Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Chuck Robbins Cisco-Chef setzt auf bessere Chipversorgung erst im kommenden Jahr

Der weltgrößte Netzwerkausrüster muss seine Kunden wegen des Halbleitermangels lange vertrösten. Dabei erwartet CEO Robbins Investitionen in Wifi und 5G-Netze.
19.07.2021 - 18:56 Uhr Kommentieren
Für den Cisco-CEO ist der Trend zu mehr Heimarbeit in zweischneidiges Schwert. Quelle: Bloomberg
Chuck Robbins

Für den Cisco-CEO ist der Trend zu mehr Heimarbeit in zweischneidiges Schwert.

(Foto: Bloomberg)

San Francisco Cisco-Chef Chuck Robbins erwartet, dass der globale Chipmangel frühestens in einem halben Jahr abzuklingen beginnt: „Wir hoffen, dass es ab Anfang 2022 beginnt, besser zu werden“, sagt der Chef des weltgrößten Netzwerkausrüsters dem Handelsblatt. „Die Lieferzeiten, die wir unseren Kunden gerade nennen müssen, sind deutlich länger als normal.“

Cisco entwickelt die Router und Schalter, die für den Betrieb von Netzwerken notwendig sind. Daher ist das Unternehmen aus dem Silicon Valley ein großer Konsument von Halbleitern. Als Robbins Ende vergangener Woche mit dem Handelsblatt spricht, ist er gerade auf Europa-Besuch. In Berlin und Bonn hat der Topmanager deutsche Behördenchefs, Bahn-Chef Richard Lutz und Manager seines Bonner Großkunden, der Deutschen Telekom, getroffen.

Trotz Chipmangels erwartet Robbins aber, dass der Ausbau von 5G-Netzen in den nächsten Monaten in Gang kommen wird. Allerdings werde der Ausbau bei privaten Netzwerken, etwa zur Maschinenvernetzung in Automobilwerken, deutlich schneller gehen als der öffentlicher Mobilfunknetze. „In Wahrheit gibt es bislang kaum Anwendungen für 5G auf privaten Mobilgeräten. Alles, was wir üblicherweise damit tun, klappt auch mit 4G“, ist Robbins überzeugt.

Das werde sich ändern, aber bislang wisse noch niemand, wodurch: „Als 4G ausgebaut wurde, hatte es auch keine Killer-Anwendung. Dann kam das Smartphone“, sagt der 55-Jährige, der Cisco seit 2015 führt. In der Industrie seien die Anwendungen dagegen heute schon klar. In Italien hat Robbins etwa Gespräche zur Vernetzung von Maschinen in der Landwirtschaft geführt.

Die Coronakrise habe Entscheidern in Regierungen und Unternehmen endgültig den Sinn der digitalen Transformation klargemacht, sagt Robbins. Europäische Regierungen gingen das Thema aus seiner Sicht aggressiver an als in anderen Teilen der Welt – das zeige etwa das Thema des digitalen Impfnachweises. In den USA etwa wird die Corona-Impfung mit einer Papierkarte quittiert.

Zwangsdigitalisierung im Eiltempo

Allerdings hat die Pandemie viele Unternehmen auch im Eiltempo zwangsdigitalisiert. Ihre Kultur muss sich an das Nebeneinander von Homeoffice und langsamer Rückkehr ins Büro erst anpassen. Eine Umfrage in seinem eigenen Unternehmen hat ergeben, dass nur 23 Prozent der Mitarbeiter nach der Pandemie wieder dauerhaft drei oder mehr Tage ins Büro kommen wollen.

Cisco sitzt in San Jose, am südlichen Ende des für seine Staus berüchtigten Silicon Valleys. „Bis 98 Prozent der Meetings werden künftig hybrid sein. Irgendein Teilnehmer wird sich fast immer zuschalten“, sagt Robbins.

Der Cisco-Chef hat auf seinem Deutschlandbesuch auch mit DGB-Chef Reiner Hoffmann und Arbeitgeberchef Steffen Kampeter über die Auswirkungen hybrider Arbeit gesprochen. „Es ist faszinierend, dass sich in Deutschland zwei Vertreter so verschiedener Organisationen zusammensetzen und versuchen, eine gemeinsame Vision zu entwickeln“, sagt der US-Manager.

Für Cisco ist der Trend zur hybriden Arbeit ein zweischneidiges Schwert: Als Betreiber der Konferenz-Software Webex profitiert das Unternehmen mit jährlich 50 Milliarden Dollar Umsatz. Als Ausstatter großer Bürokomplexe mit Telefonanlagen und Wifi-Routern könnte es leiden, wenn Büroflächen schrumpfen.

Hochauflösendes Video für Konferenzräume

Kurzfristig erwartet Robbins aber einen Investitionsschub: Damit Mitarbeiter aus der Entfernung genauso gut an Konferenzen teilnehmen können, müsse jeder Konferenzraum verlässlich hochauflösendes Video bieten. „Dazu müssen viele Kunden auf Wifi 6 upgraden“, sagt Robbins. Die Kameras sollen auch erkennen, ob ein Konferenzraum gereinigt wurde oder ob er überfüllt ist, und gegebenenfalls eine Umbuchung vorschlagen.

Auch an Heimarbeitsplätzen kann Ciscos Software Internetprobleme erkennen, um Reibung in der Zusammenarbeit zwischen Kollegen in Büro und Homeoffice zu reduzieren. Ein Problem mit dem Heim-Wifi sei nun auch ein Unternehmensproblem. „Ein Unternehmen muss jeden mobilen Mitarbeiter künftig als Mini-Filiale sehen und entsprechend ausstatten“, sagt er.

Für Cisco bedeute das eher mehr als weniger Geschäft: „Es kann sein, dass etwas Geschäft wegbricht, wenn es weniger Büroarbeitsplätze gibt“, sagt Robbins. „Aber das wird durch die nötigen Investitionen mehr als kompensiert.“

Cisco steckt selbst in der Transformation

Solche Impulse kann Cisco auch gut gebrauchen. Der Umsatz des Internet-Dinosauriers stagniert seit Jahren bei etwa 50 Milliarden Dollar. Als Errichter des Internets war Cisco um die Jahrtausendwende einst das wertvollste Unternehmen der Welt, heute steckt es selbst in der Transformation.

Schon Robbins‘ Vorgänger John Chambers versuchte, Cisco mit Übernahmen wie Webex stärker zum Softwarekonzern umzubauen. Eine von Robbins‘ größten Übernahmen war 2019 der Chipdesigner Acacia für knapp drei Milliarden Dollar, der Halbleiter für schnelle Internetleitungen entwickelt.

Eigene Chips stelle aber auch Acacia nicht her. Wie viele in der Branche vergibt die Cisco-Tochter ihre Produktion an externe Hersteller. So ist Robbins wie so viele CEOs auf eine Entspannung auf dem Chipmarkt angewiesen. „Im ersten Halbjahr 2022 wird es besser“, sagt er.

Mehr: Brutale Ehrlichkeit, hybrides Arbeiten, fürsorgliche Führung: Welche Managementregeln nach der Pandemie gelten

Startseite
Mehr zu: Chuck Robbins - Cisco-Chef setzt auf bessere Chipversorgung erst im kommenden Jahr
0 Kommentare zu "Chuck Robbins: Cisco-Chef setzt auf bessere Chipversorgung erst im kommenden Jahr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%