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Chinesischer Technologiekonzern Huawei Mate 40 Pro im Test: 1200 Euro für das Smartphone ohne Apps

Das neue Spitzenmodell von Huawei hat viel zu bieten, allerdings keinen Playstore. Kann die technische Leistung des Geräts die fehlenden Apps beim Mate 40 Pro kompensieren? Der Test.
23.10.2020 - 16:01 Uhr Kommentieren
Die mit der deutschen Firma Leica entwickelte Kamera zeichnet das Huawei-Smartphone aus. Quelle: Stephan Scheuer
Mate 40 Pro

Die mit der deutschen Firma Leica entwickelte Kamera zeichnet das Huawei-Smartphone aus.

(Foto: Stephan Scheuer)

Düsseldorf Huawei versteht es, sich in Szene zu setzen. Mit großem Aufgebot hat der chinesische Technologiekonzern unlängst sein neues Spitzen-Smartphone Mate 40 Pro vorgestellt. Das Gerät soll nun mit dem Verkaufsstart beweisen, dass es dem Unternehmen gelingt, trotz US-Sanktionen weiter hochwertige Geräte zu entwickeln.

Was als Erstes auffällt, ist der Preis. Mit 1199 Euro positioniert Huawei das Gerät am ganz oberen Ende der Skala. Nicht einmal der für seine hohen Preise bekannte US-Hersteller Apple verlangt für sein neues Vorzeigemodell iPhone 12 so viel. In der größten Speichervariante mit 256 Gigabyte ist das iPhone 12 in Deutschland für 1042,05 Euro zu haben. Immerhin hat die Firma die Corona-bedingte Mehrwertsteuersenkung auf den Cent genau an die Kunden weitergegeben.

Mit dem Preis unterstreicht Huawei den Anspruch, ein absolutes Spitzenmodell auf den Markt zu bringen. Das Mate 40 Pro wirkt gut verarbeitet. Im Gegensatz zu Apple haben die Chinesen auch nicht Kopfhörer und Ladegeräte gestrichen, sondern liefern sie zusammen mit dem Handy aus. Huawei legt zudem eine Schutzhülle bei.

Das Unternehmen wirbt zudem mit einem Alleinstellungsmerkmal: dem selbst entworfenen Hauptprozessor Kirin 9000, einem besonders kleinen Fünf-Nanometer-Chip, in dem ein 5G-Funkmodem gleich integriert ist. Bei Apple ist das Modem neben dem A14 Bionic Chip separat verbaut. Endnutzer merken davon jedoch nichts.

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    Bei der verbauten Kamera hingegen macht sich irgendwann auch die Prozessorleistung bemerkbar. Zusammen mit dem deutschen Spezialisten Leica hat Huawei ein System mit vier Linsen entwickelt, die kreisförmig auf der Rückseite des Smartphones angeordnet sind.

    Dank der verschiedenen Objektive sind sowohl Weitwinkel- als auch Zoom-Aufnahmen möglich. Die Linsen helfen in Kombination mit dem schnellen Prozessor dabei, auch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Fotos zu liefern.

    Kann Huawei mit der verbauten Hardware punkten, so macht die Software das Mate 40 nahezu unbrauchbar. Das von den Chinesen entwickelte Betriebssystem EMUI 11 baut zwar auf dem Google-System Android 10 auf. Aufgrund der US-Sanktionen muss das Gerät jedoch ohne Apps von Google auskommen. Das betrifft Anwendungen wie Youtube oder Maps sowie zahlreiche weitere Applikationen, die auf Dienste von Google zurückgreifen.

    Die Nachfrage im chinesischen Markt dürfte deutlich höher sein als in Europa. Quelle: AFP
    Schlange vor dem Flagshipstore in Schanghai

    Die Nachfrage im chinesischen Markt dürfte deutlich höher sein als in Europa.

    (Foto: AFP)

    Seit Monaten wirbt Huawei dafür, dass App-Entwickler Anwendungen auch für die eigene Umgebung bereitstellen. Mit der „App Gallery“ hat Huawei ein Pendant zum Google Playstore aufgebaut, die auch auf älteren Geräten des Konzerns installiert ist und aggressiv beworben wird. Dort fehlen jedoch etliche wichtige Anwendungen.

