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Chinesischer Technologiekonzern Netzausrüster Huawei sucht die Nähe zum eigenen Staat

Huawei macht eine Kehrtwende: Das umstrittene Unternehmen hatte lange öffentlich seine Distanz zu chinesischen Behörden betont. Das ist vorbei. Diplomaten gehen für die Firma in die Offensive.
22.06.2020 - 15:24 Uhr 2 Kommentare
Ein Arbeiter in Peking installiert einen Sendemast mit Huaweis 5G-Technik. Das Unternehmen steht in vielen Ländern unter Druck. Quelle: Getty Images
5G-Mast von Huawei

Ein Arbeiter in Peking installiert einen Sendemast mit Huaweis 5G-Technik. Das Unternehmen steht in vielen Ländern unter Druck.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Kaum ein Technologiekonzern der Welt steht seit Jahren so im Fokus der politischen Debatten wie Huawei aus China. Und kaum ein Unternehmen ist so umstritten. US-Präsident Donald Trump überzog Huawei mit harten Sanktionen. Sein Vorwurf: Der Netzausrüster aus Shenzhen sei zu eng mit der chinesischen Regierung verbunden.

Huawei hat das stets scharf zurückgewiesen. Immer wieder betonten Spitzenmanager des Konzerns die Unabhängigkeit von Peking. Gründer Ren Zhengfei sagte dem Handelsblatt im vergangenen Jahr: „Ich weiß nicht, was die chinesische Regierung denkt. Sie sagt mir nichts. Huawei ist ein Privatunternehmen.“ Maximale Distanz war das Leitmotiv.

Mittlerweile sieht sich Huawei in einer so schwierigen Situation, dass das Unternehmen auf Hilfe von Peking gegen US-Sanktionen setzt, erfuhr das Handelsblatt von mehreren Insidern. Innerhalb der eigenen Reihen habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur mit der Rückendeckung chinesischer Behörden massive Konsequenzen für das Geschäft von Huawei abgewendet werden können. Jüngste Aussagen von Chairman Eric Xu und die Reaktion des Außenministeriums von Anfang April spiegelten eine Neuorientierung wider, hieß es aus Firmenkreisen.

Xu hatte sich Ende März außerordentlich deutlich zu den verschärften Sanktionen der USA geäußert. „Ich denke, dass die chinesische Regierung nicht einfach zusehen wird, wie Huawei geschlachtet wird.“ Weiter führte er aus: „Ich gehe davon aus, dass die chinesische Regierung Gegenmaßnahmen ergreifen wird.“ Er stellte die Frage, ob die chinesische Regierung nicht auch Produkte von US-Technologiefirmen vom chinesischen Markt ausschließen könnte.

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    Wenig später griff keine Geringere als die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, Xus Worte auf. Ihr seien die „starken Aussagen“ von Chairman Xu aufgefallen. Mit seiner Frage habe er einen wichtigen Punkt angesprochen. „Wir werden nicht tatenlos bleiben.“

    Huawei kämpft ums Überleben. Das hat die Führung deutlich gemacht. In mehreren Runden haben die USA Beschränkungen gegen das Unternehmen verhängt. Es droht nun von wichtigen Zulieferketten abgeschnitten zu werden. In dem Konflikt hatte Huawei lange Zeit in den USA, in Europa und anderen Weltregionen darauf gepocht, als transparentes Privatunternehmen betrachtet zu werden, das zwar seinen Hauptsitz in China hat, jedoch keinen engen Draht zur chinesischen Regierung pflegt.

    Wichtiger Lieferant in Europa

    Offiziell spricht Huawei nicht von einem Strategieschwenk. Ein Sprecher bestätigte zwar die Aussagen von Chairman Xu und auch, dass sie direkt von Peking aufgegriffen wurden, er sagte jedoch: „Die Kontakte Huaweis zu chinesischen Behörden sind vergleichbar mit den Kontakten, die wir zu Behörden in anderen Ländern, in denen wir geschäftlich tätig sind, haben.“ Er betonte, Xu habe der Regierung keine besondere Bedeutung eingeräumt. „Die Intention seiner Ausführungen war, vor einem eskalierenden Handelskrieg zu warnen“, so der Sprecher. „Es gibt hier keine grundsätzlichen Veränderungen.“

    Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums kündigte an, Peking werde nicht tatenlos zusehen, wie die USA Huawei unter Druck setzten. Quelle: imago images/Kyodo News
    Hua Chunying

    Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums kündigte an, Peking werde nicht tatenlos zusehen, wie die USA Huawei unter Druck setzten.

