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Cloud-Dienste Wie die Corona-Pandemie den Trend zum Cloud-Computing beschleunigt

Cloud-Dienste versprechen Abhilfe bei Kontaktbeschränkungen und Kostendruck. Langfristig könnte jedoch eine gefährliche Abhängigkeit entstehen.
08.05.2020 - 15:56 Uhr Kommentieren
Beim Cloud-Computing nutzen Kunden IT-Leistungen wie Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze. Quelle: AP
Cloud

Beim Cloud-Computing nutzen Kunden IT-Leistungen wie Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze.

(Foto: AP)

San Francisco, Düsseldorf Als Bill McDermott die Führungskräfte von Service Now im Februar bei einer Klausurtagung versammelte, wollte er mit ihnen Visionen für den Softwarehersteller entwerfen. Doch die „Dream Session“ im Programm widmete der Manager kurzerhand um: Die Corona-Pandemie hatte die USA erreicht – und Träumereien schienen auf einmal unangemessen. „Wir haben die Firma neu ausgerichtet“, berichtet der Manager dem Handelsblatt.

Nun arbeiten die Entwicklungsteams an Lösungen, die Organisationen beispielsweise helfen, Infektionsrisiken für Mitarbeiter zu identifizieren oder den Betrieb im Homeoffice zu organisieren. Selbst große Konzerne könnten diesen innerhalb einiger Tage einrichten, und zwar aus der Ferne, schwärmt McDermott – die Plattform von Service Now läuft in der Cloud und ist damit von überall erreichbar.

Die Coronakrise trifft alle Wirtschaftszweige hart, auch die IT-Branche. Angesichts der ungewissen Zukunft reduzieren die Unternehmen die Kosten drastisch. Doch die Anbieter von Cloud-Lösungen scheinen davon wenig betroffen zu sein.

Ob Amazon oder Microsoft, SAP oder Salesforce, Zoom oder Service Now: Sie alle haben in den vergangenen Wochen ordentliche Zahlen und optimistische Prognosen veröffentlicht. Der Marktforscher IDC erwartet, dass die IT-Ausgaben in diesem Jahr um 5,1 Prozent schrumpfen – wo es noch Wachstum gebe, sei die Cloud involviert.

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    Beim Cloud-Computing nutzen Kunden IT-Leistungen wie Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze. Bei der Modernisierung der IT ist dieses Prinzip unersetzlich, Kontaktbeschränkungen und Kostendruck liefern nun weitere Argumente.

    Eine Videokonferenz lässt sich genauso mit wenigen Klicks einrichten wie ein neuer Server, abgerechnet wird monatlich oder nach Nutzung. „Es scheint derzeit nur Gewinner zu geben“, sagt Axel Oppermann, Analyst beim Beratungsunternehmen Avispador – sie alle hoffen, dass die Krise die Bedeutung der digitalen Technik zeigt.

    Zu Hause arbeiten dank Office 365 und Zoom

    Analyst Oppermann sieht drei große Treiber. Erstens gehe es derzeit darum, die Arbeitsfähigkeit sicherzustellen: Lösungen wie Office 365, Sales Cloud oder Zoom erleichtern es, auf Dokumente zuzugreifen, Aufträge zu gewinnen und mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben. Um die Technik kümmern sich die Anbieter – wenn auf einmal 1000 Nutzer mehr darauf zugreifen müssen, ist das für die IT-Abteilung mit wenigen Klicks erledigt, und zwar ohne, dass einer von ihnen ins Rechenzentrum kommen muss.

    Zweitens gibt es den Zwang zu Kosteneinsparungen: „Es wird ein massiver Druck auf die IT-Abteilungen zukommen“, ist Oppermann überzeugt. „Auch wenn es kein ökonomisches Prinzip ist: Jetzt gilt es, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen.“ Wenn Unternehmen Cloud-Dienste nutzen, müssen sie nicht vorab hohe Investitionen in die Infrastruktur aufbringen, sondern zahlen nur für die verbrauchten Ressourcen – sofern sie den Überblick behalten.

    Drittens geht es um die Optimierung von Geschäftsprozessen. Etwa wenn SAP den Kunden verspricht, dass sie mit den Lösungen des Konzerns Störungen der Lieferketten verhindern können, oder Service Now bei der Verlagerung ins Homeoffice helfen will. „Die IT ist eine unternehmenskritische Aufgabe, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Oppermann.

