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Chinesischer Großkonzern Investor Finian Tan: Der Mann, der Baidu möglich machte

Tans Wagniskapital hat die Erfolgsgeschichte des Konzerns erst möglich gemacht. Der Fokus des Investors liegt heute immer noch im Digitalbereich.
02.05.2019 - 18:27 Uhr Kommentieren
Gespür für gute Investments. Quelle: Bloomberg
Finian Tan

Gespür für gute Investments.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Der Zeitpunkt, kurz bevor im Jahr 2000 die Internetblase platzte, war wahrlich kein guter für den Start einer Digitalfirma. Die Financiers hielten sich mit Wagniskapital zurück. Auch die damals noch unbekannte Internetsuchmaschine namens Baidu aus Peking suchte händeringend nach einem Geldgeber.

Venture-Capitalist Finian Tan war es, der an das Geschäftsmodell von Baidu glaubte. Der Mann aus Singapur verschaffte als Gründungspartner des Financiers Draper Fisher Jurvetson ePlanet aus dem Silicon Valley dem jungen Start-up Baidu 7,5 Millionen Dollar. Mit der Anschubfinanzierung wurde eine Erfolgsgeschichte möglich, wie sie selten zu finden ist. Schon beim Börsengang im August 2005 hatte sich der erste Kurs von „Chinas Google“ verfünffacht.

Investor Draper besaß beim Börsenstart 28,1 Prozent an der Suchmaschine und damit mehr als Baidu-Mitgründer und -Vorstandschef Robin Li mit 25,8 Prozent. Heute hat Baidu mehr als 300 Millionen Nutzer und ist rund 60 Milliarden Dollar wert. „Ohne Finians Entscheidung, in Baidu zu investieren und das Unternehmen zu unterstützen, hätte der Konzern nicht einen so großen Erfolg erreicht“, schwärmt Eric Xu, Mitgründer von Baidu, noch heute.

„Im Rückblick war es eine befremdliche Zeit“, erzählt der 57-jährige Tan heute über die Zeit vor dem großen Börsencrash im März 2000. Jedes Unternehmen mit Dotcom im Namen sei förmlich im Wert explodiert, meist ohne einen guten Grund. Viele Geschäftsmodelle sahen nie das Tageslicht.

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    Es war die Zeit, als China und das Internet rasant gewachsen seien, betont der Mann mit den lebhaften Augen, der heute mit Vickers Venture sein eigenes Wagniskapitalunternehmen führt. Tan gibt zu, dass er sich damals in vielem unsicher war. „Aber die zwei Sachen, die ich mit Sicherheit begriffen habe, waren das Wachstum des Internets und das Wachstum Chinas.“ Mit Baidu hatte er den richtigen Riecher.

    Für Multimillionär Tan ist Baidu „derzeit noch seine beste Investition“. Bei Vickers habe er jedoch Investitionen, die diese weitaus übertreffen könnten, wirbt er in eigener Sache. Die Kombination aus tiefem technischen Einblick und Geschäftssinn hat den Asiaten weit gebracht.

    Wagniskapitalgeber Vickers Venture Partners steht seit der Gründung im Jahr 2005 an Platz sieben der Venture-Fonds weltweit, die Jahr für Jahr eine hohe Rendite erzielt haben. Dies hat der Finanzdatenanbieter Preqin errechnet.

    Sprachtalent Tan, der auch Japanisch beherrscht, ist viel unterwegs, um Gelder für den neuen Fonds einzusammeln. Der soll 500 Millionen Dollar groß sein und im Sommer geschlossen werden. In Deutschland findet sich die größte Gruppe an Anlegern aus Europa.

    Gerade Pensionsfonds und Versicherungen lockt die Rendite der Vickers-Fonds. „Die Nettorendite des investierten Kapitals von Vickers liegt derzeit über alle Investments bei 30 Prozent“, sagt Tan. Am Ende könnten es bestenfalls sogar über 50 Prozent werden, glaubt er.

    Dass Vickers ein gefragter Investor ist, erklärt Shailesh Naik, Gründer von Matchmove, einem Fintech aus Singapur, so: „Es ist die Kombination von Marke, Netzwerk und Emotion, die Vickers von anderen Investoren unterscheidet.“ Und Herz der Firma ist eben der Mann mit dem ungewöhnlichen Vornamen Finian. Der getaufte Katholik und Hobby-Chorsänger, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, erhielt den Namen zu Ehren seiner Geburt am Sankt-Finian-Tag.

