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Corona stärkt IT-Markt Laptop-Hersteller hoffen auf dauerhaften Boom

In der Coronakrise sind Notebooks wieder gefragt – auch bei jungen Nutzern. Hersteller wie HP haben Sonderkonjunktur, auch Apple investiert massiv.
11.11.2020 - 12:57 Uhr Kommentieren
Die Generation Smartphone nutzt bislang selten PCs – das könnte sich durch die Coronakrise ändern. Quelle: dpa
Schüler am PC

Die Generation Smartphone nutzt bislang selten PCs – das könnte sich durch die Coronakrise ändern.

(Foto: dpa)

San Francisco, Hamburg, Düsseldorf Die Generation Smartphone ist bislang weitgehend ohne PC durchs Leben gekommen, zum Leidwesen von Christoph Schell – auch seine zwei Kinder „haben damit nicht viel am Hut“. Dabei hat der Vater Zugriff auf aktuelle Hardware: Als Chief Commercial Officer ist er bei HP für die Vermarktung von Computern, Druckern und Zubehör verantwortlich.

Doch durch die Coronakrise tut sich was, auch im Hause Schell. „Die beiden benutzen Desktops und Notebooks nicht nur, um die Kurse an der Uni zu machen, sondern auch, um das Privatleben zu gestalten“, beobachtet der Deutsche, der mit der Familie an der amerikanischen Westküste lebt. So flimmern jetzt auch Videos von Netflix auf den PCs. „Die Generation, die gerade in die Schule und Hochschule geht, hat den Laptop neu für sich entdeckt“, ist er überzeugt.

Die Coronakrise verschafft HP und anderen PC-Herstellern eine Sonderkonjunktur. Millionen Menschen arbeiten, lernen und spielen derzeit zu Hause, und vermutlich wird sich auf Monate nichts daran ändern. Dafür rüsten sie sich aus – ebenso wie viele Unternehmen, die ihren Mitarbeitern nach den überwiegend guten Erfahrungen in den vergangenen Monaten auch dann die Arbeit im Homeoffice gestatten werden, wenn die Pandemie vorbei ist.

Angesichts dieser neuen Normalität sind PCs so gefragt wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, als Smartphones gerade an Popularität gewannen: Im dritten Quartal verzeichnete das Analysehaus Canalys bei den Auslieferungen an den Handel im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 13 Prozent auf 79 Millionen Stück. Auch in den nächsten Monaten werde die Nachfrage hoch sein, sagt Analyst Ishan Dutt – schon deshalb, weil es wegen der Produktionsausfälle am Jahresanfang Nachholbedarf gebe.

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    Die Hersteller hoffen, dass es sich dabei nicht nur um einen Einmaleffekt handelt: Die Nutzer sollen eine neue Begeisterung für den PC entwickeln. Um die Nachfrage bedienen zu können, müssen die Konzerne und ihre Zulieferer allerdings erst die Lieferschwierigkeiten in den Griff bekommen.

    Totgesagt, aber nicht ausgestorben

    Nachrufe auf den PC erscheinen bereits seit zehn Jahren, als der damalige Apple-Chef Steve Jobs bei der Präsentation des iPads erklärte, dass die Gerätekategorie sterbe. Tatsächlich schrumpfte der Absatz über viele Jahre: Ob für die Bearbeitung von Fotos und Videos oder das Streaming von Musik und Filmen, für viele Aufgaben reichen Smartphone und Tablet dank steigender Rechenleistung und hochwertiger Bildschirme inzwischen aus.

    Dass der PC nicht tot ist, hat jedoch das Frühjahr gezeigt: Die Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Pandemie zwangen Unternehmen auf einmal dazu, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, mit PC und idealerweise auch mit Dockingstation, Maus und Monitor. Und auch die Schüler mussten ihren Stoff auf einmal zu Hause absolvieren, am besten an einem Gerät mit bequemer Tastatur und großem Bildschirm.

    Auch Apple investiert übrigens weiter massiv in die Kategorie: Am Dienstag stellte der Elektronikhersteller eine neue Generation von Mac-Modellen vor. Diese sollen mehr Leistung bei weniger Stromverbrauch ermöglichen – um das zu illustrieren, ließ der Konzern einen „I’m a Mac“-Werbeclip produzieren, in dem er sich über PCs lustig machte. Wie in jenen Zeiten, als das noch die entscheidende Wahl war.

    Möglich soll das der M1 machen – Apples erster selbstentwickelter PC-Chip seit 15 Jahren, der in allen drei Geräten mit 13 Zoll Bildschirm-Diagonale stecken wird. Dass Intel als Chiplieferant für die Macs aussortiert wird, hatte das Unternehmen bereits auf seiner Entwickler-Konferenz WWDC angekündigt. Apples ältestes Produkt folgt als letztes ins Reich von „Apple Silicon“. Die Chips mit fünf Nanometern Strukturgröße basieren auf einem Design des britischen Unternehmens ARM, der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC wird sie produzieren.

    Im abgelaufenen Quartal übersprangen die Macs die Marke von neun Milliarden Dollar Umsatz und überholten sogar die – ebenfalls gut laufenden – Accessoires wie Apple Watch und AirPods in Apples Bilanz.

