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Cloud-Computing Databricks: Was das Start-up von Ali Ghodsi zu einem der weltweit wertvollsten macht

Databricks hilft Unternehmen, Daten in der Cloud zu analysieren. Mit 28 Milliarden Dollar Bewertung ist es einer der heißesten Börsenkandidaten des Jahres.
30.03.2021 - 20:43 Uhr Kommentieren
Der 41-Jährige ist als Unternehmer zwar Berufsoptimist, denkt aber auch in Worst-Case-Szenarien. Quelle: © 2019 Bloomberg Finance LP
Ali Ghodsi

Der 41-Jährige ist als Unternehmer zwar Berufsoptimist, denkt aber auch in Worst-Case-Szenarien.

(Foto: © 2019 Bloomberg Finance LP)

San Francisco Wenn Ali Ghodsi über sein Start-up Databricks spricht, verweist er erst einmal auf den Fahrdienstleister Uber: „Maschinelles Lernen entscheidet dort schon vor einer Fahrt, wie lange sie dauern und wie viel sie kosten wird. Wie stark der Preis steigt, wenn viele gleichzeitig ein Taxi bestellen. Oder welches Essen wem auf Uber Eats empfohlen wird“, zählt Ghodsi die Anwendungsfälle auf.

Jede Entscheidung, jedes Produktdetail sei von Datenanalyse durchdrungen. Uber, aber auch Airbnb oder Google seien „Unternehmen, die Daten unheimlich strategisch einsetzen“.

Mit Databricks will Ghodsi traditionellen Unternehmen helfen, sich zu solchen Datenkonzernen zu entwickeln und „in ihre Zukunft zu schauen“, wie es der gebürtige Iraner nennt, der in Schweden aufwuchs und nun in San Francisco ein mit 28 Milliarden Dollar bewertetes Start-up führt. Unter anderem haben die drei großen Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Google in Databricks investiert.

Viele Unternehmen speichern und analysieren die ständig wachsende Menge an Kundendaten in öffentlich betriebenen Datenzentren. Neben den Cloud-Konzernen wie der Amazon-Tochter AWS oder Microsoft profitieren spezialisierte Softwareanbieter wie Snowflake oder C3.ai, die beide 2020 erfolgreich an die Börse gingen, vom Trend zum Cloud-Computing. Oder eben Ghodsis Databricks, das in diesem Jahr auf mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz zusteuert und einen der größten Börsengänge der Welt hinlegen könnte.

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    Die meisten großen Unternehmen haben einen Teil ihrer relevanten Daten in strukturierten Datenbanken, sogenannten „Data Warehouses“ oder „Datenlagern“, zusammengeführt. Ein anderer Teil der Daten liegt in unstrukturierter Form vor – in sogenannten „Data Lakes“ oder „Datenseen“. In einem Datenlager lässt sich leichter finden und analysieren, wonach man gesucht hat.

    Allerdings macht das Vorstrukturieren der Datenbanken umso mehr Arbeit, je mehr Daten ein Unternehmen sammelt. „Data Warehouses“ zu managen ist das Geschäft von Snowflake, aktuell mit 63 Milliarden Dollar bewertet.

    In einem Datensee lässt sich ohne die richtigen Algorithmen wenig finden. Künstliche Intelligenz kann darin aber sogar Sachen entdecken, nach denen man gar nicht gesucht hat – verborgene Korrelationen oder unterschätzte Einflussfaktoren, die durch die Struktur eines „Data Warehouses“ vielleicht verloren gehen. Auf die Analyse unstrukturierter Daten im „Data Lake“ ist C3.ai spezialisiert.

    Zalando nutzt Databricks

    Ghodsi sagt, seine Konkurrenten seien jeweils nur dazu in der Lage, entweder strukturierte oder unstrukturierte Daten zu verwalten und zu analysieren. Databricks verspricht hingegen, Datenlager und -seen in einer Plattform zusammenzuführen. Das sogenannte „Data Lakehouse“ soll die Stärken beider Ansätze vereinen und sowohl Informationsverluste als auch Sicherheitslücken verhindern, weil Daten nun nur noch an einem Ort gespeichert werden. Selbst Datenschutzvorgaben ließen sich so leichter einhalten, weil Kundendaten nur noch von einem Ort gelöscht werden müssten.

    In der Metaphern-Welt des Cloud-Computings baut das Unternehmen seinen Kunden also Häuser am See in den Wolken. Das klingt ein bisschen nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“, hilft in der Praxis aber bei hochkomplexen Problemen. So nutzt etwa Zalando Databricks, um aus verschiedenen Datenquellen wie Bildern, Kundenbewertungen oder dem Kaufverhalten Produktempfehlungen zu generieren.

