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Chiphersteller Infineon sucht neue Märkte in Fernost

China und Japan führt der Chipriese Infineon als separate Regionen. Dabei verspricht sich Konzernchef Ploss ganz woanders noch deutlich mehr Wachstum.
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Gerade erst hat Infineon zusammen mit LG einen sogenannten Hackathon in der Asienzentrale in Singapur veranstaltet. Quelle: Infineon
Infineon-Produktion in Singapur

Gerade erst hat Infineon zusammen mit LG einen sogenannten Hackathon in der Asienzentrale in Singapur veranstaltet.

(Foto: Infineon)

München Nirgendwo verkauft Infineon so viele Chips wie in China. Ein Viertel vom Umsatz stammt aus der Volksrepublik. Allein auf das riesige Reich verlassen will sich der Halbleiterhersteller in der Region indes nicht. Daher greift der Dax-Konzern jetzt verstärkt in anderen asiatischen Ländern an. Die Münchener wollen dabei auch Märkte erobern, die bislang nicht auf ihrer Agenda standen.

Beispiel Indien. „Das wird der nächste Wachstumsmarkt“, prophezeit Asienchef Chee Seong Chua. „Es geht dort nicht so schnell wie in China, aber das Land wird wichtiger.“ Einerseits versuche Infineon, im Gefolge großer, globaler Kunden in Indien Fuß zu fassen. Andererseits wolle das Unternehmen lokale Abnehmer finden.

Um sich vor Ort einen Namen zu machen, kooperiere Infineon zudem inzwischen mit Universitäten sowie Start-up-Zentren. Von einer kleinen Basis aus wachse der Umsatz in Indien seit einigen Jahren schon zweistellig, betont Chua. Konkrete Zahlen nennt der Manager aber nicht.

Auf den Philippinen, in Thailand und Vietnam ist der Chipproduzent inzwischen mit eigenen Büros vertreten. In Malaysia und Indonesien unterhalten die Bayern sogar mehrere große Werke.

Infineon hat sein Geschäft in Fernost aufgeteilt. China und das benachbarte Taiwan werden aufgrund der überragenden Bedeutung als eigene Region von Schanghai aus geführt. Auch das Management in Japan berichtet direkt an den Vorstand in München. Japan steht für sieben Prozent des Konzernumsatzes. Für alle anderen asiatischen Länder sowie für Australien und Neuseeland ist Chua von Singapur aus zuständig.

Und Chua hat einiges aufzuholen: Im vergangenen Geschäftsjahr, es endete am 30. September, ist das Geschäft in der Region nur um fünf Prozent gewachsen, auf gut 1,1 Milliarden Euro. Das entspricht 15 Prozent des Konzernumsatzes. Damit ging es lange nicht so dynamisch aufwärts wie in China, wo die Erlöse um elf Prozent kletterten. Und das, obwohl Infineon in der Volksrepublik fast doppelt so viel Umsatz erwirtschaftete wie in den anderen asiatischen Ländern zusammen. Konzernweit verzeichnete Infineon ein Umsatzplus von acht Prozent.

Der mit Abstand wichtigste asiatische Markt abseits von China und Japan ist für Infineon Südkorea. Dort beliefert der Technologiekonzern Großkunden wie LG, Samsung und Hyundai. Gezielt geht Chua auch in der Zusammenarbeit mit den riesigen koreanischen Konglomeraten neue Wege, um das Geschäft auszubauen.

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Gerade erst hat Infineon zusammen mit LG einen sogenannten Hackathon in der Asienzentrale in Singapur veranstaltet. Die Partner stellten Start-ups aus ganz Asien Hard- und Software zur Verfügung, um neue Anwendungen fürs Internet der Dinge zu entwickeln.

Manager Chua hofft, so künftig neben den Konzernen auch mit aufstrebenden kleineren Firmen ins Geschäft zu kommen. So will er in Südkorea in Zukunft mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz (knapp 900 Millionen Euro) erzielen. Wie viel es heute ist, lässt der Manager offen.

