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Cloud-Geschäft Angriff auf Salesforce: SAP kauft Online-Marketingspezialisten Emarsys

Der Dax-Konzern rüstet sich für den Wettbewerb. Der Zukauf soll Unternehmen ermöglichen „mit den Kunden so zu kommunizieren, wie diese es wollen“.
02.10.2020 Update: 02.10.2020 - 12:45 Uhr Kommentieren
Dienste aus der Cloud werden für SAP immer wichtiger – auch die jüngste Übernahme trägt zu dem Geschäft bei. Quelle: dpa
SAP-Zentrale in Walldorf

Dienste aus der Cloud werden für SAP immer wichtiger – auch die jüngste Übernahme trägt zu dem Geschäft bei.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mit seiner Schuhgröße 49, je nach Schnitt auch 50, geht Bob Stutz erst gar nichts ins Geschäft – zu wenig Auswahl. Der Manager bestellt seine Fußbekleidung gleich im Internet. Völlig zufrieden ist er mit den Onlineshops aber nicht. So bekommt er häufig Werbeanzeigen für schöne Schuhe gemailt, die dann nur bis Größe 46 verfügbar sind. Das lässt ihn grübeln: „Ich bestelle da schon seit Ewigkeiten, die sollten doch wissen, was ich kaufen kann und was nicht.“

Derlei Probleme beschäftigen Stutz nicht nur als Privatmann. Er leitet bei SAP als Präsident den Bereich Customer Relationship Management (CRM), der Software für die Neugewinnung und Betreuung von Kunden entwickelt.

Nun hat er eine Übernahme organisiert, die die Personalisierung von Werbung im Onlinehandel deutlich erleichtern soll: Der Dax-Konzern will den österreichisch-amerikanischen Marketingspezialisten Emarsys übernehmen.

In dem Markt, in dem SAP unter anderem mit Salesforce, Adobe und Oracle konkurriert, sei das ein „großer Schritt nach vorne“, erklärte Vorstandschef Christian Klein am Donnerstag. Zum Preis des Cloud-Spezialisten äußerte sich der Softwarehersteller nicht, er dürfte nach Einschätzung aus Branchen- und Finanzkreisen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro liegen. Der Abschluss der Transaktion ist noch im vierten Quartal geplant.

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    Mit der Plattform von Emarsys können Unternehmen Kunden über verschiedene Kanäle wie Onlineshops, soziale Netzwerke, E-Mails und SMS, aber auch Telefon ansprechen, und zwar – so das Versprechen – personalisiert und in Echtzeit. „Unternehmen und Marken müssen in der Lage sein, mit den Kunden so zu kommunizieren, wie diese es wollen“, sagt Stutz. Eine solche Lösung, die Kunden über verschiedene Kanäle hinweg identifiziert, fehlt SAP bislang.

    100 Millionen Dollar Umsatz

    In der Disziplin „Cross-Channel Campaign Management“ ist Emarsys nach Einschätzung des Marktforschers Forrester einer der führenden Anbieter. Der Softwarehersteller biete eine umfangreiche Produktpalette an: Es decke alle Phasen des Marketings ab, von der Kundengewinnung bis zum Bonusprogramm, und gebe mithilfe Künstlicher Intelligenz automatisch Empfehlungen an die Marketingabteilungen. Zudem gebe es Speziallösungen für bestimmte Branchen wie den Einzelhandel und die Reisebranche.

    Das Potenzial ist beträchtlich: Emarsys hat nach Einschätzung Forresters weltweit rund 2300 Kunden, darunter Samsonite, Swiss, Puma und Sky. Die regelmäßig gezahlten Gebühren für die Cloud-Dienstleistungen summieren sich auf jährlich rund 100 Millionen Dollar.

    SAP stärkt damit seinen CRM-Bereich (wobei SAP den Begriff Customer Experience bevorzugt). In diesem Markt ist Konkurrent Salesforce mit Abstand die Nummer eins. Der Softwarehersteller aus San Francisco steigerte den Marktanteil im vergangenen Jahr auf 18,4 Prozent.

    SAP hingegen verlor in diesem Zeitraum Kundschaft und lag mit 5,3 Prozent praktisch gleichauf mit Oracle (5,2 Prozent), gefolgt von Microsoft (3,7 Prozent) und Adobe (3,6 Prozent). Das markige Versprechen des früheren SAP-Chefs Bill McDermott, das Segment „neu erfinden“ und den Marktführer innerhalb einiger Jahre überholen zu wollen, klingt zwei Jahre später nicht besonders aussichtsreich. Mittlerweile ist das US-Unternehmen an der Börse sogar mehr wert als der Dax-Konzern.

    Allerdings ist der Markt mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar groß und mit unzähligen Spezialdisziplinen vielfältig – Software für Außendienstler zählt beispielsweise genauso dazu wie Online-Marketing. Im E-Commerce zählt SAP seit der Übernahme des Spezialisten Hybris neben Salesforce und Oracle zu den führenden Anbietern. Dieses Geschäft will das Unternehmen mit der Übernahme stärken.

    Darüber hinaus plant SAP, die Plattform für die Kundenkommunikation mit betriebswirtschaftlicher Software zu verknüpfen. In diesem Segment, das Fachleute als ERP bezeichnen, ist der Dax-Konzern Marktführer. Ein Unternehmen kann so für die Werbekampagne auf die Bestellhistorie eines Kunden zurückgreifen und etwa nur Produkte anbieten, die in der passenden Größe verfügbar sind.

    „Sobald die Transaktion abgeschlossen ist, wollen wir unsere Kunden und deren Marken in die Lage versetzen, Kundendaten nahtlos mit allen anderen Geschäftsdaten zu verbinden, einschließlich der Daten aus Kunden-Feedbacks“, erklärte SAP-Chef Klein – Letztere stammen von der Tochterfirma Qualtrics, die SAP wieder an die Börse bringen will.

    Mehr: SAP verlängert Homeoffice-Regelung für Mitarbeiter bis Mitte 2021

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