    „Zalando war immer ein sehr datengetriebenes Unternehmen“, sagte Max Schultze, Datentechniker bei dem Berliner Onlinemodehändler, auf einer Databricks-Konferenz im Jahr 2020. Zu Beginn habe das Unternehmen seine Daten in einem eigenen Rechenzentrum verwaltet und so relativ einfach verschiedene Datenbanken zu Analysezwecken verbinden können. „Irgendwann sind wir damit an die Grenzen gestoßen“, sagte Schultze.

    Seit das Wachstum den Wechsel in die Cloud notwendig gemacht habe, würden die Databricks-Tools helfen, Tausende Datenbanken mit 15 Petabyte Speicherplatz (15.000.000 Gigabyte) zwischen Datenzentren und der von Zalando genutzten AWS-Cloud sinnvoll auszuwerten.

    Je komplexer es wird, desto besser für Databricks, sagt Ghodsi. Etwa wenn gleichzeitig alte Daten aus vom Unternehmen verwalteten Rechenzentren und öffentlichen Clouds zusammenkommen oder ein Unternehmen mehrere Clouds nutzt. Ersteres, die Hybrid-Cloud, hält Ghodsi aber für ein Auslaufmodell. Letzteres, die Multi-Cloud, für die Zukunft.

    Holger Mueller, Analyst bei Constellation Research, hält Databricks aber nicht für so einzigartig wie Ghodsi behauptet. Das Unternehmen habe zu lange sehr eng mit Microsoft und dessen Azure-Cloud zusammengearbeitet und habe zu spät auf Multi-Cloud gesetzt.

    Zudem könnten die Cloud-Anbieter mit ihren Analysetools Databricks direkte Konkurrenz machen. Databricks müsse ihnen bei der Weiterentwicklung seiner Funktionen ständig einen Schritt voraus sein, damit sich Kunden nicht mit den allgemeineren Tools des Cloud-Anbieters zufriedengeben und Databricks kündigen.

    Der Marktforscher Gartner sieht Databricks aktuell aber vorn. In seiner „Magic Quadrant“-Analyse für Datenanalyse- und KI-Plattformen zählt er das 2013 gegründete Unternehmen zu den Marktführern, die Cloud-Plattformen von Amazon, Microsoft und Google in der Kategorie dahinter.

    Obwohl die drei Tech-Giganten Investoren sind, sieht Ghodsi ihre Rolle realistisch: „Nichts hält sie davon ab, uns die Kunden wegzunehmen.“ Nur mit Fokus auf Datenanalyse und KI bleibe Databricks vorn, während die Cloud-Anbieter und ihre Vertriebsleute viele Themen im Blick behalten müssten.

    „Du rechnest damit, dass die Dinge schlechter werden“

    Der 41-Jährige ist als Unternehmer zwar Berufsoptimist, denkt aber auch in Worst-Case-Szenarien. Als Anfang 2020 die Coronakrise ausbrach, sammelte er 500 Millionen Dollar bei Investoren ein, um im Zweifel mit einem Geldpolster eine Wirtschaftskrise überstehen zu können.

    Das habe ihn die Erfahrung der Iranischen Revolution gelehrt: „Du rechnest immer damit, dass die Dinge plötzlich schlechter werden“, sagte er im Juni „Business Insider“. Seine Familie musste binnen 24 Stunden das Land verlassen und landete schließlich in Schweden.

    Für Ghodsi ein Glücksfall: „Ich wäre heute wohl nicht Chef von Databricks, wenn ich in den USA geboren worden wäre“, sagt er. Statt in der Schule Deutsch oder Französisch zu lernen, konnte er die Programmiersprachen Pascal und C++ belegen. Schon 1996 gab es in Schweden Computerräume und schnelles Internet. „Ziemlich phänomenal, was einem Flüchtlingskind aus dem Iran an Technologie offenstand.“

    Ghodsi studierte an der Königlich-Technischen Hochschule in Stockholm und ging als Informatikprofessor später nach Berkeley, wo er seine Databricks-Mitgründer traf. Ein 28-Milliarden-Dollar-Start-up hätte er in Europa aber nicht gründen können, glaubt Ghodsi. „Die USA sind ein junges Land, fast wie ein Start-up. Man kann viel ausprobieren, es gibt nicht für alles einen ausgetretenen Pfad“, sagt er. So hat sein Leben zwischen den Kontinenten also ideal funktioniert: „Ich habe das Beste aus beiden Welten bekommen.“

    Mehr: Warum das europäische Cloud-Projekt Gaia-X noch zum Hoffnungsträger werden kann

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    Mehr zu: Cloud-Computing - Databricks: Was das Start-up von Ali Ghodsi zu einem der weltweit wertvollsten macht
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