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Cloud Gaming Microsoft, Amazon und Google kämpfen um die Zukunft der Computerspiele

Spiele nicht nur im Wohnzimmer, sondern überall: Die Tech-Konzerne wollen die größte Unterhaltungsbranche unter sich aufteilen – doch bisher straucheln sie.
10.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Mit Cloud Gaming wollen die größten Konzerne der Welt die Plattformen bauen, über die Nutzer alle Spiele spielen und an denen deshalb kein Entwickler vorbeikommt. Quelle: dpa
Xbox-Stand auf der Gamescom

Mit Cloud Gaming wollen die größten Konzerne der Welt die Plattformen bauen, über die Nutzer alle Spiele spielen und an denen deshalb kein Entwickler vorbeikommt.

(Foto: dpa)

San Francisco Es ist der „Konsolenkrieg“, auf den Fans lange warten mussten: Am heutigen Dienstag bringt Microsoft die nächste Generation seiner Spielkonsole Xbox weltweit in den Handel. Neun Tage später bringt Sony seine neue Playstation nach Deutschland.

Für Xbox und Playstation ist es das erste Update seit 2013 – jede Neuauflage zieht einen „Console War“ um Verkaufszahlen, Umsätze und Fan-Liebe nach sich. Doch für Microsoft ist das Gerät nur ein Baustein in einer Strategie, die Computerspiele aus dem Wohnzimmer in die ganze Welt bringen soll. Und die Microsoft nicht primär gegen Sony ausfechten muss, sondern gegen Google und Amazon.

Die Vision heißt „Cloud Gaming“ und soll die 160-Milliarden-Dollar große Spielebranche revolutionieren. Zu jeder Xbox gibt Microsoft den im September eingeführten xCloud-Dienst kostenlos dazu: Ein Netflix-artiges Abo für mehr als 100 Spiele, die auf jedem Gerät gespielt werden können. Die neue Konsole soll dem Dienst zum Durchbruch verhelfen.

Früher seien Spiele an bestimmte Hardware gebunden gewesen, sagt Microsoft-Manager Phil Spencer. Heute existierten Spiele wie Microsofts „Minecraft“ „wie Musik oder Videos auf jedem Gerät, auf dem ich sie brauche“.

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    Selbst Spiele mit detaillierter Grafik wie Microsofts Ego-Shooter „Halo“ sollen Spieler auf ihrem Tablet oder Smartphone auf der Parkbank spielen können. "Die größten Spiele der Welt werden die sein, die ein Spieler auf jedem Bildschirm spielen kann“, sagt Spencer.

    Die neue Xbox kommt in zwei Varianten auf den Markt: Die kleine Xbox Series S (weiß) und die große Xbox Series X. Quelle: via REUTERS
    Neue Xbox-Serien

    Die neue Xbox kommt in zwei Varianten auf den Markt: Die kleine Xbox Series S (weiß) und die große Xbox Series X.

    (Foto: via REUTERS)

    Früher war der 53-Jährige nur Xbox-Chef, seit 2017 ist sein Titel „Executive Vice President of Gaming“, was einen großen Unterschied bedeutet – er arbeitet auch mit Microsofts Cloud-Sparte Azure zusammen, um mit deren auf der ganzen Welt verteilten Datenzentren Spiele ruckelfrei auf jedes Gerät zu bringen.

    So ist es kein Zufall, dass die Konzerne die via Cloud Gaming in die Spielebranche drängen, auch die größten Anbieter von Cloud Computing sind: Google startete bereits 2019 seinen Abo-Dienst Stadia, Amazon zog im September mit Luna nach.

    Jeder besitzt ein Smartphone, nicht jeder eine Konsole

    Jens Weber, Partner bei der Beratung PwC, sieht einen wachsenden Markt: „Jeder besitzt ein Smartphone, aber nicht jeder besitzt eine Konsole oder einen Gamer-PC“, sagt Weber. Der Ausbau der 5G-Mobilfunknetze werde Cloud Gaming noch attraktiver machen – schließlich ist neben den Rechenzentren auch schnelles Internet notwendig.

    Computerspiele sind die umsatzstärkste Unterhaltungsindustrie der Welt, größer als Filme und Musik zusammen. Auf 200 Milliarden Dollar Umsatz und mehr als drei Milliarden aktive Spieler weltweit werde die Branche bis 2023 wachsen, schätzt die Gaming- und E-Sport-Analysefirma Newzoo.

    Bislang ist es eine kleinräumige Branche, ohne dominante Großkonzerne. Sie ist aufgeteilt in traditionelle Spieleentwickler und -publisher wie Activision Blizzard („World of Warcraft“, „Overwatch“), Smartphonespiele-Entwickler wie Supercell („Clash of Clans“), Entwickler offener Spielewelten wie Epic Games („Fortnite“) oder Roblox, Konsolenhersteller wie Microsoft oder Sony und viele andere.

    Mit Cloud Gaming wollen die größten Konzerne der Welt die Plattformen bauen, über die Nutzer alle Spiele spielen und an denen deshalb kein Entwickler vorbeikommt.

