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Chiphersteller Infineon kassiert Prognose

Der Konzern erwartet, dass die Umsatzrendite im laufenden Geschäftsjahr schrumpft. Dennoch schlägt sich der Halbleiterhersteller in der Coronakrise wacker.
04.05.2020 Update: 04.05.2020 - 23:46 Uhr Kommentieren
Der Dax-Konzern Infineon kann seine Prognose nicht halten. Quelle: dpa
Halbleiterchip

Der Dax-Konzern Infineon kann seine Prognose nicht halten.

(Foto: dpa)

München
Deutschlands größter Chiphersteller zeigt sich erstaunlich krisenfest. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, werde der Umsatz organisch um rund fünf Prozent zurück gehen, teilte Infineon am späten Montagabend mit. Damit verfehlt Vorstandschef Reinhard Ploss zwar seine Prognose aus dem vergangenen Herbst deutlich. Damals hatte der Ingenieur ein Plus von fünf Prozent in Aussicht gestellt. Außerdem werde die operative Marge sinken. Der Grund dafür ist vor allem die geringere Auslastung der Werke.

Angesichts der weltweiten Wirtschaftsflaute schlägt sich der Dax-Konzern dennoch wacker. Von dramatischen Umsatz- und Ergebnisrückgängen, wie sie zuletzt andere große deutsche Firmen veröffentlichten, sind die Münchner weit entfernt. Auch im Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten steht die ehemalige Siemens-Sparte gut da.

Wenn alles so kommt wie das Ploss jetzt vorhersagt, wird Infineon sogar wachsen. Denn Mitte April hat der Manager den Konkurrenten Cypress übernommen. Neun Milliarden Euro hat Ploss für den Wettbewerber bezahlt. Die Amerikaner würden in diesem Geschäftsjahr wahrscheinlich 800 Millionen Euro Umsatz beisteuern, heißt es in der Mitteilung. Damit werde das kombinierte Unternehmen letztlich wohl auf Erlöse von 8,4 Milliarden Euro kommen. Das entspräche einem Plus von etwa fünf Prozent gegenüber dem vergangenen Geschäftsjahr.

Auch Infineon sei nicht immun gegen den massiven Rückgang der Weltwirtschaft, sagte Ploss. Der Konzern sei aber krisenerprobt. „Trotz aller Schwierigkeiten, etwa bei Lieferketten und in der Fertigung, konnten wir unseren Betrieb in den vergangenen Wochen weitgehend aufrechterhalten“, erklärte der Manager.

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    Infineon habe zudem frühzeitig Maßnahmen zur Kostensenkung eingeleitet. Denn vor allem im Geschäft mit der Autobranche sei mit starken Rückgängen in den nächsten Monaten zu rechnen. Die Sparte Power & Sensor Systems werde hingegen wachsen. Sie liefert unter anderem Chips für das boomende Server-Geschäft und Sensoren, wie sie etwa für die Sprachsteuerung genutzt werden.

    Infineon schneidet im Vergleich mit der Konkurrenz noch gut ab

    Im abgelaufenen zweiten Quartal des Geschäftsjahrs stagnierte der Umsatz bei rund 1,9 Milliarden Euro. Der Gewinn ist um knapp ein Viertel auf 178 Millionen Euro gesunken.
    Infineon schlägt sich damit im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern ordentlich. Denn der größte Rivale, NXP aus den Niederlanden, warnte vergangene Woche vor einem Umsatzeinbruch von rund einem Fünftel im laufenden Quartal auf etwa 1,8 Milliarden Dollar (1,65 Milliarden Euro).

    Zudem rechnet die ehemalige Philips-Tochter mit einem operativen Verlust von bis zu 237 Millionen Dollar (217 Millionen Euro). NXP erzielt fast die Hälfte vom Umsatz mit der Autobranche. Das Umfeld sei sehr herausfordernd und verändere sich schnell, sagte Vorstandschef Rick Clemmer. Infineon hingegen verspricht auch für das laufende Quartal einen Betriebsgewinn. Schon in den ersten drei Monaten des Jahres verzeichnete NXP ein Umsatzminus von rund drei Prozent auf etwa zwei Milliarden Dollar. Der Betriebsgewinn fiel auf 68 Millionen Dollar.