Elektro-Rikschas als Wachstumstreiber

Vorstandschef Reinhard Ploss setzt große Hoffnungen in die Region. Vietnam würde allein schon deshalb an Gewicht gewinnen, weil sich gerade viele ausländische Konzerne dort ansiedeln, glaubt der Konzernherr. Wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China lassen immer mehr Marken ihre Waren in Vietnam fertigen statt in der Volksrepublik.

Damit nicht genug: „Indonesien wird sehr relevant für uns“, betont der Manager. In dem Inselstaat lebten 250 Millionen Menschen, das würde über kurz oder lang für eine gewaltige Nachfrage sorgen. Auch in Indien werde sich das Geschäft beschleunigen. „Ich gehe davon aus, dass mehr aus Indien kommt als bisher“, so Ploss.

Ploss braucht solche Impulse, denn er hat seinen Investoren kräftiges Wachstum versprochen. Jahr für Jahr sollen die Erlöse um mehr als neun Prozent steigen. Damit würde der Konzern wesentlich stärker zulegen als die Chipindustrie insgesamt. Denn die Hersteller müssen sich auf magere Zeiten einstellen.

„Das Geschäft wird sich in den nächsten Jahren abschwächen“, warnte jüngst Ulrich Schäfer vom Branchenverband ZVEI. In den vergangenen fünf Jahren seien die Umsätze weltweit jedes Jahr im Schnitt um knapp neun Prozent gewachsen. Für die Zeit bis 2023 rechnet der Marktexperte lediglich mit einem jährlichen Plus von nicht einmal drei Prozent.

Ganz bitter wird es dieses Jahr. Die Industrievereinigung WSTS prognostiziert einen Umsatzeinbruch von gut zwölf Prozent. Besonders stark betroffen sind die Speicherchips mit einem Minus von knapp einem Drittel – ein Bereich, in dem Infineon schon lange nicht mehr tätig ist. Gleichwohl, auch alle anderen Segmente der Branche müssten Einbußen hinnehmen, so die Marktbeobachter.

Wie sich in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften trotzdem höhere Umsätze erzielen lassen, zeigt das Start-up Shado. Infineon fördert das junge Unternehmen aus Singapur, das noch diesen Sommer damit beginnen will, Elektro-Rikschas für Indien zu bauen. „In Indien sind heute mehr Dreiräder unterwegs als Autos in China“, erläutert Justin Sim, der das Geschäft von Shado führt. Um die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen, forciere die Regierung den Umstieg auf strombetriebene Fahrzeuge.

Chiphersteller Infineon liefert für solche Fahrzeuge Halbleiter für die Stromversorgung und sieht in dem Markt enormes Wachstumspotenzial. Quelle: Bloomberg
Elektro-Rikscha in Neu Delhi

Chiphersteller Infineon liefert für solche Fahrzeuge Halbleiter für die Stromversorgung und sieht in dem Markt enormes Wachstumspotenzial.

(Foto: Bloomberg)

Infineon liefert Shado Halbleiter für die Stromversorgung. „Darin haben die viel Erfahrung“, sagt Sim. Die Elektrorikschas sollen sich in fünf Minuten so weit laden lassen, dass sie 70 Kilometer schaffen. Mit 150 Exemplaren im Monat will der Gründer im August beginnen, in zwei Jahren sollen es dann schon tausend Stück sein. Wenn Shado Nachahmer findet und andere Produzenten in den Markt einsteigen, könnte das für Infineon eines Tages ein großes, einträgliches Geschäft werden. Wer weiß, womöglich wird dann auch Indien einmal zur eigenen Region.

Mehr: Wachstum nicht nur in Asien. Mit dem Kauf des US-Wettbewerbers Cypress will Infineon zum führenden Hersteller von Autochips aufsteigen.

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