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Coronakrise Start-ups erheben schwere Vorwürfe gegen Google

Start-ups wie GetYourGuide und Flixbus schulden dem Konzern Millionen für Werbung. Wegen der Krise fordern sie Google auf, ihnen entgegenzukommen.
30.04.2020 - 15:24 Uhr 1 Kommentar
Der Konzern pocht darauf, dass die Start-ups für die Werbung zahlen. Quelle: AFP
Google-Logo

Der Konzern pocht darauf, dass die Start-ups für die Werbung zahlen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf, Hamburg Diese Woche erst zeigte sich der Google-Mutterkonzern überraschend krisenfest. Zwischen Januar und März erlöste Alphabet rund 41 Milliarden Dollar – und damit fast eine Milliarde mehr als von Analysten erwartet.

Einige prominente Vertreter der deutschen Start-up-Szene dürften diese Zahlen aufmerksam verfolgt haben. Denn sie haben seit einigen Wochen einen heftigen Streit mit dem Konzern. Im Zentrum dieses Konflikts: die digitalen Reise- und Tourismusunternehmen rund um GetYourGuide, Trivago und Flixbus. Sie wollen ihre Rechnungen für Google-Werbung nicht zahlen – und verweisen dabei auf die Coronakrise.

Denn die Reiseunternehmen mussten in den vergangenen Wochen Millionensummen an ihre Kunden zurückerstatten, nachdem der Tourismus praktisch vollkommen zum Erliegen gekommen war. Um ihre Firmen zu retten, verhandeln viele der Unternehmer nun mit der staatlichen Förderbank KfW über Millionenkredite. Zugleich fordern sie Entgegenkommen von ihren Geschäftspartnern – offenbar mit Erfolg. Digitalunternehmen wie Microsoft, Facebook und Amazon sollen bereits zugestimmt haben, fällige Zahlungen zu verschieben – oder in Einzelfällen sogar zu erlassen, heißt es aus dem Umfeld der Start-ups.

Nur ein Unternehmen wollte sich auf solche Diskussionen nach Angaben der deutschen Reise-Start-ups nicht einlassen: Google. Der Internetkonzern pocht weiter auf das Zahlungsziel von 30 Tagen für die getätigten digitalen Anzeigen.

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    Das bringt die digitalen Tourismusunternehmen in eine schwierige Lage. Zwar sind die Werbeausgaben, um die es jetzt geht, meist kurz vor der Coronakrise angefallen. Die Anzeigen sind also bereits bei Google angeklickt worden – doch die dadurch vermittelten Reisen mussten die Unternehmen erstatten. Deshalb fordern die Start-ups, dass ihnen Google entgegenkommt. Dabei gehe es immerhin um einen Betrag von rund 40 Millionen Euro, schätzt ein Brancheninsider.

    „Alle anderen Tech-Konzerne und Software-Anbieter lassen mit sich reden, nur Google nicht“, sagt GetYourGuide-Gründer Johannes Reck. „Wir stehen deshalb vor der absurden Situation, dass wir die Google-Rechnungen mit KfW-Krediten bezahlen müssen.“

    Brief an den Google-Vorstand

    Nachdem sie auf Arbeitsebene nicht mehr weitergekommen sind, wenden sich die acht Unternehmer nun in einem Brief an Google-Vorstand Philipp Schindler: Mit der harten Linie bei den Zahlungsbedingungen entziehe sich Google der gemeinsamen Verantwortung, die von Reisestornierungen betroffenen Kunden zu entlasten, argumentieren sie in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. „Wir rufen Google auf, Führungsstärke und Solidarität zu zeigen, die nötig sind, um uns durch diese schwierige Zeit zu bringen.“

    Sie schlagen vor, dass alle Unternehmen, die staatliche Hilfsgelder bekommen, ihre Zahlungen stunden können. „Solange Google keine größere Flexibilität beweist, werden viele Werbepartner gezwungen sein, Staatskredite zu nutzen, um ihre Schulden zu zahlen. Dringend benötigtes Geld wird in Googles Kassen fließen auf dem Rücken der Steuerzahler in Deutschland und weltweit“, klagen die Unterzeichner. Der Brief wurde über den Bundesverband Deutsche Start-ups an Google übermittelt.