    (Foto: imago images/Kyodo News)

    Der Marktzugang für Huawei ist ein politisches Streitthema geworden. In Europa ist es der Firma gelungen, während der vergangenen beiden Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Lieferanten für die Mobilfunknetzbetreiber aufzusteigen. In Deutschland steckt die Ausrüstung aus China in allen drei Netzen. Sowohl Deutsche Telekom als auch Voda‧fone und Telefónica haben rund die Hälfte ihrer Netze mit Huawei-Komponenten bestückt.

    Gleichzeitig erwägen etliche Staaten, darunter auch Deutschland, den Marktzugang für Huawei einzuschränken oder sogar ganz zu untersagen. Durch die Einführung des nächsten Mobilfunkstandards 5G soll die mobile Datenübertragung weltweit deutlich ausgeweitet werden. Gerade in Berlin wird um die Frage gerungen, ob Huawei Komponenten für die Ausrüstung der Netze liefern darf.

    Die Netzbetreiber sind bereits dabei, Tatsachen zu schaffen. Der Druck ist groß, Deutschland möglichst schnell mit 5G-Mobilfunk zu versorgen. Lange hatte sich die Telekom zurückgehalten und gesagt, sie wolle keine neuen Verträge für 5G-Ausrüstung abschließen, solange die Debatte in Berlin noch läuft.

    Vergangene Woche verabschiedete sich der Dax-Konzern von der selbstauferlegten Wartestellung. Telekom-CEO Timotheus Höttges sagte bei der Hauptversammlung, das Unternehmen setze bislang auf Huawei und Ericsson bei seiner Netzausrüstung. „Das wird auch für die Weiterentwicklung des 4G- und 5G-Netzes gelten“, sagte Höttges. Zuvor hatten bereits die Rivalen Vodafone und Telefónica angekündigt, beim Ausbau ihrer 5G-Netze in Deutschland auch Ausrüstung von Huawei zu verbauen.

    „Drohungen und Repressalien“

    Von Peking aus wird die Debatte in Berlin genau verfolgt. Auf dem Handelsblatt-Industriegipfel in Essen sagte der chinesische Botschafter in Deutschland, Ken Wu, schon im Dezember: „Wenn Deutschland am Ende eine Entscheidung treffen würde, die zum Ausschluss von Huawei auf dem deutschen Markt führt, dann muss mit Konsequenzen gerechnet werden. Die chinesische Regierung wird nicht tatenlos zuschauen.“

    Wu gab auch einen Hinweis darauf, wie eine chinesische Antwort aussehen könnte: „Im letzten Jahr wurden auf dem chinesischen Markt 28 Millionen Autos verkauft, davon sieben Millionen deutsche Autos.“ Peking könne auch sagen, dass deutsche Autos nicht sicher seien. In Berlin wurden die Aussagen als offene Drohung aufgefasst.

    Mit ähnlichen Drohungen fielen chinesische Diplomaten auch in Kanada und Dänemark auf. Das Zusammenwirken von Huawei und chinesischen Botschaften „überschreitet die Grenze zwischen Diplomatie und Aggression“, schreiben die Branchenanalysten von Strand Consult in einer Studie über die Kommunikationsstrategie von Huawei. Der Rückgriff auf „Drohungen und Repressalien“ zeige, wie außergewöhnlich eng Huaweis Beziehung zur chinesischen Regierung sei.

    Der meistdiskutierte Fall ist die Reaktion auf die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou, der Tochter des Firmengründers Ren Zhengei, in Kanada. Peking verhängte Handelsstrafen und sperrte zwei Kanadier ein. 18 Monate geschah nichts, vergangene Woche wurde Anklage erhoben – der Vorwurf: Spionage.