    Bei seinem künftigen Fonds setzt Tan auf Investments in die Megatrends Nanotech, Biotechnologie und Künstliche Intelligenz. Biotech bringt schon heute die höchsten Erträge im Vickers-Portfolio und erreicht einen Wert vom Zehnfachen des investierten Kapitals. Viel hängt dabei vom Erfolg von Samumed ab. Bei der in San Diego ansässigen Biotechfirma für regenerative Medizin ist Vickers vor sechs Jahren groß eingestiegen.

    Vickers’ größtes Investment wird von ihm mit zwölf Milliarden Dollar bewertet. Einen Börsengang von Samumed peilt Tan zwischen 2020 und 2022 an. Das Unternehmen hat für ihn das Zeug, seinen Erfolg bei Baidu in den Schatten zu stellen.

    Zwischenstopp als Staatssekretär

    Tan wäre nie so weit gekommen, wenn er nach Studium in England und Karriere in Japan nicht 1997 nach Singapur zurückgekehrt wäre. Im Rückblick bezeichnet der Menschenfreund seine Arbeit als stellvertretender Staatssekretär im Ministerium für Handel und Industrie in Singapur als „Augenöffner“. Erstmals holte die Regierung einen Mann aus der Wirtschaft.

    Teil seiner Aufgabe war es, Singapur in eine Art Silicon Valley für Asien zu verwandeln. Tan richtete einen Technologiefonds im Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar ein und beschleunigte die Entwicklung der Start-up-Szene durch Co-Investments. Von den damals aufgebauten Beziehungen profitiert Tan noch heute. Dass er dafür auf viel Einkommen verzichtete, ließ ihn kalt. Er wollte seiner Heimatstadt etwas zurückgeben.

    Multitalent Tan hat einen Doktortitel in Naturwissenschaften von der englischen Cambridge Universität, finanziert über ein Stipendium des Ölriesen Shell. Unter drei Kandidaten aus elf Commonwealth-Ländern wurde er ausgewählt – als Erster aus Singapur.

    Gleichzeitig stockte der angehende Ingenieur seine Finanzen durch ein zweites Stipendium auf, das das Christ College an die Besten des Jahrgangs vergab. Nebenbei führte Tan auch noch die Squash-Mannschaft des Colleges.

    Während seiner Zeit in Cambridge erlebte seine Familie in Singapur einen Bankrott. Finians Vater, der als Finanzchef eines Aktienhändlers arbeitete, wurde Opfer des so genannten Pan Electric-Debakels. Der Singapurer Konzern, der Produkte zur Meeresrettung herstellte, hatte sich mit Finanzinstrumenten verzockt. Sein Vater verlor alles Geld.

    Zum Glück hatte der Sohn das Shell-Stipendium. Als Tan Singapur verlassen hatte, wohnte die Familie in einem Bungalow. Als er zurückkam lebte sie in einer kleinen, öffentlichen Wohnung. „Wir hatten alles verloren“, betont Tan.

    In seiner frühen Karriere arbeitete Tan zunächst bei Shell Eastern Petroleum in Singapur und wurde später zum Chefhändler des Ölkonzerns in Japan. Danach arbeitete er drei Jahre bei der Investmentbank Goldman Sachs und stieg dort als Regionaldirektor der Tochter J. Aron und Co in der Region Asien, Pazifik auf. Tan nutzte seine Fähigkeiten im Finanzbereich und verknüpfte sie mit dem technischen Wissen, das er durch sein Ingenieurstudium erworben hatte.

    Wenn Tan über Asien redet, gerät der Mann, der heute in Los Angeles wohnt und sich zumindest teilweise als Amerikaner fühlt, ins Schwärmen. „Hier liegt die Zukunft der globalen Wirtschaft.“ Es wachse eine neue Mittelklasse heran, die das Wachstum beschleunige. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis China die USA als stärkste Wirtschaftsmacht überholen werde. Und vielleicht findet er im Reich der Mitte wieder eine Perle wie Baidu.

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