    Ein weiterer wichtiger Konkurrent, ST Microelectronics, ist jüngst zwar noch gewachsen, rechnet in Folge des coronavirusbedingten Nachfrageeinbruchs in der Autoindustrie aber mit einem Umsatzrückgang. Im zweiten Quartal werde ein Minus von rund zehn Prozent erwartet, teilte das Unternehmen mit. Im ersten Quartal kam Europas größter Chiphersteller wegen steigender Absätze auf ein Erlösplus von 7,5 Prozent. Das sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als Vorstandschef Jean-Marc Chery zu Beginn des Jahres in Aussicht gestellt hatte.

    Vor allem die Autoindustrie habe die Aufträge gekürzt, warnte Chery. Wegen der Auflagen der Behörden sei es zudem herausfordernd, die Fabriken am Laufen zu halten und auch die Lieferkette. Zwar seien alle Werke des italienisch-französischen Konzerns in Betrieb; zum Teil aber mit geringerer Kapazität, was zu Leerstandskosten führe.

    „Wir gehen von Wachstum im zweiten Halbjahr aus“, so Chery. Einerseits gebe es bereits Kundenzusagen, andererseits dürften die Schwierigkeiten in der Lieferkette dann wegfallen. ST will angesichts der Schwierigkeiten nun maximal 1,2 Milliarden Dollar investieren, das sind 300 Millionen weniger als zunächst geplant.

    Chips mit Industrieanwendungen können profitieren

    Die Chiphersteller sind nicht alle gleich stark von der Pandemie betroffen. Die Autochip-Produzenten werden den Marktforschern von Omida zufolge 2020 besonders leiden, weil der Fahrzeugabsatz stark sinkt. So gehen die Experten davon aus, dass der Umsatz mit Halbleitern für Autos um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück gehen wird. Infineon erzielt etwa 40 Prozent vom Umsatz mit der Autobranche.

    Das Geschäft mit Chips für Industrieanwendungen wird Omida zufolge hingegen um 2,5 Prozent zulegen. Vor allem die Medizintechnik sei ein wichtiger Kunde dieses Jahr. Davon wiederum profitiert auch Infineon.

    Insgesamt werde der Chipmarkt 2020 um 2,5 Prozent wachsen, so Omida. Das liege aber ausschließlich an Speicherchips, deren Preise sich nach einem gewaltigen Absturz in den vergangenen Jahren jetzt wieder erholen. Ohne diese Halbleiter würde der Markt um fünf Prozent schrumpfen. Das heißt: Infineon bewegt sich im Branchentrend.

    Allerdings sind sich die Experten uneins, wie es in den nächsten Monaten weiter geht. So sagen die Marktforscher von Gartner für 2020 ein Umsatzminus von nur knapp einem Prozent voraus. Die Halbleiter-Experten von McKinsey gehen demgegenüber davon aus, dass der globale Chipumsatz dieses Jahr zwischen 5 und 15 Prozent fallen wird. Sie sind also deutlich pessimistischer als alle anderen. Wie schlimm es wirklich werde, hänge davon ab, ob die Wirtschaft gegen Jahresende wieder anziehe oder nicht.

    Analysten sehen Infineon mit gemischten Gefühlen. Die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress sollte sich zwar auf Dauer ebenso positiv bemerkbar machen wie die langfristig guten Perspektiven mit Chips für die Auto- und Automatisierungsbranche, urteilte Sandeep Deshpande von JP Morgan vergangene Woche. Allerdings seien die kurzfristigen Risiken bei den Papieren nicht ausreichend eingepreist. So dürfte sich der Einbruch der Autoindustrie wegen der Coronakrise erst im zweiten Quartal so richtig in der Chipbranche bemerkbar machen. Am Montag gehörten die Papiere mit einem Minus von gut sieben Prozent zu den größten Verlierern im Dax.

    Mehr: Welche Chiphersteller von der Coronakrise profitieren – und welche leiden.

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