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„Coalition for App Fairness“ Anti-Apple-Allianz: Wogegen Spotify, Epic Games und Tinder protestieren

Einige App-Entwickler haben sich gegen den Tech-Konzern verbündet. Die „Coalition for App Fairness“ fordert neue Regeln – nicht ganz uneigennützig.
25.09.2020 - 19:36 Uhr Kommentieren
Die Plattform des Konzerns bittet Anbieter zur Kasse – die gehen dagegen vor. Quelle: AP
Apples App Store

Die Plattform des Konzerns bittet Anbieter zur Kasse – die gehen dagegen vor.

(Foto: AP)

Düsseldorf, San Francisco Der Ton ist scharf, der Vorwurf hart. „Jeden Tag besteuert Apple die Verbraucher und zermalmt Innovation“ – so schreibt es die „Coalition for App Fairness“ in Großbuchstaben auf ihrer Internetpräsenz. Mehrere App-Entwickler haben sich am Donnerstag in dieser Organisation zusammengeschlossen, um gegen die Geschäftsgebaren des Technologiekonzerns zu protestieren.

Zu den 13 Mitgliedern zählen Unternehmen, die mit Apple bereits öffentlich Konflikte austragen, etwa der „Fortnite“-Entwickler Epic, der Musikdienst Spotify und der Elektronikhersteller Tile, aber auch die Match Group mit Apps wie Tinder und der E-Mail-Anbieter Protonmail.

Auch der European Publishers Council, in dem zahlreiche Medienunternehmen organisiert sind, beteiligt sich. Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Apple und Entwicklern könnte nun weiter auflodern.

Die Allianz argumentiert, dass Onlineplattformen der „entscheidende Zugang“ zu Endnutzern digitaler Produkte und Dienste seien. „Plattformen können zwar von Vorteil sein, wenn sie fair betrieben werden, aber sie können von den Betreibern auch verwendet werden, um Entwickler und Verbraucher zu schädigen.“ Und das, so der Vorwurf, passiere im App Store. Die Organisation drängt deswegen auf gesetzliche und regulatorische Maßnahmen.

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    Es geht um mehrere Punkte. Für den größten Unmut sorgt die Gebühr, die Apple seit der Einführung des App Stores im Jahr 2008 auf bestimmte Transaktionen erhebt, zumeist 30 Prozent. In keiner anderen Branche werde so eine hohe Transaktionsgebühr fällig, argumentiert die Anti-Apple-Koalition – für App-Entwickler sei das eine hohe Belastung.

    „Wir können nicht wachsen“

    „In der Softwareentwicklung liegen die Margen bei 20 bis maximal 30 Prozent“, sagt beispielsweise Oliver Reichenstein, Chef der Züricher Firma iA Inc., die ein Schreibprogramm entwickelt. Die Gebühr fresse die Marge praktisch vollständig auf.

    „Wir haben das Glück, dass wir erfolgreich genug sind, um davon zu leben“, sagt der Designer. „Aber obwohl wir Millionen von Apps verkauft haben, drückt die 30-Prozent-Marge unseren Profit und damit das Wachstumspotenzial auf das Niveau einer Pizzeria herunter.“

    Noch schwieriger ist die Situation für Unternehmen, die direkt mit Apple konkurrieren. „Uns liegen die 30 Prozent schwer im Magen – vor allem, weil derjenige, der uns die 30 Prozent abnimmt, ein Wettbewerber ist“, berichtet Alexander Holland, der beim Musikdienst Deezer im Vorstand Inhalte und Strategie verantwortet.

    Zum einen seien die Margen in dem Geschäft ohnehin niedrig. „Selbst die 15 Prozent, die ab dem zweiten Jahr fällig werden, sind für Streamingdienste noch viel.“ Zum anderen bedeute die Gebühr eine Einschränkung bei der Preisgestaltung, zum Beispiel bei Werbeaktionen.