    Das Maß aller Dinge ist Amazon. Der Konzern hat mit dem Tochterunternehmen AWS den Markt neu geschaffen, heute verfolgt er das Ziel, einen Großteil der IT-Aufgaben in seinen Rechenfabriken zu erledigen: „Das meiste wird in die Cloud gehen“, sagte der Chef Andy Jassy dem Handelsblatt im vergangenen Jahr.

    AWS ist mit zuletzt mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz im ersten Quartal der eindeutige Marktführer. Das Wachstum ist mit 33 Prozent zwar leicht hinter dem Vorjahreswert und den Verfolgern Microsoft und Google, aber für ein Geschäft dieser Größe gewaltig.

    Ein Selbstläufer ist das in der Krise nicht. Analysten wie Lloyd Walmsley von der Deutschen Bank oder Scott Mishkin von R5 Capital stellen infrage, ob AWS dieses Wachstum halten kann – Neugeschäft sei ohne Kundenkontakt schwieriger, zudem fielen große Konferenzen wie Re:invent als Vertriebsgelegenheiten weg. Zudem hat das Unternehmen viele Start-ups als Kunden, die derzeit Kosten zurückfahren müssen oder gar pleitegehen.

    „Wir glauben, dass wir gut vorbereitet sind, weil wir so eine Bandbreite an Kunden haben“, entgegnet Finanzchef Brian Olsavsky. Während Tourismusunternehmen gerade litten, bräuchten Videokonferenzdienste wie Zoom oder Filmdienste wie Netflix mehr Ressourcen als zuvor. Auch das Neugeschäft sei nicht per se ein Problem, sagt Olsavsky, nur die Einführung neuer Cloud-Dienste während Corona: „Unser Rückstand bei zukünftigen Verträgen baut sich weiter auf“, sagte der Finanzchef vor Investoren.

    Microsoft ist konsequent auf die Cloud ausgerichtet. Quelle: AFP
    Satya Nadella

    Microsoft ist konsequent auf die Cloud ausgerichtet.

    (Foto: AFP)

    Der große Konkurrent von AWS ist Microsoft. Konzernchef Nadella hat das Unternehmen seit seinem Antritt 2014 konsequent auf die Cloud ausgerichtet. Das machte sich Anfang 2020 bezahlt, als er getragen von einem starken Wachstum der Cloud-Plattform Azure und von Office-Diensten wie der Bürosoftware Office 365 den Nerv der Wirtschaft traf, die sich innerhalb von Wochen auf Heimarbeit umstellen musste. „Mehr denn je verlassen sich Organisationen auf Azure, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagte Nadella.

    Die Ergebnisse des ersten Quartals waren praktisch unberührt von der Krise, mit starkem Wachstum bei Umsatz und Ertrag. Analystin Sarah Hindlin-Bowler von Macquarie Research kommentiert: „Microsoft exekutiert phänomenal und liefert Produktneuerungen, um das Wachstum am Laufen zu halten, bei gleichzeitiger Kostenkontrolle.“ Alex Zukin von RBC Capital hält Microsoft gar für den größten Profiteur vom Trend zur Heimarbeit.

    Andere Cloud-Anbieter schlagen sich derzeit ebenfalls gut. SAP etwa verzeichnete im ersten Quartal im klassischen Lizenzgeschäft einen heftigen Einbruch, der Umsatz mit Anwendungen aus der Cloud wuchs jedoch nahezu unvermindert weiter.

    Salesforce legt erst später Zahlen vor, doch Gründer Marc Benioff verspricht, dass IT beim Kampf gegen das Coronavirus helfe, der Aktienkurs liegt wieder auf dem Vorkrisenniveau. Und während das Werbegeschäft von Google unter der Coronakrise leidet, wächst die Cloud-Sparte kräftig – zuletzt betrug das Umsatzplus 52 Prozent.

    Auch bei Service Now läuft das Geschäft exzellent: Das Unternehmen aus dem Silicon Valley durchbrach im abgelaufenen Quartal nach einem Plus von 33 Prozent erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar Umsatz, die Aktie steht auf dem Allzeithoch. McDermott positioniert es als „Plattform der Plattformen“: Der Dienst nutzt Informationen aus verschiedenen Systemen, um daraus neue Arbeitsprozesse zu schaffen. Die aktuellen Verwerfungen helfen dem Amerikaner nun, das Argument gegenüber anderen CEOs vorzubringen. Die Anwendungen für den Umgang mit der Coronakrise habe das Unternehmen in nur drei Tagen entwickelt.

