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Charlie Ergen Wie der Mitgründer von Dish den Telekommarkt aufmischt

Die Fusion von T-Mobile US und Sprint hilft auch dem Satellitenbetreiber Dish. Denn der kann nun ins Mobilfunkgeschäft einsteigen.
28.07.2019 - 17:32 Uhr Kommentieren
Vom professionellen Poker-Spieler zum Top-Manager. Quelle: Reuters
Charlie Ergen

Vom professionellen Poker-Spieler zum Top-Manager.

(Foto: Reuters)

New York Schon seit Jahren irritiert Charlie Ergen Konzerne und Aufseher. Bei Auktionen ersteigerte er Mobilfunklizenzen im Wert von 21 Milliarden Dollar. Doch lange Zeit wusste niemand, was Ergen damit will. Dish, das Unternehmen, das er 1980 mitgegründet hatte, bietet schließlich nur Satellitenfernsehen und Internet an.

Nun jedoch ist klar, dass Ergen mit den Zukäufen richtig lag. Bei der Übernahme von Sprint durch T-Mobile ist der Manager zur Schlüsselfigur geworden. Die Wettbewerbshüter genehmigten den Zusammenschluss des dritt- und viertgrößten Mobilfunkunternehmens der USA nur unter der Bedingung, dass diese dabei helfen, eine neue starke Nummer vier aufzubauen. Und dafür kam schließlich allein Dish infrage – dank der Lizenzen, die Ergen in weiser Voraussicht ersteigert hatte.

Der 66-Jährige ist bekannt für seine Geheimniskrämerei. „Bei Ergen weiß man bis zum Schluss nicht, ob er blufft“, sagt ein Mobilfunk-Manager, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Kein Wunder. Zu Beginn seiner Karriere war Ergen professioneller Pokerspieler. Auch beim Blackjack war er gefürchtet, bekam jedoch gemeinsam mit einem Freund Hausverbot in einem Kasino, nachdem dieser beim Kartenzählen erwischt worden war. Die Glücksspielhäuser sehen das nicht gern, weil es die Chancen der Bank verschlechtert.

Das Kartenspielen hat sein Leben als Manager geprägt. „Man lernt, auch mit schlechten Karten zu gewinnen“, sagte er in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Aus einer Hand Fernsehen, Internet und Telefonie anzubieten, das war schon lange Ergens Vision. Nun ist er seinem Ziel so nah wie nie. Dennoch geht Ergen, der die Mehrheit der Stimmrechte am Unternehmen hält, wieder einmal ein großes Risiko ein. Für fünf Milliarden Dollar kauft er Sprint und T-Mobile Prepaid-Kunden und Lizenzen ab, um den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft zu beschleunigen. Doch Dish hat keine Erfahrung im Betreiben eines Mobilfunknetzes und kämpft gegen die viel größeren Konkurrenten Verizon, AT&T und das neue T-Mobile an. Für den Ausbau wird Dish mittelfristig auch frisches Kapital aufnehmen müssen, das hat Ergen bereits eingeräumt.

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    Leidenschaftlicher Bergsteiger

    Doch der große, drahtige Manager liebt die Herausforderung. Er ist leidenschaftlicher Bergsteiger, hat den Kilimandscharo bestiegen, hat es ins Basecamp des Mount Everest geschafft und alle 58 Berge in Colorado erklommen, die höher als 14.000 Fuß (4 267 Meter) sind. Die Disziplin, die er im steilen Gelände an den Tag legt, fordert er auch von seinen Mitarbeitern. Wer es morgens nicht pünktlich um neun ins Büro schafft, muss seinem Vorgesetzten Bescheid geben, auch wenn es sich nur um ein paar Minuten handelt. Eine Zeit lang waren Manager angehalten, sich auf Dienstreisen Hotelzimmer zu teilen oder über Nacht zu fliegen, um Kosten zu sparen. Davon hat Ergen jedoch wieder Abstand genommen. Nicht aber von seiner unbequemen Angewohnheit, seine Mitarbeiter für Samstagmorgen um sechs Uhr zum Meeting zu laden.

    Schon in den 80er-Jahren ging er bei Dish ungewöhnliche Wege. Die ersten Satellitenschüsseln verkaufte er aus seinem Kofferraum heraus. Später gelang es ihm gegen viele Widerstände, Satelliten ins All zu schießen. 2012 mischte er die Fernsehbranche mit einem neuen digitalen Videorekorder auf, der Werbung einfach ausblendete. Mehrere Sender klagten, Ergen wurde in der Presse zum „meistgehassten Mann in Hollywood“, doch am Ende setzte er sich durch. Mit Dish ist Ergen zum Milliardär und zum reichsten Mann in Colorado geworden, das US-Magazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf rund zwölf Milliarden Dollar.

    Wie er künftig im Mobilfunkgeschäft seinen Wettbewerbern Kunden abjagen will, dazu hält sich Ergen noch bedeckt. Über erste Gedankenspiele philosophierte er jedoch bereits im April, noch bevor klar war, dass er T-Mobile und Sprint Unternehmensteile abkaufen würde. So denkt er darüber nach, ein dynamisches Preismodell einzuführen. „Wer zu Stoßzeiten surft, der zahlt mehr als um fünf Uhr morgens“, erklärte Ergen, der 2017 den Posten des Vorstandschefs abgab, um sich als Verwaltungsratsvorsitzender ganz auf die Mobilfunkstrategie zu konzentrieren.

    Dass seine Strategie scheitert, sei nicht ausgeschlossen. Doch Ergen gibt den coolen Cowboy. „Ich bin seit 38 Jahren im Geschäft. Das ist nicht mein erstes Rodeo.“

    Mehr: Selbst wenn die Telekom-Tochter alle Hindernisse ausräumen kann, ist der Deal mit dem Justizministerium riskant. Denn T-Mobile muss dabei helfen, einen neuen Konkurrenten aufzubauen.

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