mahlzeit sind für Maschinen eine echte Herausforderung. „Den Menschen ist nicht bewusst, wie komplex das Ganze ist“, sagt Institutsleiter Michael Beetz.

Hochkomplizierte Abläufe
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„Küchenarbeiten sind hochkomplizierte Abläufe für einen Roboter“, so Beetz. „Einem Zweijährigen, dem man sagt: ‚Trink!‘, der kann einschenken und weiß, dass er nichts verschütten soll. Ein Roboter muss das lernen.“

Anleitungen aus dem Internet
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Am IAI werden die Roboter unter anderem mit Anleitungen aus dem Internet gefüttert. Auch mit Virtual Reality (VR) arbeitet das Forscherteam: Mit VR-Brille und Handcontrollern stellen die Mitarbeiter Bewegungsabläufe nach, die dann in für Roboter lesbare Daten umgewandelt werden.

Ergebnisorientiertes Handeln
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Labormanager Alexis Maldonado weiß, was alles schiefgehen kann, wenn ein Roboter stumpf vorgegebene Anweisungen befolgt: „Die ersten Maschinen, an denen ich mitgearbeitet habe, haben Löcher in die Tische gehauen.“ Ziel der Bremer Forscher ist es daher, den Maschinen ergebnisorientiertes und nicht wie bisher wortwörtliches Handeln beizubringen.

Von 2013 bis 2020 wollte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe das Bruttoinlandsprodukt um rund ein Fünftel erhöhen. Und fast ein Drittel des Zuwachses sollen Maschinenwesen, Künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT) beisteuern. „Für die Regierung ist KI ein Muss für Japans Wachstum“, erklärte Japans KI-Papst Yuichiro Anzai dem Handelsblatt, der als Vorsitzender des Strategischen Rats für KI den nationalen Plan für die Aufholjagd mitgeschrieben hat.

Er sieht gute Chance, dass Japans Robotik wieder zur Weltspitze aufschließt. Ein Grund ist für ihn die geringe kulturelle Hürde, die Maschinenwesen in Japan überwinden müssen. Japaner sähen Roboter nicht als Bedrohung, sondern als unterhaltsame Helfer des Menschen, so Anzai. Darüber hinaus seien schrumpfende Bevölkerung und steigender Arbeitskräftemangel wahrscheinlich gut für Japan. Denn die Firmen haben nun einen Anreiz, ihr Leiden durch Innovation, sprich lernende Systeme und Robotertechnologien, zu besiegen.

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