Computer im Design von Hifi-Komponenten sollen das Digitale Wohnzimmer Wirklichkeit werden lassen Digitales TV mischt Branche auf

Das Geschäft mit der jüngsten Fernseher-Generation blüht: 2005 werden weltweit etwa 3,5 Millionen Plasma-Displays verkauft werden, fast ein Zehntel davon in Deutschland, schätzt der japanische Elektronikkonzern Pioneer. Die flachen Geräte sind nicht nur schick: Auch bei hellem Tageslicht und extremen Blickwinkeln bieten Plasma-Displays eine brillante Darstellung. Zudem locken sie mit einer Lebensdauer von bis zu 30 Jahren.
  • Lars Reppesgaard
Kurz vor Beginn der weltgrößten Computermesse werden Flachbildfernseher auf dem Messegelände angeschlossen. Foto: dpa

Kurz vor Beginn der weltgrößten Computermesse werden Flachbildfernseher auf dem Messegelände angeschlossen. Foto: dpa

HB HANNOVER. Die neue Technik hat allerdings noch ihre Tücken. So sind 70 Prozent aller zurzeit erhältlichen Flachbildschirme nicht für High Definition-Inhalte, also hoch auflösende Standards wie HDTV oder HD-DVD geeignet, warnt man bei Pioneer. Damit wäre der neue Superfernseher ein wertloses Stück Technik. Denn den eigentlichen Charme des Digitalen Wohnzimmers sollen nicht nur brillante Bilder, sondern vielfältige Medienangebote aus der Computerwelt ausmachen.

TV-Apparate entwickeln sich deshalb zu Geräten, die auch digitale Signale verarbeiten. "Die Digitalisierung der Fernsehübertragung und damit auch der Endgeräte wird in den nächsten zwei Jahrzehnten zu gravierenden Umbrüchen führen", sagt Thomas Becker, Geschäftsbereichsleiter bei der Buhl Data Service GmbH in Neunkirchen.

Ein Grund dafür ist die immer größere Verbreitung digitaler Übertragungsstandards für TV-Signale. In Deutschland wird das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T bereits in fünf Metropolenregionen ausgestrahlt, 2005 kommen München, Nürnberg und Teile Mitteldeutschlands hinzu. Dort können Zuschauer Programme nicht nur im Wohnzimmer empfangen, sondern mit Hilfe von Zusatzgeräten überall, zum Beispiel auch auf dem Laptop.

Digitale Set-Top-Boxen, die mit Hilfe des Internetprotokolls (IP) Programminformationen finden, aber auch die Verbreitung von Komprimierungsformaten wie MPEG oder dem DivX-Codec für Filme und MP3 für Musik deuten an, dass vor diesem Hintergrund die PC-Technologie zur allgemeinen Verkehrssprache zwischen den Unterhaltungsformen wird. "Die Kunden werden nicht wissen, dass sie durch ihre Kaufentscheidung offene Standards unterstützen", sagt Forrester-Analyst Jackson. "Aber sie wollen sich nicht an einen Hersteller binden. Niemand will einen Fernseher, an den ich dann nur einen DVD-Player eines bestimmten Herstellers anschließen kann."

Um einen Fernsehapparat so intelligent wie einen Computer zu machen, braucht es die Unterstützung eines PCs und einer so genannten Media Center Lösung. Diese Software ist die Steuerzentrale zum Bedienen von Medienangeboten aller Art: Musikdateien, Digital-Fotos oder Videos lassen sich mit der TV-Fernbedienung abrufen. Die Anwendungen legen dafür über das Betriebssystem eines Computers eine neue Oberfläche, die für Fernsehschirme optimiert ist und sich problemlos per Fernbedienung steuern lässt.

Damit lassen sich auch elektronische Programmführer, die selbstständig etwa nach Sportsendungen suchen, vom TV aus ansteuern. Sendungen lassen sich einfach mit einer Pausentaste während der Ausstrahlung anhalten. Eine Computerfestplatte (Harddisk) dient als digitaler Videorecorder, der sogar automatisch Werbeblöcke löschen kann.

Viele Anbieter versuchen, über die Media Center und Harddisk-Recorder ins Unterhaltungsgeschäft einzudringen: Open Source-Programmierer oder der Maushersteller Logitech haben eigene Steuerlösungen für die neue Medienwelt entwickelt, Microsoft veröffentlichte die "Windows XP Media Center Edition". Intel bewirbt derweil "Entertainment-PCs", Rechner mit Intel-Prozessoren und anderen Komponenten, die nicht länger auf oder unterm Schreibtisch stehen, sondern direkt im Wohnzimmer. Sie lassen sich direkt an den Fernseher anschließen.

Damit drängen die IT-Unternehmen in Geschäftsfelder, in denen Sony, Sharp, Philips und die übrigen Hersteller von Unterhaltungselektronik lange unbedrängt wirtschaften konnten. Allein Intel wird rund 60 bis 70 Prozent seiner Cebit-Präsentationen dem digitalen Zuhause widmen. Die Kluft zwischen Computertechnik und Unterhaltungselektronik sei inzwischen geschlossen, sagte Craig Barrett, der Chef des weltgrößten Chipherstellers, auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas Anfang Januar.

Auch wenn die PC-Technologie nun als Brücke zwischen den Produkten so unterschiedlicher Unternehmen wie Intel, Philips, Fujitsu, Bosch oder Microsoft dient, tun die Anbieter alles, um den Eindruck zu vermeiden, dass die Komplexität und Fehleranfälligkeit des Heimcomputers nun auch im Wohnzimmer für Unmut sorgen könnten. Die Folge sind Computer im Design von HiFi-Komponenten. "Unsere Lösungen basieren zu zwei Dritteln auf PC-Technologie und zu einem Drittel auf TV-Technologie, aber die Bedienbarkeit ist zu 80 Prozent an die TV-Fernbedienung angelegt. Die Geräte sind sehr einfach gehalten", sagt Björn Fehrm, Leiter des Bereichs Digital Home bei Fujitsu Siemens Computer (FSC).

Neben Entertainment-PCs und LCD-Fernsehern zeigt sein Unternehmen auch die jüngste Version des "Activy Media Center". Das ist ein digitaler Videorekorder mit Internetanbindung, der auch auf Dienste wie Video on Demand oder Webmail vorbereitet ist. Bereits im letzten Jahr hatte FSC eine derartige Lösung gezeigt, in den Hifi-Märkten blieben die Geräte allerdings liegen. "Es ist ein Erklärthema", räumt Fehrm ein. "Die Leute fragen, was ist denn bitte ein Media Center. Deswegen sagen wir nun, dass es sich hier um einen Harddisk-DVD-Recorder handelt."

Neben der Mühe der Vermittung hatte das Digitale Wohnzimmer zumindest im letzten Jahr noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Die neuen Harddisk-Recorder harmonieren nicht immer mit neuen LCD-Fernsehern: die für die Bildgenerierung nötige Takt- und Pixelzahl und Pixel überfordert die Chips. In diesem Jahr sollen derartige Probleme gelöst sein. Das zumindest versprechen die Hersteller.

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