    Viele US-Tech-Konzerne meiden vor dem Hintergrund der Sanktionen die Plattform. „Noch nicht verfügbar“ steht bei zahlreichen Apps, die Huawei zwar in der „App Gallery“ anzeigt, die aber noch gar nicht für die Huawei-Umgebung bereitgestellt werden. Nutzer müssen ohne beliebte Messenger wie WhatsApp – aus dem Hause Facebook – auskommen. Die gerade jetzt wichtige Corona-Warn-App lässt sich nicht einsetzen, weil sie für die Kontaktverfolgung auf eine Google-Schnittstelle zurückgreift.

    Auf den neuen Huawei-Smartphones fehlen wichtige Apps wie WhatsApp, Youtube und auch das Handelsblatt. Quelle: Stephan Scheuer
    Huaweis App Gallery

    Auf den neuen Huawei-Smartphones fehlen wichtige Apps wie WhatsApp, Youtube und auch das Handelsblatt.

    (Foto: Stephan Scheuer)

    Damit stellt sich die zentrale Frage aus Käufersicht: Lohnt es sich, 1200 Euro für ein Smartphone auszugeben, auf dem ganz wichtige Anwendungen nicht verfügbar sind? Wohl kaum. Im Internet kursieren zwar Anleitungen, wie sich über Tricks doch noch die Google-Dienste auf dem Mate 40 Pro nachinstallieren lassen. Der Weg ist jedoch kaum für technische Laien geeignet. Am Ende dürfte es wohl für Huawei schwer werden, Kunden davon zu überzeugen, so viel Geld für das Gerät auszugeben.

    Das gilt zumindest für Regionen wie Europa oder Nordamerika. Auf dem Heimatmarkt China sieht es anders aus. Dort werden Google-Dienste ohnehin seit rund einem Jahrzehnt von der Regierung gezielt blockiert, ebenso Facebook oder Twitter.

    Chinesische Nutzer sind es gewohnt, ohne sie auszukommen. Dafür hat sich ein Kosmos an chinesischen Apps etabliert. Hier gibt es beim Einsatz des Mate 40 Pro kaum Beschränkungen. Analyst Jia Mo vom Marktforscher Canalys geht daher davon aus, dass die Nachfrage nach dem neuen Huawei-Gerät vor allem in China groß sein wird.

    Womöglich das vorerst letzte Top-Smartphone

    Mit dem Mate 40 Pro könnte es dem chinesischen Hersteller auch nicht in erster Linie um einen ökonomischen Erfolg gehen. Das Smartphone ist ein Lebenszeichen. Seit Monaten hatten Experten darüber spekuliert, ob es Huawei aufgrund der US-Sanktionen überhaupt gelingen kann, noch ein neues Smartphone-Modell zu präsentieren. Schließlich ist das chinesische Unternehmen von der Zulieferung wichtiger Komponenten ausgeschlossen.

    Schon bald könnten Huawei die Vorräte an Chips ausgehen. Das Mate 40 Pro könnte vorerst die letzte große Smartphone-Neuerscheinung gewesen sein. Sogar schon für das könnte es starke Beschränkungen geben. Möglicherweise gehe Huawei im Verkauf der Nachschub aus und nicht alle Kunden könnten eines der Geräte bekommen, vermutet Jia Mo.

    Die Huawei-Geschäftsführung räumt die Probleme ein. Der amtierende Chairman Guo Ping sagte vergangenen Monat: „Der Vorrat an Chips für unser Firmengeschäft reicht aus, aber wir suchen noch nach Wegen, um die Probleme bei Smartphones zu adressieren. Schließlich braucht Huawei Chips für Hunderte von Millionen Smartphones im Jahr.“

    Unterdessen versuchen Zulieferer, Ausnahmegenehmigungen von der US-Regierung zu bekommen, um weiter an Huawei liefern zu können. Dazu zählt zum Beispiel der taiwanische Produzent MediaTek. Die letzte Runde der US-Sanktionen gegen Huawei trat am 15. September in Kraft.

    Mehr: Smartphonemarke Vivo startet in Europa – und will Huawei angreifen.

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