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Computerspielbranche Gamer-Szene widerspricht Seehofers Kritik nach Attentat in Halle

Nach dem Attentat von Halle wehrt sich die Videospiel-Branche gegen schlechtes Image und Vorurteile – und gegen Vorwürfe von Innenminister Seehofer.
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Horst Seehofer will Videospiel-Foren stärker in den Fokus nehmen. Quelle: imago images/ITAR-TASS
Konzentrierte Gamer

Horst Seehofer will Videospiel-Foren stärker in den Fokus nehmen.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Düsseldorf, Berlin Nach dem Attentat auf eine Synagoge in Halle wehrt sich die Videospielbranche gegen ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Kritik. Auch wenn der rechtsextreme Täter sich Begriffen aus der Games-Welt bedient habe, seien Videospiele nicht die Ursache für die Tat, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Videospiel-Verbands Game, dem Handelsblatt.

Der Täter, der in der Saalestadt in der vergangenen Woche eine Synagoge angegriffen und dabei zwei Menschen getötet hatte, hatte seine Tat mit einer Helmkamera gefilmt und auf einer bei Gamern beliebten Videoplattform live übertragen. Dabei verhielt er sich wie in einem Videospiel.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) zog daher einen Zusammenhang zwischen der Tat und der Videospielszene: „Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene“, sagte er der ARD. „Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen.“

Diese Aussagen empören nun viele Computerspieler und den Branchenverband Game. Er sieht die Branche unzulässig unter Generalverdacht gestellt. „Wenn sich der Täter Begriffen aus der Games-Welt bedient, hat das mit der heutigen Lebens- und Medienrealität zu tun, aber es ist nicht die Ursache für so eine Tat“, sagte Verbandsgeschäftsführer Falk.

Die Computerspielbranche sieht sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, ihre Produkte würden Spieler radikalisieren. Darunter leidet nicht nur der Ruf. Dass das Attentat in Halle nun wieder in Verbindung mit Videospielen gebracht wird, könnte sich auch wirtschaftlich auswirken: Im November muss das Parlament entscheiden, ob die Branche auch 2020 wieder aus Haushaltsmitteln gefördert wird.

„Falsch, ganze Community zu dämonisieren“

Widerspruch erntete Seehofer auch von Experten. „Es ist falsch, die ganze Games-Community zu dämonisieren“, sagt auch die Extremismusforscherin Julia Ebner von der Londoner Denkfabrik Institute for Strategic Dialogue. Ihr liegen sowohl das „Manifest“ des Täters als auch das Video seiner Helmkamera vor. Auch auf ihren Erkenntnissen beruhen daher jetzt die Rückschlüsse von der Tat auf die Branche.

„Der Täter von Halle nutzt eindeutig die Sprache, die in diesen Foren genutzt wird, in denen sich Rechtsradikale und Gamer treffen“, sagt sie. „Wir beobachten in den letzten Jahren eine immer stärkere Überlappung bei rechtsextremen und computerspielbezogenen Netzkulturen.“

Für Felix Falk ist die Sache damit klar: „Der Täter hat sich nicht in Games radikalisiert, sondern in rechten Online-Netzwerken“, sagt er. Julia Ebner sieht aber auch die Betreiber von Onlineforen in der Verantwortung: „Die Propaganda und die Anwerbungsversuche rechtsradikaler Gruppen suchen sich ihren Weg auf die eigentlich harmlosen Plattformen der Gamingcommunity.“

Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, regt deshalb eine Debatte an, die beide Seiten beleuchtet. „Die Anbieter von Plattformen, die das Streamen von Livevideos, aber auch die sonstige Verbreitung von Videomaterial ermöglichen, haben eine besondere Verantwortung“, sagte er dem Handelsblatt. „Es ist jetzt genauer zu klären, wie schnell und effektiv auf Twitch reagiert wurde.“ Zimmermann sieht zudem die Sicherheitsbehörden in der Pflicht, die Aufklärung rechter Strukturen im Internet zu verstärken.

Damit greift der SPD-Politiker auf, was Ebner sich erhofft: „Die Politik darf unter digitaler Kompetenz nicht nur die Unterscheidung zwischen echten und falschen Fakten verstehen. Wir müssen auch ein Bewusstsein für Netzkulturen und Gruppendynamiken schaffen“, sagte die Extremismusforscherin.

Mehr: Der Rechtsextremist von Halle streamte seine Tat über Twitch, eine Plattform, die vor allem von Gamern genutzt wird. Das ruft den Bundesinnenminister auf den Plan.

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