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Cloud-Lösungen Sumologic-Gründer Beedgen: Der erfolgreichste deutsche Unternehmer im Silicon Valley

Der Karlsruher hat mit Sumologic ein Milliardenunternehmen an die Börse gebracht. Seine Vita ist voller Zufälle – die ihn bis nach Seattle brachten.
10.05.2021 - 12:56 Uhr Kommentieren
Der 48-Jährige ist der wohl der erfolgreichste noch aktive deutsche Gründer im Silicon Valley. Quelle: Sumologic
Christian Beedgen

Der 48-Jährige ist der wohl der erfolgreichste noch aktive deutsche Gründer im Silicon Valley.

(Foto: Sumologic)

San Francisco Christian Beedgens Lebenslauf ist keine typische Erfolgsbiografie. Viel Zufall ist im Spiel, wiederholt fällt das Wort „reingeraten“, wenn der 48-Jährige über seinen Lebensweg spricht. Er erzählt von seinem mittelmäßigen Abi oder davon, wie er sich für die Sozialwissenschaften an der Humboldt-Uni in Berlin nie so ganz begeistern konnte.

Trotzdem ist Beedgen wohl der erfolgreichste noch aktive deutsche Gründer im Silicon Valley. Im September ist der IT-Dienstleister Sumologic, den Beedgen 2010 mitgegründet hat, an die New Yorker Börse gegangen, wo er aktuell mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet wird. Die jüngsten Geschäftszahlen weisen für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Umsatz in Höhe von 202,6 Millionen Dollar aus.

Der Karlsruher mit dem langen, leicht ergrauten Bart ist Technologievorstand des Unternehmens, das Maschinendaten in der Cloud analysiert, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit der IT-Systeme seiner Geschäftskunden zu verbessern.

Es ist auch ein Glücksfall, dass Beedgen als Schüler lieber Computerspiele auf dem Commodore 64 spielte und sich als Student 1996 vom Lohn aus seinem Nebenjob auf der Baustelle für 600 Mark ein Superfax-28k-Modem kaufte statt ein Marx- oder Habermas-Gesamtwerk. „Damit war ich im Internet und habe es nie wieder verlassen“, sagt er heute.

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    Aber seine Heimat verließ er. Beedgen trat eine Reise an, die ihn von Berlin über Regensburg, Seattle und Miami bis nach Redwood City im Silicon Valley führte.

    Amazon prägt Beedgens Karriere zwei Mal

    Im Sommer 1998 machte er ein Praktikum bei Telebuch.de in Regensburg. Das Start-up war einer der ersten Onlinehändler Deutschlands, verkaufte Bücher erst über BTX, dann das Internet. Arbeiten soll Beedgen aber nicht in der Oberpfalz: „Die Gründer hatten diese Faszination für Miami, die Sonne, den Strand und arbeiteten den Sommer über von dort aus“, erinnert er sich. „Und ich dachte: Klar, warum nicht?“

    Noch bevor Beedgen anfangen kann, wird Telebuch von einem US-Start-up gekauft: Amazon. Der Pionier des Onlinebuchhandels war 1997 im Dotcom-Rausch an die Börse gegangen und auf Expansionskurs nach Europa.

    Für den Praktikanten Beedgen ging es nach Seattle statt Miami. In ein 80-Leute-Start-up auf zwei Etagen mit den berühmten aus Türen gezimmerten Schreibtischen, in dem manche Kundenservice-Mitarbeiter beim Börsengang Millionäre geworden sind.

    Als Amazon-Praktikant programmierte Beedgen an einem „ziemlich albernen Prototypen“ für ein elektronisches Grußkartenportal mit, aus dem nie etwas wurde. Der Telebuch-Gründer wurde derweil kurzzeitig Vizepräsident bei Amazon, blieb aber nur wenige Monate.

    Beedgen folgte ihm nach Miami. Sie arbeiteten an einem Vorläufer des Filesharing-Dienstes Dropbox, doch waren der Zeit damit zu weit voraus. Nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war, landete er 2001 bei Arcsight aus der Apple-Heimat Cupertino. Das Unternehmen bot eine ähnliche Big-Data-Analyse- und Sicherheitssoftware wie heute Sumologic an. Beedgen arbeitete als „Chief Architect“, bis Hewlett-Packard das Unternehmen 2010 kaufte.

