Technologiemesse vor Neustart Kann die Cebit wieder cool werden?

In der schnelllebigen Technologie-Welt droht die Cebit den Anschluss zu verlieren. Ein neues Konzept soll das ändern. Doch den Organisatoren bleibt nur sehr wenig Zeit, um dieses mit Leben zu füllen. Eine Analyse.
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Die deutsche Technologiemesse will sich im kommenden Jahr neu ausrichten. Quelle: dpa
Telekom-Stand auf der Cebit

Die deutsche Technologiemesse will sich im kommenden Jahr neu ausrichten.

(Foto: dpa)

HannoverEs ist ein markiger Spruch. „Forget everything you know about Cebit“, heißt es auf einem Flyer, den die Deutsche Messe verteilen lässt: Besucher sollen alles vergessen, was sie über die Technologiemesse wissen. Mal wieder überarbeitet das Unternehmen das Konzept seiner wichtigsten Veranstaltung, dieses Mal aber radikal. Zum altbekannten Treffpunkt für Geschäftsleute soll ab 2018 ein Festival für die digitale Avantgarde hinzukommen. Unter die Krawattenträger sollen sich Kapuzenpulli-Liebhaber mischen. Die Cebit will cool werden.

Es ist richtig, dass die Deutsche Messe etwas Neues wagt. In der alten Form hat die Cebit keine Zukunft mehr. Viele Themen wie die umfassende Vernetzung decken alternative Veranstaltungen besser ab, und nicht zuletzt bieten sie mehr Flair. Die großen Aussteller stellen daher immer wieder ihre erheblichen Messebudgets infrage. So entscheidet die Deutsche Telekom über ihren Cebit-Auftritt neu.

Die Deutsche Messe geht jedoch ein gehöriges Risiko ein: Sie will zwei Dinge vereinbaren, die nur bedingt zusammenpassen. Der Plan kann grandios gelingen, aber auch grandios scheitern.

Die Cebit war einmal der Hotspot der Technologiewelt. Microsoft-Mitgründer Bill Gates elektrisierte 1995 die Massen, Nokia präsentierte 1999 vor der internationalen Presse neue Handys mit Internetzugang. In den Hochzeiten schoben sich 800.000 Besucher über das Gelände in Hannover. Einige langjährige Besucher schwärmen noch heute davon, die Taxifahrer in der Stadt sowieso.

Doch die Technikwelt ist schnelllebig – und so wie Microsoft und Nokia wichtige Trends verpassten, tat es auch die Cebit. Heute konkurrieren allein im Frühjahr vier Großveranstaltungen um die Aufmerksamkeit der technikaffinen Besucher und die Budgets der Aussteller: die Consumer Electronics Show in Las Vegas, der Mobile World Congress in Barcelona, die Hannover Messe und zunehmend auch das Festival South by Southwest in Austin. Die Cebit ist doppelt eingeklemmt, terminlich und inhaltlich. Hinzu kommt: Die anderen Veranstaltungen bieten attraktivere Standorte, ein buntes Rahmenprogramm oder zumindest milderes Wetter.

Insofern ist es konsequent, dass die Deutsche Messe das Konzept verändert. Der neue Plan sieht vor, die Cebit in drei Schwerpunkte mit eigenen Marken zu unterteilen: erstens einen Treffpunkt für Geschäftsleute, wo es wie bislang schon zu Vertragsabschlüssen kommt; zweitens ein Konferenzprogramm, das die Diskussion über die Folgen der Digitalisierung bündelt und auch politisch relevant sein soll; und drittens ein Technikfestival, auf dem sich Gründer und Forscher treffen, aber auch Konzerte ein breites Publikum anlocken sollen.

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