    „Früher sind wir davon ausgegangen, dass es pro Haushalt einen PC gibt – aber das reicht nicht mehr aus, fast jedes Familienmitglied muss ein Gerät haben“, sagt HP-Manager Schell. Das gilt nicht nur aktuell, wie Marktforscher bestätigen: Das Homeoffice gehört zur neuen Normalität. „Ich glaube, dass es kein Strohfeuer ist, dass wir einen neuen Lebenszyklus für die ganze Kategorie haben“, sagt Schell. Galt früher das Diktum von Bill Gates, auf jeden Schreibtisch einen PC zu stellen, gilt heute das Ziel: ein Laptop auf jedem Schoß.

    Auch bei Firmenkunden ist die Nachfrage hoch. Während der ersten Welle im Frühjahr ging es darum, die Mitarbeiter überhaupt mit PCs auszustatten – nun gebe es in vielen IT-Abteilungen strategische Bemühungen, die Kollegen mit passender Hardware auszustatten, berichtet HP-Manager Schell. Dank des Notebook-Booms konnte das Traditionsunternehmen, das das Silicon Valley mitbegründete, zuletzt den Rückgang im Druckergeschäft zumindest ausgleichen.

    PC-Hersteller verlieren an Strahlkraft

    Die unerwartete Nachfrage kommt gelegen. Während Lenovo und HP, Acer und Asus PCs in großen Mengen verkaufen, haben sie bei Smartphones keine nennenswerten Erfolge aufzuweisen – anders als Konkurrent Apple, bei dem das iPhone längst viel wichtiger ist als der Mac. Damit haben die Marken der klassischen PC-Hersteller bei Privatnutzern an Strahlkraft verloren.

    Acer beispielsweise hat sich nach acht teils verlustreichen Jahren aus dem Smartphone-Geschäft zurückgezogen. Entsprechend laut trommelt Konzernchef Jason Chen für den PC. Seine These: Im Homeoffice entdecken die Privatleute den Computer als Mittelpunkt ihres Zuhauses wieder.

    Die unerwartete Nachfrage kommt den Herstellern gelegen. Quelle: AFP
    Hewlett Packard

    Die unerwartete Nachfrage kommt den Herstellern gelegen.

    (Foto: AFP)

    „Als die Leute ihren Heim-PC nur noch zum Internetsurfen genutzt haben und das Smartphone für den Rest, war die Ausstattung nicht so wichtig“, sagte er dem Handelsblatt. „Doch im Homeoffice merken sie, wie wichtig nicht nur der Prozessor, sondern auch Ausstattung wie Webcam und Akkus sind.“ Die nachhaltige Nutzung solcher Funktionen werde den Herstellern eine kontinuierliche Nachfrage bescheren, erwartet er.

    Tatsächlich: Die Ausstattung spielt eine große Rolle. „Die Hersteller positionieren ihre Geräte für eine Vielzahl von Anwendungsfällen“, beobachtet Canalys-Analyst Dutt – für den Einsatz unterwegs, aber auch für eine hochwertige Wiedergabe von Ton und Klang. Die Differenzierung des Produktportfolios sei entscheidend für Wachstumsimpulse.

    Leistungsfähige Notebooks für die Arbeit sind ebenso gefragt wie getunte Geräte für Computerspiele, außerdem billige Chromebooks und iPads für die Schule, dazu Monitore, Tastaturen und Mäuse. Zudem gebe es eine „Renaissance des Druckens“, sagt HP-Manager Schell – auch deutsche Privatnutzer stellen sich wieder ein Gerät ins Arbeitszimmer. Das hilft, den durch die Coronakrise bedingten Rückgang des Bürogeschäfts in Deutschland zumindest teilweise wieder auszugleichen.

    Die PC-Hersteller haben allerdings arge Probleme, mit der Produktion nachzukommen: Zum einen ist die Nachfrage so groß wie seit Jahren nicht, zum anderen standen die Bänder einige Zeit still, als es Anfang des Jahres in weiten Teilen Chinas und anderswo massive Ausgangsbeschränkungen gab.

    „Die Nachfrage geht durchs Dach. Sie ist höher als das Angebot“, sagte Acer-Chef Chen. Dabei gebe es keinen einzelnen Flaschenhals, vielmehr seien mehrere Bauteile knapp. „Wir reagieren darauf mit großer Transparenz und arbeiten eng mit unseren Zulieferern an Lösungen“, sagte Chen. Vorwürfe könne er niemandem machen, schließlich sei der Corona-Effekt unerwartet aufgetreten.

    „Die Flexibilität, wie man mit größerer Nachfrage umgeht, ist weg“, sagt auch HP-Manager Schell. „Wenn wir eine größere Menge bestellen, müssen wir teilweise monatelang warten.“ Für den erfahrenen IT-Manager entbehrt das nicht einer gewissen Ironie: „Ich habe in meiner Karriere jahrzehntelang versucht, die Lieferkette günstiger zu organisieren. Erstmals sieht man, dass Kosten nicht alles sind – die Resilienz ist auch wichtig.“

    Mehr: Apple rüstet seine Macs fürs Homeoffice-Zeitalter

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