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Chiphersteller Mit der Cypress-Übernahme will Infineon zum führenden Hersteller von Autochips aufsteigen

Vorstandschef Ploss verteidigt den milliardenschweren Kauf des Konkurrenten Cypress. Die Produkte selbst zu entwickeln hätte zu viel Zeit gekostet.
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Der Infineon-Chef wurde vom Absturz des Aktienkurses überrascht. Quelle: Infineon
Reinhard Ploss

Der Infineon-Chef wurde vom Absturz des Aktienkurses überrascht.

(Foto: Infineon)

München Infineon setzt zum Zeitsprung an. Durch den Kauf des US-Wettbewerbers Cypress werde Deutschlands größter Chipkonzern zwischen drei und fünf Jahre Entwicklungsarbeit sparen, sagte Vorstandschef Reinhard Ploss einem kleinen Kreis von Journalisten. Es war das erste Mal, seit er die Übernahme Anfang Juni verkündete, dass sich der Konzernlenker dazu äußerte.

Ploss steht unter Druck, die neun Milliarden Euro schwere Akquisition zu rechtfertigen. Viele Investoren sind noch immer entsetzt, zahlreiche Analysten bleiben skeptisch, der Kurs ist tief gefallen. Viel zu teuer erscheint dem Kapitalmarkt der Deal. Der 63-Jährige hält indes unverdrossen daran fest: „Wir verantworten die Zukunft der Firma. Da muss man auch mal einen Schritt tun, der Gegenwind hervorruft.“

Mit dem Kauf der kalifornischen Firma will Infineon zum führenden Hersteller von Autochips aufsteigen. Sie gelten wegen des autonomen und elektrischen Fahrens als eines der wachstumsstärksten Felder. Insgesamt werde das Unternehmen durch die Transaktion Nummer acht der Halbleiterhersteller weltweit.

Das Management habe schon vor längerer Zeit erkannt, dass sich Infineon verstärken müsse, betonte Ploss. Mit Cypress bekomme Infineon wichtige Kommunikationschips für die vernetzte Welt, nicht zuletzt für die Industrie 4.0. Diese selbst zu entwickeln wäre sehr kostspielig und zeitaufwendig gewesen, so Ploss.

Zudem erhielten die Münchener sogenannte Mikrocontroller. Dies sind die Gehirne vieler Anwendungen, von der Autoelektronik über Roboter bis zu Waschmaschinen. Auch auf diesem Feld hätte es lange gedauert, aus eigener Kraft konkurrenzfähig zu werden.

Damit will Ploss dem erklärten Ziel näherkommen, ganze Systeme statt nur einzelne Produkte anzubieten. Cypress sei die einmalige Gelegenheit, dieses Wissen schnell zu erlangen, erläuterte Ploss. Infineon ist dabei der allgemeine Kursverfall der Halbleiterwerte in den vergangenen Monaten zugute gekommen. Weil US-Bieter für Cypress zumindest einen Teil des Preises in eigenen Aktien begleichen wollten, konnten sie nicht so viel auf den Tisch legen wie der Dax-Konzern. Infineon zahlt in Cash, da die eigenen Aktien nicht in den USA gehandelt werden.

Vergangene Woche hat Ploss sich bereits 1,5 Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung besorgt. Das Interesse der Fonds und Pensionskassen, an die sich die Offerte richtete, sei deutlich größer gewesen als das Angebot, berichtete Ploss. Um die Großanleger anzulocken, verkaufte er die Aktien ein wenig günstiger als zum aktuellen Kurs.

Erste Gespräche bereits im Sommer 2018

Schon im vergangenen Sommer habe er mit dem Cypress-Management über eine Übernahme gesprochen, so Ploss. Damals sei der Konzern aus dem Silicon Valley zu teuer gewesen. Marktbeobachter rechneten zu jenem Zeitpunkt mit einem robusten Wachstum der Branche. Dieses Frühjahr schließlich trat ein Konkurrent an Cypress heran, und es entwickelte sich ein Bieterwettbewerb.