    Das neue Auftreten von Huawei steht im Einklang mit der veränderten diplomatischen Linie des Regimes. Die Losung „Verstecke deine Stärke“ des ehemaligen Parteichefs Deng Xiaoping hat als Leitmotiv für die Gestaltung der Außenpolitik offenbar ausgedient. „Wolfskrieger“ wird die neue Garde der Diplomaten genannt, die gerade in westlichen Gastländern öffentlich gegen Kritiker oder kritische Berichte wettern.

    Der Name geht auf die gleichnamige Serie chinesischer Actionfilme zurück. In dieser an die „Rambo-“Filmreihe erinnernden Serie wird gezeigt, wie die Volksrepublik im Alleingang gegen ausländische Mächte kämpft. Die Serie wird in sozialen Netzwerken in China als der Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins gefeiert. Einer ihrer Stars ist der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Zhao Lijian, der auf Twitter die Information streute, das Coronavirus könnte vom US-Militär stammen.

    Chinas aggressive Taktik

    Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping formuliert China immer deutlicher seine außenpolitischen Interessen. Anfangs konzentrierte sich Xi auf multilaterale Initiativen wie die Asiatische Infrastrukturinvestitionsbank (AIIB), bei der andere Staaten, darunter Deutschland, mitentscheiden können. Das ist bei Initiativen wie der „Neuen Seidenstraße“ kaum noch der Fall.

    Der Botschafter in Großbritannien, Liu Xiaoming, sagte: „Manche Menschen sagen, China habe heute viele ‚Wolfskrieger‘. Für mich hängt das damit zusammen, dass es viele Wölfe in der Welt gibt.“ Liu sagte: „Ich ermuntere meine Diplomaten quer durch alle Ränge, mit Eigeninitiative auf Kriege mit Wölfen zu reagieren – um die Würde und die Interessen des Landes zu verteidigen.“

    Ermuntert fühlt sich offenbar auch Huawei. „Im Laufe des vergangenen Jahres hat Huaweis PR-Maschine begonnen, die aggressiven Taktiken von Chinas ‚Wolfskrieger‘-Diplomaten nachzuahmen, indem sie Journalisten auf Twitter angriff und sogar Analysten verklagte, die auf Verbindungen zwischen dem Unternehmen und der chinesischen Regierung hinwiesen“, sagte Noah Barkin vom German Marshall Fund in Berlin.

    Barkin bezieht sich unter anderem auf eine Klage, die Huawei in Frankreich gegen Kritiker angestrebt hat, darunter die bekannte Forscherin Valerie Niquet von der Foundation for Strategic Research in Paris.

    Als sich das Coronavirus in Europa ausbreitete und in Ländern wie Italien das Gesundheitssystem überlastete, inszenierte sich die Volksrepublik als Retter in der Not. Chinesische Transportflugzeuge schwebten mit Hilfsgütern ein, die öffentlichkeitswirksam entladen wurden.

    Huawei tat es dem Regime gleich und arrangierte Lieferungen von Masken und Schutzhandschuhen nach Europa. Huawei – ein Tech-Konzern wie jeder andere auch? Diese Selbstdarstellung, von Huawei jahrelang gepflegt, könnte durch den eigenen Strategieschwenk unter Druck geraten.

    Mehr: Wie gefährlich ist Huawei? Einblicke in das Innenleben des umstrittenen Tech-Konzerns.

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    2 Kommentare zu "Chinesischer Technologiekonzern: Netzausrüster Huawei sucht die Nähe zum eigenen Staat"

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    • Ich weiß gar nicht wie wir Europäer es schaffen, morgens aufzustehen, so ganz ohne Rückgrat. Wir sind wirklich jämmerlich. Für kurzfristige Profite opfern wir alles, sogar unsere Prinzipien.

    • Die Telekom sollte ich überlegen, ob so ein Ausrüster nicht mehr schadet als er nützt. da das USA Geschäft immer wichtiger für die Telekom wird.

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