    Apple argumentiert, dass es davon die Kosten für Kundenservice, Bezahlsystem und Infrastruktur trägt – auch für kostenlose oder werbefinanzierte Programme, deren Entwickler nichts zahlen müssen. Das Börsenschwergewicht gab sogar eine Studie in Auftrag, um die Umsatzbeteiligungen auf anderen Plattformen von Airbnb bis zum Google Play Store recherchieren zu lassen. Das Ergebnis: Manche nehmen ebenfalls 30 Prozent, manche weniger.

    Die Kritiker lassen das nicht gelten: Der App Store sei durch den Boom der App-Ökonomie immer lukrativer geworden, weil die Kosten nicht annähernd proportional zum Umsatz gestiegen seien. Tatsächlich handelt es sich um ein riesiges Geschäft: Nach einer Kalkulation des TV-Senders CNBC erwirtschaftete Apple mit den Gebühren allein 2019 rund 15 Milliarden Dollar Umsatz.

    Apple dominiert beim App-Verkauf

    Tatsächlich ist Apple punktuell zu Konzessionen bereit. Am Freitag setzte Apple eine Regel für drei Monate aus, nach der Veranstalter von digitalen Events 30 Prozent ihres Umsatzes abgeben müssen.

    Viele Musiker, die während der Corona-Pandemie keine Konzerte spielen können, waren auf Live-Cam-Konzerte via Facebook umgestiegen. Nach Protest von Facebook reagierte Apple.

    Umgehen lässt sich der Store jedoch nicht. Während Google es beim Betriebssystem Android ermöglicht, Apps aus anderen Quellen herunterzuladen, verbietet Apple das. Der iPhone-Hersteller argumentiert damit, dass er Nutzer damit vor schädlicher Software schützt, was Analysen von IT-Sicherheitsfirmen durchaus bestätigen. Geschützt wird damit allerdings auch die hohe Profitabilität.

    Das Problem für die App-Entwickler: Sie können oder wollen nicht auf iPhone und iPad verzichten. „Apple hat ohne Zweifel ein Monopol“, sagt iA-Gründer Reichenstein. Das gelte zwar nicht für den Marktanteil bei Smartphones, aber für den Verkauf von Apps. Im ersten Halbjahr 2020 waren die Ausgaben im App Store nach Einschätzung des Marktforschers Sensor Tower doppelt so hoch wie in Googles Play Store – obwohl deutlich weniger Nutzer die Smartphones mit dem Apfel-Logo verwenden.

    Nicht zuletzt äußern viele Entwickler den Eindruck, dass Apple seine Macht missbraucht, um Konkurrenten kleinzuhalten und zum Schweigen zu bringen – die „Coalition for App Fairness“ moniert „wettbewerbsfeindliche Regeln im App Store“.

    Öffentlich meldet sich beispielsweise Blix zu Wort: Das Start-up, das ein E-Mail-Programm entwickelt, hat den Konzern im Oktober 2019 verklagt, weil dieser eine Funktion zur anonymen Anmeldung kopiert habe. Danach habe Apple sich immer wieder mit unfairen Taktiken gerächt, sagt Mitgründer Ben Volach.

    So ist es mit dem neuen Betriebssystem iOS 14 möglich, dass Nutzer für E-Mails und Browser alternative Apps als Standard festlegen – theoretisch auch Blix. Allerdings genehmigt Apple die neue Version der E-Mail-Software nicht.

    Ein Verstoß gegen Regeln liege nicht vor, betont Volach: „Das ist Heuchelei – die wollen nur nicht, dass Blix die Standard-App auf dem iPhone wird.“ Apple äußerte sich auf Anfrage zu keinem der Vorwürfe.

    Deezer-Manager Holland ist überzeugt: Freiwillig wird Apple die Regeln nicht verändern. Die Mitglieder der Allianz hoffen, dass sie nun Druck ausüben können – in der Öffentlichkeit und in der Politik. In der Europäischen Kommission ist bereits eine Kartellklage von Mit-Koalitionär Spotify anhängig.

    Mehr: So will Fortnite-Entwickler Tim Sweeney Apples „absolutes Monopol“ brechen.

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