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Handy-Ortung

Die EU-Kommission möchte anonyme Handydaten der Bürger in Europa auswerten, um Aussagen über die Verbreitung des Coronavirus zu treffen.

(Foto: dpa)

Coronakrise Wie die EU Handy-Ortung gegen das Coronavirus einsetzen will

Netzbetreiber wie die Telekom, aber auch Plattformen wie Facebook sollen Daten liefern, um die Entwicklung der Corona-Pandemie zu verfolgen.
29.03.2020 - 07:56 Uhr Kommentieren

Die digitalen Netze in Europa sind zur Überlebenslinie in Zeiten der Corona-Pandemie geworden. Jüngst schaltete EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton die wichtigsten Entscheider der Branche zum Gespräch zusammen. Telekom-CEO Timotheus Höttges war dabei. Aber auch Vodafone-Chef Nick Read, Telefónica-Chairman José María Álvarez-Pallete López sowie sechs weitere Top-Manager der Branche.

Breton ging es nicht nur darum, die Bedeutung der Branche in dieser Krisenzeit deutlich zu machen. Er stellte einen weitreichenden Plan vor. Der frühere IT-Manager will Ortungsdaten von den Kunden der Firmen bekommen, um anhand der Bewegungen die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bewerten zu können.

Auch Internetplattformen wie Facebook sollten Informationen liefern, sagte Breton vergangene Woche – er telefoniere dazu beinahe täglich mit Konzernchef Mark Zuckerberg. Die Daten würden in Computermodelle des EU-Forschungsinstituts JRC eingespeist, um die Ausbreitung des Virus in den einzelnen EU-Ländern besser vorhersagen zu können.

Dies sei wichtig, um dorthin rechtzeitig genügend medizinische Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte zu bringen. „Die gute Nachricht ist: Ich habe jetzt die richtigen Instrumente“, so Breton.

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Standort erkennen

    Die Einzelheiten des Vorhabens sind laut einem Kommissionsprecher noch nicht geklärt. Er betonte am Freitag aber, es handele sich um aggregierte und anonymisierte Bewegungsdaten, die nicht auf einzelne Personen zurückverfolgt werden könnten. Ziel sei es, einen Anbieter pro Land für die Initiative zu gewinnen, um eine aussagekräftige Stichprobe zu bekommen. Die Daten würden nur solange gespeichert, wie die aktuelle Krise andauere.

    Bewegungsprofile sollen verglichen werden

    In Deutschland werden vergleichbare Daten bereits eingesetzt, um zu verfolgen, ob sich die Bürger an die staatlichen Auflagen halten und wirklich mehr Zeit in ihren Wohnungen und Häusern verbringen. Brüssel könnte die Daten ähnlich einsetzen. Es ist geplant, dass etwa die Bewegungsprofile nachts und tagsüber verglichen werden.

    Die Telefonschalte mit Breton war vom Branchenverband GSMA mitorganisiert worden. GSMA-Direktor Mats Granryd betonte, die Mitgliedsfirmen unternähmen alles, um beim Kampf gegen das Virus zu helfen.

    „Wir werden mit der EU-Kommission, nationalen Regulierungsbehörden und internationalen Organisationen zusammenarbeiten, um Lösungen auf Basis von Big Data oder Künstlicher Intelligenz im Kampf gegen die Pandemie auszuloten.“ Datenschutz und ethische Grundsätze würden dabei beachtet.

    Der Europäische Datenschutzbeauftragte Wojciech Wiewiórowski mahnte in einem Brief an die Kommission, klar zu definieren, welche Daten sie angefordert habe. Zudem solle die Behörde die Öffentlichkeit transparent informieren, „um mögliche Missverständnisse zu vermeiden“.

    In einigen Ländern wie Deutschland geben Netzbetreiber bereits seit einigen Tagen oder Wochen anonymisierte Bewegungsdaten ihrer Kunden an Behörden weiter. In mehreren Tranchen teilte die Telekom Daten mit dem Robert-Koch-Institut (RKI). Die Einrichtung will damit verfolgen, ob sich die Menschen in Deutschland an die Kontaktsperren halten und wirklich mehr Zeit zu Hause verbringen.

    Ähnlich könnte das Vorgehen der EU aussehen. Eine Telekom-Sprecherin sagte: „Solche anonymisierten Massendaten sollen europäische Mobilfunkbetreiber auch der EU-Kommission auf deren Bitte zur Verfügung stellen.“

    Zunächst stelle die Telekom der Kommission eine Beschreibung der Daten zur Verfügung, die sie dem RKI geliefert hatte. „Klar ist, dass wir die deutschen und europäischen Gesundheitsbehörden im Rahmen der datenschutzrechtlichen Grundlagen unterstützen“, teilte der Dax-Konzern mit.

    Die Pläne in Deutschland gehen bereits weiter

    Dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, gehen die bisherigen Massendaten noch nicht weit genug. Sie sind oft nur auf etwa 500 Meter genau. Dadurch lassen sich Bevölkerungsbewegungen modellieren, aber nicht einzelne Ansteckungswege verfolgen.

    Derzeit müssten Mitarbeiter der Ämter betroffene Patienten nach einem positiven Test auf das Coronavirus einem Interview unterziehen. Dort würde erfasst, zu welchen Personen sie während der zurückliegenden zwei Wochen intensiven Kontakt hatten und sich dadurch mit dem Virus angesteckt haben könnten. „Das ist ein Prozess, der Zeit kostet“, sagte Wieler.

    Wünschenswert sei eine Applikation, die erfassen könnte, welche Personen sich für längere Zeit in kurzer Distanz zu der infizierten Person aufgehalten hätten. Damit ließen sich möglicherweise weitere infizierte Menschen zielgenau identifizieren. „Das ist technisch möglich, und das ist auch datenschutzrechtlich möglich. Ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingen wird.“

    An der Entwicklung einer entsprechenden Lösung würde seit drei Wochen mit einem Team von 25 Personen aus zwölf verschiedenen Institutionen gearbeitet. „Ich bin überzeugt, dass wir in Kürze ein überzeugendes Konzept haben werden“, sagte Wieler.

    Die EU-Kommission verfolgt die Pläne in Deutschland zwar. Derzeit gibt es laut Handelsblatt-Informationen aber noch keinen Plan, eine Applikation für die gesamte Europäische Union zu entwickeln.

    Mehr: Corona-App: Das Robert Koch-Institut arbeitet an einer App, die Personen erfasst, denen die Nutzer begegnet sind. Dabei sollen Smartphones in der Nähe gescannt und gespeichert werden.

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