    „Ich habe dort viel über Strategie gelernt, aber auch, dass man Produkte am Ende in die Hände der Kunden bringen muss“, sagt Beedgen. Das Unternehmen ging im Finanzkrisenjahr 2008 an die Börse – als einziges an der Tech-Börse Nasdaq.

    In dieser Zeit hört Beedgen einen Vortrag von Werner Vogels, Amazons leutseligem Technologievorstand, an der Stanford-Universität. Der Niederländer spricht über Amazons recht neuen Cloud-Dienst AWS, mit dem der Onlinehändler Speicher- und Rechenkapazität in seinen eigenen Rechenzentren verkauft.

    „Da hat es klick gemacht“, sagt Beedgen. Den Dienst, den Arcsight bisher als Software in den Rechenzentren seiner Kunden anbot, könne man effizienter aus der Cloud anbieten. Auch das macht Sumologic heute genauso.

    Als Beedgen im März mit dem Handelsblatt spricht, steht das Ende der Lock-up-Periode für die Mitarbeiter seines Unternehmens gerade bevor. In den USA müssen Insider nach einem Börsengang in der Regel ein halbes Jahr warten, bis sie ihre eigenen Aktien verkaufen dürfen.

    „Ich habe noch keine Ferraris auf dem Parkplatz gesehen, aber wahrscheinlich kommen bald ein paar neue Teslas“, sagt der Mitgründer. Sofern die Lockdowns in Nordkalifornien aufgehoben werden und Sumologics Mitarbeiter in die Büros in Redwood City mitten im Silicon Valley zurückkehren. „Es ist schön, wenn etwas, das vor zehn Jahren noch eine verrückte Idee war, jetzt das Leben von Leuten verändert“, sagt Beedgen.  

    Die Aktie hat allerdings keine Rally erlebt wie andere Cloud-basierte Unternehmen, etwa Snowflake, deren Aktienkurs nach ihrem Börsengang in die Höhe ging. Aktuell liegt die Sumologic-Aktie mit knapp 20 Dollar sogar unterhalb des Ausgabepreises von 25 Dollar und bei der Hälfte ihres Höchststands von knapp 40 Dollar im Februar. Analysten bereitet Sorgen, dass sich das Umsatzwachstum verlangsamt hat. Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr betrug es 31 Prozent, für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen noch 14 bis 16 Prozent.

    „Du bist bestimmt ganz oben auf der Liste der NSA“

    Laut Analyst Holger Müller von Constellation Research profitiert der Dienstleister vom Trend, dass mehr Unternehmen ihre eigenen, maßgeschneiderten Softwarelösungen entwickeln, deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit Sumologic dann aus der Cloud überwacht.

    „Durch die Pandemie hat die Cloud gesiegt, aber es hat manche IT-Projekte ausgebremst“, sagt Müller. Davon sei Sumologic kurzfristig betroffen, langfristig werde der Markt aber kräftig weiterwachsen.

    Sein Heimatland sieht Beedgen dabei sogar eher als Nachzügler: „In Australien gibt es ganze Banken, die aus der Cloud gemanagt werden.“ Selbst in der eher konservativen japanischen Wirtschaft lasse man sich mehr auf den Trend zur Cloud ein. In Deutschland höre er in Verkaufsgesprächen dagegen: „Mein Kumpel hat ein Datenzentrum in München, wir machen Security made in Germany von da.“

    Viele deutsche Unternehmen bremsten ihre digitale Transformation mit irrationalen Ängsten selbst aus. „Da kommt dann einer mit der Angst vor der NSA“, sagt Beedgen. Er möchte dann sagen: „Genau, du bist bestimmt ganz oben auf der Liste der NSA. – Aber dann wäre das Gespräch ja sofort vorbei.“

    Mehr: Wie eine kleine IT-Firma aus Italien zum Partner von Amazons Alexa wurde.

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