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Chiphersteller Warum Infineon an der Börse davonzieht

Die Geschäfte des Dax-Konzerns laufen eher durchwachsen. Trotzdem steigt der Aktienkurs seit Monaten. Das sind die Gründe für den Höhenflug.
25.12.2019 - 11:54 Uhr 1 Kommentar
Der Chiphersteller hat sich erfolgreich auf Nischen konzentriert. Quelle: Reuters
Infineon-Chef Reinhard Ploss

Der Chiphersteller hat sich erfolgreich auf Nischen konzentriert.

(Foto: Reuters)

München Es geht aufwärts bei Deutschlands größtem Chiphersteller – zumindest an der Börse. Das Geschäft von Infineon läuft zwar momentan eher durchwachsen. Die Investoren beurteilen die Aussichten allerdings ausgesprochen positiv. So ist der Aktienkurs seit Juni um knapp die Hälfte in die Höhe geschossen.

Für die Chipindustrie war 2019 ein schwarzes Jahr. Der Branchenverband ZVEI schätzt, dass der Umsatz weltweit um zwölf Prozent auf 413 Milliarden Dollar eingebrochen ist. Auch Infineon hatte zu kämpfen. Vorstandschef Reinhard Ploss musste in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr zweimal seine Prognose zurücknehmen. „Geopolitische Spannungen und anhaltende Handelskonflikte“ seien daran schuld, erklärte der Manager.

Da wäre es nicht weiter überraschend, wenn der Kurs unter Druck stünde. Das Gegenteil ist der Fall: Seit Frühsommer befinden sich die Aktien auf Höhenflug. Um mehr als 40 Prozent ging es seit dem Jahrestiefstand aufwärts.

Zu Jahresbeginn habe er nicht an eine starke Entwicklung bei Halbleiterwerten in diesem Jahr geglaubt, urteilte jüngst Analyst Mark Li von Bernstein Research. Nun hätten sich die Papiere überraschend gut entwickelt.

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    Der Aufschwung hat mehrere Gründe. In den vergangenen Wochen hat Infineon von den Zeichen der Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China profitiert. Infineon leidet, wenn die chinesische Wirtschaft lahmt. Denn ein Viertel vom Umsatz erzielen die Bayern in der Volksrepublik.

    Im dritten Quartal ist das Wirtschaftswachstum in dem Land auf sechs Prozent gefallen – der niedrigste Wert seit fast drei Jahrzehnten. Das lag nicht zuletzt am Streit zwischen Washington und Peking.

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    Daher honorieren die Anleger, dass sich beide Seiten annähern. Gerade hat China angekündigt, Zölle für 850 Produkte im Wert von einigen Hundert Milliarden Euro zu senken. Davon sollen auch Halbleiter betroffen sein. Zudem versprach die Regierung, die Märkte für private Firmen in den Bereichen Öl, Telekommunikation und Strom zu öffnen. Das könnte die Wirtschaft beleben und damit Infineon zugutekommen.

    Damit nicht genug: Infineon hat sich erfolgreich auf Nischen konzentriert, insbesondere auf Chips zur Stromversorgung, sogenannte Leistungshalbleiter. Das scheinen die Investoren zunehmend zu goutieren. Durch den Fokus auf wachstumsstarke Segmente gelang es Ploss zuletzt, sich dem Abschwung der Branche teilweise zu entziehen. Im jüngsten Geschäftsjahr ist der Umsatz nicht so stark wie geplant, aber immerhin um sechs Prozent geklettert.

    Aussichten werden besser

    So wie der Kurs von Infineon, so befinden sich auch die Aktien der wichtigsten Konkurrenten im Aufwärtstrend. Die Papiere von NXP gewannen sei dem Frühsommer mehr als 40 Prozent. Die Niederländer sind einer der schärfsten Wettbewerber bei Autochips und Sicherheitsanwendungen. Der Kurs der französisch-italienischen ST Microelectronics hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt.

    Das ist kein Zufall. Die Anleger wetten darauf, dass die Branche das Schlimmste hinter sich hat. Der ZVEI rechnet damit, dass die Erlöse kommendes Jahr weltweit um vier Prozent auf 429 Milliarden Dollar steigen. Der Grund: Der neue Mobilfunkstandard 5G setzt sich durch, die Netze werden ausgebaut, die Verbraucher legen sich moderne Smartphones zu.

    Zudem dürfte die Nachfrage nach Elektroautos steigen. Darin stecken wesentlich mehr Halbleiter als in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Das hilft Infineon. Der Konzern erzielt gut 40 Prozent des Umsatzes mit Autoherstellern.

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    Wenn Vorstandschef Ploss mit seiner Prognose richtigliegt, dürfte der Dax-Konzern sich erneut besser entwickeln als der Rest der Industrie. Der Manager verspricht ein Umsatzplus von rund fünf Prozent im laufenden Geschäftsjahr. „Die langfristigen Treiber für das Geschäft sind intakt“, betonte der Manager jüngst.

    Für Wachstum könnte zudem eine gewaltige Übernahme sorgen. Infineon will für neun Milliarden Euro den amerikanischen Rivalen Cypress schlucken. Noch haben die US-Behörden den Deal aber nicht genehmigt.

    Und langsam wird es knapp: Spätestens Anfang 2020 wolle er die Transaktion abschließen, sagte Reinhard Ploss. Die Investoren sehen das noch gelassen. Zu Wochenbeginn lag der Kurs bei gut 20 Euro. Das ist rund ein Fünftel mehr als zu Jahresbeginn.

    Mehr: Der Vorstandschef des Halbleiterproduzenten investiert kräftig, obwohl seine Werke nicht ausgelastet sind. Das ist sehr riskant, kommentiert Handelsblatt-Autor Joachim Hofer.

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    1 Kommentar zu "Chiphersteller: Warum Infineon an der Börse davonzieht"

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    • Mit dem Chip beginnt die Autonomie und damit die Sicherheit in der Digitalisierung der Industrie und Wirtschaft in Europa. Wir brauchen dringend mehr davon, wenn wir zukünftig im globalen Machtspiel der Kommunikationsriesen als vereintes Europa überhaupt eine Rolle spielen wollen. Letzteres geht nur über Energie- und Kommunikations-Autonomie. Infineon kann und sollte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Denn Abhängigkeit von CISCO oder HUAWEI ist genauso fatal wie die von Russischem Gas und Öl oder chinesischem Strom!

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