Das jedoch mitten in der Flaute, denn inzwischen gehen Experten davon aus, dass die Chipindustrie dieses Jahr schrumpft. Viele Alternativen zu Cypress habe er nicht gehabt, so Ploss: „Es gibt wenig geeignete Objekte.“

Als Ploss die Transaktion Anfang Juni ankündigte, da stürzte der Aktienkurs um rund neun Prozent auf 14,60 Euro, den niedrigsten Wert seit Ende 2016. „Wir hatten eine Reaktion erwartet, aber nicht so heftig“, gestand Ploss. Obwohl sich der Konzernherr seither mit zahlreichen Investoren getroffen hat: Die Papiere haben sich nicht erholt.

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Die Investoren ärgert, dass Infineon einen Aufschlag von knapp der Hälfte auf den durchschnittlichen Cypress-Aktienkurs vor Ankündigung des Kaufs zahlen will. Die Prämie sei nicht außergewöhnlich, aber durchaus hoch, sagte ein an der Übernahme beteiligte Banker.

Es sei schwer, die Anleger von den Wachstumschancen zu überzeugen, berichtete Ploss: „Die Investoren mögen Kostenpotenziale, die man sicher heben kann.“ Einsparmöglichkeiten gebe es bei Cypress aber kaum, weil sich die Firmen geradezu ideal ergänzten. Lediglich in der Verwaltung ließe sich sparen. 180 Millionen Euro im Jahr will Infineon ab 2022 weniger ausgeben.

Dem stünde eine Milliarde Euro Umsatz gegenüber, die der Konzern zusätzlich pro Jahr ab 2025 erwirtschaften werde. Drei Jahre später sollen es 1,5 Milliarden sein. Infineon verspricht unmittelbar nach dem Kauf eine höhere Marge von 19 Prozent. Bislang peilte Ploss 17 Prozent an. Der Umsatz solle künftig pro Jahr zudem um über neun Prozent klettern, etwas mehr als bisher geplant.

Der geplante Zukauf erscheine auf den ersten Blick sinnvoll und gewinnsteigernd, so Barclays-Analyst Andrew Gardiner. Dennoch hat der Banker das Kursziel für Infineon wegen der geplanten Übernahme jüngst von 17,00 auf 15,50 Euro gesenkt und die Einstufung auf „untergewichten“ belassen. Die mit dem Deal einhergehenden Risiken sowie die hohe Bewertung von Cypress ließen kein besseres Anlagevotum zu.

Grund zum Feiern im nächsten Jahr

Andere Analysten sind weniger skeptisch. Der Chipkonzern sei der beste Wert, mit dem Anleger an der elektrischen Revolution bei Autoantrieben partizipieren können, schrieb Analyst Mark Li vom US-Analysehaus Bernstein vergangene Woche. Die konjunkturelle Situation, der Handelskrieg und die bevorstehende Übernahme von Cypress eröffneten Anlegern einen hervorragenden Einstiegspunkt. Der Banker geht davon aus, dass der Kurs binnen Jahresfrist um mehr als ein Drittel steigen wird.

Anfang kommenden Jahres will Infineon die Transaktion abschließen. Ploss geht davon aus, dass die Behörden die Übernahme erlauben. Es gebe keinerlei sicherheitsrelevanten Bereiche bei Cypress: „Eigentlich sind da keine Hürden.“ Zwei Gremien sind entscheidend: das Committee on Foreign Investment in the United States sowie die State Administration for Market Regulation in China.

Die Amerikaner haben vor drei Jahren den Kauf des US-Chipherstellers Wolfspeed durch Infineon verboten. China vereitelte vergangenes Jahr die Übernahme des niederländischen Infineon-Konkurrenten NXP durch den US-Anbieter Qualcomm.

Geht der Deal tatsächlich zu Jahresbeginn 2020 durch, wäre das ein schöner Zeitpunkt, um zu feiern. Genau 20 Jahre zuvor, am 13. März 2000, ist die ehemalige Siemens-Sparte an die Börse gegangen.

Mehr: Der Ingenieur ist Infineon sein ganzes Arbeitsleben treu geblieben. Zum Ende seiner Karriere will es sich der Chef noch mal beweisen.

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