    Chance für die alte Garde

    Längst verteilen Kunden ihre Cloud-Apps auf verschiedene Anbieter – diese haben alle ihre eigenen Stärken. So gilt Google als führend bei künstlicher Intelligenz, während AWS stark bei der Vernetzung ist. Multi-Cloud nennen Experten dieses Prinzip. Der Videodienst Zoom ist gerade mit einigen seiner zentralen und sicherheitsrelevanten Anwendungen zum Datenbankspezialisten Oracle gewechselt, ohne AWS oder Azure dabei zu verlassen.

    Das ist eine Chance für die alte Garde der IT-Welt: Unternehmen wie HPE, IBM und Dell haben sich mit Systemen zur Verwaltung solcher Umgebungen etabliert. Besonders gilt das für IBM: Nachdem es der 109 Jahre alte IT-Konzern verpasst hat, eine der großen Cloud-Plattformen aufzubauen, setzt er nun auf die „Hybrid Cloud“, die Verbindung klassischer Rechenzentren mit der öffentlichen Cloud. Die Komplexität beherrschbar macht auch Service Now, das eine „Plattform der Plattformen“ anbietet, wie es McDermott ausdrückt.

    Mit dem 2018 übernommenen Open-Source-Softwareanbieter Red Hat will sich IBM als plattformoffener Integrator verschiedener Softwarelösungen präsentieren – im Gegensatz zu Google oder Microsoft, die mit ihrer Cloud-Lösung gern auch ein Paket von eigenen Anwendungen und Services verkaufen. Ein wichtiges Verkaufsargument.

    Angst vor dem „Hotel California“-Effekt

    Damit spricht IBM Kunden an, die Angst vor dem „Hotel California“-Effekt haben, wie es in der Branche in Anspielung auf den Song der „Eagles“ heißt: Wer einmal eingecheckt hat, kommt nicht so einfach wieder raus. Je stärker ein Kunde die Cloud-Dienste eines einzelnen Anbieters nutzt und miteinander verzahnt, desto schwieriger ist der Wechsel.

    „Der Einstieg in die Cloud ist mittlerweile recht einfach. Umsteigen und Aussteigen hingegen schwer“, sagt Analyst Axel Oppermann. Das habe zu tun mit den Vertragslaufzeiten, aber auch fehlenden Alternativen, mangelndem Fachwissen, technischen Hürden – oder der puren Notwendigkeit, bestimmte Services einzusetzen.

    Wer von vornherein auf mehrere Anbieter setzt, verringert dieses Risiko und macht sich weniger abhängig von Preisschwankungen. Es fällt leichter, einzelne Arbeiten, „Loads“ genannt, zwischen den Anbietern hin und her zu schieben, um günstige Preise zu nutzen. Denn auch Cloud-Computing mit seinen diversen Kosten und Gebühren kann gehörig ins Geld gehen, und wer seine eigene IT-Infrastruktur abgeschafft hat, muss bei irgendeinem Anbieter weiterarbeiten, sonst steht das Unternehmen still.

    Unruhe hatten zuletzt Meldungen verbreitet, Amazons AWS habe Unternehmen, die durch Corona in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, kaum Entgegenkommen gezeigt. Dem widersprach AWS-Chef Andy Jassy jedoch heftig. Mittlerweile gibt es eine eigene Webseite mit dem Titel „AWS ist hier, um zu helfen“. Kunden, die Hilfe in diesen Zeiten brauchen, sollen hier Ansprechpartner finden.

    Microsoft und Google versprechen ebenfalls, individuell auf Probleme einzugehen. Denn in Zeiten wie diesen ist es ein Unterschied, ob man ohne Umsätze neben der Miete, Wasser und Strom auch seine IT-Infrastruktur täglich neu bezahlen muss oder auf dem betagten PC im Büro mit der alten Word-Software weiterarbeiten kann, bis sich der Nebel lichtet.

    Mehr: Seit einem Jahr arbeitet Siemens für den Wolfsburger Autobauer an einer industriellen Cloud. Im Interview ziehen Vorstände beider Konzerne ein erstes Fazit.

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