    Bis dahin ist es ein weiter Weg: Newzoo-Analyst Guilherme Fernandes erwartet zwar teils dreistelliges Wachstum bis 2023. Doch selbst dann soll Cloud Gaming nur fünf Milliarden Dollar Umsatz ausmachen – gerade 2,5 Prozent der gesamten Branche und für Amazon, Google oder Microsoft absolute Peanuts.

    Der Chef des GTA-Entwicklers Take-Two ist skeptisch

    Skeptiker in der Branche halten Cloud Gaming für keinen Quantensprung. „Wir haben „Grand Theft Auto V“ 135 Millionen und „Red Dead Redemption“ 32 Millionen Mal verkauft“, sagt Strauss Zelnick, der Chef von Take-Two Interactive, einem der weltgrößten Entwickler.

    Die Verfügbarkeit überall und über Geräte hinweg werde den Markt für hochklassige Spiele nicht wesentlich vergrößern. „Ich wünschte ja, dass Cloud-Gaming-Dienste diese Zahl verdoppeln oder verdreifachen könnten. Aber ich sehe nicht, wie“, sagt der Spielmanager, der einst das Bertelsmanns Musiklabel BMG führte.

    Andere Spieleunternehmen strecken zumindest ihre Fühler aus: Der französische Entwickler Ubisoft („Assassin's Creed“) bietet Spiele auf allen Diensten an, Electronic-Arts-Spiele wie “Fifa“ oder „Sims“ sind mit xCloud spielbar.

    „Kleinere Player wie Ubisoft haben dagegen die Strategie, ihre Spiele an so viele Nutzer wie möglich zu bringen“, sagt Newzoo-Analyst Fernandes. „Entwickler wie Take-Two oder Activision Blizzard haben ein so großes Publikum, dass sie Cloud Gaming nicht brauchen“

    Die Kontrolle über die Nutzerdaten aufzugeben, sei für die Entwickler mit Millionen Spielern das Geld nicht wert, das die Betreiber der Cloud-Gaming-Dienste ihnen für die Nutzung ihrer Titel zahlen. Das sei aber ein Problem für die Attraktivität der Dienste: „Wie immer bei Computerspielen gilt: Content ist King“, sagt Fernandes. Auch dass Stadia als erstes Angebot noch nicht abgehoben hat, liegt laut PwC-Experte Weber an der aktuellen Spieleauswahl: „Stadia muss nachrüsten, sowohl was die Spieleanzahl und -qualität betrifft.“

    Der nächste Teil der Halo-Reihe verschiebt sich wegen der Pandemie auf 2021. Quelle: dpa
    Werbung für das Xbox-Spiel Halo

    Der nächste Teil der Halo-Reihe verschiebt sich wegen der Pandemie auf 2021.

    (Foto: dpa)

    Daher arbeiten Microsoft, Amazon und Google auch an eigenen Spielen. Microsoft übernahm erst kürzlich für 7,5 Milliarden Dollar Zenimax Media, einen Entwickler zahlreicher Erfolgstitel. Wegen der 2001 eingeführten Xbox hat der oft etwas dröge Office-Konzern die größte Erfahrung im Sujet und mit „Halo“ bereits eine langjährige Hit-Reihe. „Halo Infinite“, der nächste Teil der Reihe, sollte zum Start von xCloud fertig sein – wegen der Pandemie verschob sich der Start jedoch auf 2021.

    Das ist jedoch kein Vergleich zu Amazons Problemen: An ihrem ersten Spiel, dem Third-Person-Shooter „Crucible“, entwickelten Amazons Relentless Studios sechs Jahre lang. Das Ergebnis fanden die Beta-Tester so mies, dass „Crucible“ nach wenigen Monaten eingestampft wurde.

    Ein Problem soll gewesen sein, dass Relentless sich eine eigene Spiele-Engine gebaut hat. Eine Spiele-Engine ist eine Software-Architektur, mit der verschiedene Computerspiele entwickelt werden können. Dazu nahm Relentless die von dem Frankfurter Unternehmen Crytek lizensierte Spiele-Engine „CryEngine“ und baute sie zu einer eigenen Software-Architektur namens „Lumberyard“ um. Dadurch wurde die Entwicklung allerdings eher verlangsamt, als voran gebracht. Basis-Tools zum Spiele-Entwickeln, wie zum Beispiel das Rotieren einer Kamera im Spiel, funktionierten plötzlich nicht mehr verlässlich. „Wie sollst du ein Haus bauen, wenn du nicht mal einen Hammer hast?“, sagte ein Amazon-Entwickler dem Digitalmagazin „Wired“.

    Newzoo-Experte Fernandes hält Microsoft für den stärksten Wettbewerber im gerade aufblühenden Markt für Cloud Gaming. Das Gesamtangebot aus Spielen, Konsole und Cloud sei am stärksten: „Sogar Sony nutzt für sein Playstation-Cloud-Angebot Microsoft Azure“, erklärt der Analyst. „Wenn dein Erzfeind zu dir kommt, sagt das einiges.“

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