    Die acht unterzeichnenden Unternehmen haben nach eigenen Angaben 2019 zusammen rund eine halbe Milliarde Euro an Google überwiesen. „Wir sind schockiert und enttäuscht, dass der Konzern angesichts der schwierigen Lage nicht mit sich reden lässt“, sagt Reck.

    Google will sich auf die Erstattung von Ausgaben für Werbung, die bereits angeklickt wurde, offenbar nicht einlassen. Ein Sprecher verwies stattdessen auf bereits angekündigte globale Hilfen des Konzerns für kleine und mittelgroße Unternehmen.

    Dazu gehört, dass Google Bestandskunden Gratiswerbung im Wert von 340 Millionen Dollar anbieten will. „Wir sind entschlossen, mehr zu tun, um unseren Nutzern und Kunden in dieser Krise zu helfen. Wir stehen dazu im ständigen Austausch mit unseren Geschäftspartnern, einschließlich der Reisebranche“, kündigte der Sprecher an.

    GetYourGuide-Gründer Reck sagt dazu, dass Google die Gespräche mit seinem Unternehmen über die Programme abgebrochen habe, weil sein Start-up sich für keines der Programme qualifiziere. Allerdings ist GetYourGuide auch nicht arm: Mit 484 Millionen Euro gelang Reck vor einem Jahr eine der höchsten Finanzierungsrunden in Deutschland.

    Politik springt Start-ups bei

    Die Politik unterstützt die Forderung der Unternehmer nach konkreterer Unterstützung. „Eines der profitabelsten Unternehmen der Welt sollte sich ebenso solidarisch verhalten wie die anderen Unternehmen auch“, sagt der Beauftragte für Start-ups im Wirtschaftsministerium, Thomas Jarzombek (CDU), dem Handelsblatt.

    Die von Google angekündigten Hilfen im Einzelfall seien aus seiner Sicht der falsche Weg: „Meine Sorge ist, dass dann eher denen geholfen wird, die in keinem Konkurrenzverhältnis zu Google stehen“, sagt Jarzombek. „Google darf die Hilfe nicht nach Gutsherrenart verteilen.“

    Ähnlich sieht man es bei der Opposition: „Das Verhalten von Google ist moralisch, aber auch ökonomisch fahrlässig“, sagt der Leiter des Grünen Wirtschaftsbeirats im Bundestag, Danyal Bayaz. „Der Internetkonzern müsste ein eigenes Interesse am Überleben seiner Kunden haben.“ Bayaz fordert: „Es sollte juristisch geprüft werden: Haben wir es mit dem Wegfall der Geschäftsgrundlage durch die Pandemie zu tun? Dann müsste Google die Umsätze zurückerstatten.“

    Der öffentliche Druck auf Google könnte in der Krise Wirkung zeigen. Das zeigt das Beispiel Adidas: Der Sportkonzern einigte sich nach einiger Empörung mit den Vermietern seiner Läden, auf rechtlich erlaubte Mietstundungen zu verzichten.

    Mehr: Bund bringt zwei Milliarden Euro Hilfen für Start-ups auf den Weg.

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    1 Kommentar zu "Coronakrise: Start-ups erheben schwere Vorwürfe gegen Google"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich finde es unverschämt von den erwähnten Firmen einen Preisnachlaß von Google zu fordern. Mit ihren immensen Werbegelder graben sie den eingessesenen Busunternehmer, Reisebüros, usw. das Wasser ab. Aber "Start-up´s" gilt nicht das "Gesetz des ehrbaren Kaufmanns". Und der Steuerzahler soll es richten. Trivago usw. knebelt die Hoteliers, Flixbus die Busunternehmer und dafür Steuergelder? Und dann Forderungen stellen? Hoffentlich bleibt Google hart.

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