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Cree Dieser Chiphersteller hat es ohne Infineon auf die Überholspur geschafft

2016 wurde dem Dax-Konzern die Übernahme von Cree untersagt. Seither hat sich der Börsenwert vervielfacht – dank der glänzenden Aussichten bei E-Autos.
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Der Autobauer könnte in den nächsten Jahren für neuen Umsatz bei Cree sorgen. Quelle: VW
Elektroauto von VW

Der Autobauer könnte in den nächsten Jahren für neuen Umsatz bei Cree sorgen.

(Foto: VW)

München Der amerikanische Chiphersteller Cree rechnet in den nächsten Jahren mit einem stark wachsenden Geschäft in Deutschland. Vorstandschef Gregg Lowe will deshalb näher an die großen Kunden aus der Autoindustrie heranrücken. In München sollen künftig 20 Ingenieure in einem neuen Zentrum Anwendungen entwickeln.

„Es werden in nächster Zeit viele Entscheidungen getroffen, und ich hoffe, dass das weiteres Geschäft für uns bedeutet“, sagte Lowe dem Handelsblatt. Insbesondere VW könnte in den nächsten Jahren für neuen Umsatz bei Cree sorgen.

Dieses Frühjahr nahmen die Niedersachsen den Konzern in ihr Zukunftsprogramm „Fast“ auf, in dem VW mit ausgewählten Zulieferern kooperiert. „Dadurch bekommen wir besseren Zugang zu den Entscheidern“, sagte Lowe. „Für uns ist das eindeutig ein Vorteil.“

Es ist kein Zufall, dass sich VW mit Cree verbündet: Die Amerikaner produzieren Halbleiter aus Siliziumkarbid. Das Material ist teuer, gilt aber in der Elektromobilität als sehr zukunftsträchtig. Mit Chips aus Siliziumkarbid sollen Elektrofahrzeuge größere Reichweiten erzielen, sich schneller laden lassen und das alles zu niedrigeren Kosten bei weniger Platz und Gewicht.

Darüber hinaus stellt der Konzern mit seinen 5000 Mitarbeitern Siliziumkarbid für andere Chiphersteller her als Rohmaterial für deren Bauelemente. Einer der großen Kunden ist der Münchener Halbleiterhersteller Infineon. Der Dax-Konzern gehört ebenfalls zu den Partnern im „Fast“-Programm von VW und spielt eine bedeutende Rolle als Zulieferer für die Stromversorgung von modernen E-Autos.

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„Unsere ‚Fast‘-Partner sind unsere strategischen Partner, die in ihrer jeweiligen Branche herausragend sind“, sagte Michael Bäcker, der bei VW für das Vorhaben zuständige Manager: „Zusammen wollen wir die automobile Zukunft gestalten.“ Cree hat schon einige Erfahrung als Lieferant für Elektromobile. Die US-Marke Tesla steht auf der Kundenliste, ebenso zahlreiche chinesische Hersteller.

Lowe hat eine Kehrtwende eingelegt

Siliziumkarbid elektrisiert nicht nur die Manager in der Autobranche. Es ist auch in den Augen der Investoren attraktiv. Seit Jahresbeginn ist der Kurs von Cree um mehr als 40 Prozent in die Höhe geschossen. Genau wegen dieses Werkstoffs beabsichtigte vor drei Jahren Infineon-Chef Reinhard Ploss, die Firma zu kaufen. Cree hält eigenen Angaben zufolge weltweit einen Marktanteil von 60 Prozent.

Es wäre für Infineon ein glänzender Deal gewesen. 850 Millionen Dollar wollte Deutschlands größter Chiphersteller 2016 für Wolfspeed hinblättern, die Halbleitersparte des US-Konzerns Cree. Die US-Behörden untersagten die Übernahme jedoch mit Verweis auf die nationale Sicherheit. Inzwischen ist Cree an der Börse rund sechs Milliarden Dollar wert. Cree beliefert unter anderem das US-Militär.

Cree gedeiht auch, weil Vorstandschef Lowe eine Kehrtwende eingeleitet hat. „Ich habe die Strategie um 180 Grad gedreht“, erläuterte der Manager. Der Ingenieur kam kurz nach dem gescheiterten Deal mit Infineon im Herbst 2017 an Bord und konzentriert sich seither genau auf jenen Bereich, den der Dax-Konzern einst kaufen wollte. Den Rest, das angestammte Lichttechnik-Geschäft, hat er erst saniert und dann dieses Frühjahr größtenteils abgestoßen.

Lowe ist seit 30 Jahren im Geschäft, war früher in führender Position bei Texas Instruments und hat dreieinhalb Jahre Freescale geführt, ehemals einer der wichtigsten Wettbewerber von Infineon im Geschäft mit Autochips. Nachdem Freescale für rund zehn Milliarden Euro vom niederländischen Rivalen NXP geschluckt worden war, wechselte Lowe zu Cree.

Der Amerikaner hat also schon viel erlebt. Trotzdem sei die jüngste Zeit sehr bemerkenswert gewesen, so Lowe: „In den vergangenen 18 Monaten habe ich mehr Manager aus der Autoindustrie getroffen als in den drei Jahrzehnten davor.“

Infineon bedauert noch heute gescheiterte Übernahme

Die Autobranche macht sich fit für das Elektrozeitalter – und Siliziumkarbid spielt dabei eine wesentliche Rolle. Lowe stellt sich deshalb auf gewaltiges Wachstum ein. In den nächsten fünf Jahren will er rund eine Milliarde Dollar in die Hand nehmen, um seine Produktionskapazitäten am Stammsitz in North Carolina auszubauen.

Einerseits will der Manager die Chipproduktion erweitern, andererseits will er mehr Siliziumkarbid produzieren, das er anderen Halbleiterherstellern verkauft. Der Ausstoß soll um das 30-Fache steigen. „Das ist eine gewaltige Investition für uns“, so Lowe.

„Ich habe die Strategie um 180 Grad gedreht.“ Quelle: Cree
Cree-Chef Gregg Lowe

„Ich habe die Strategie um 180 Grad gedreht.“

(Foto: Cree)

Dabei ist Cree im Vergleich mit anderen Halbleiterherstellern klein. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahrs (zum 31. März) kletterte der Umsatz aus fortgeführten Geschäftsbereichen um gut ein Viertel auf 828 Millionen Dollar (rund 740 Millionen Euro).

Unter dem Strich stand ein Verlust von 23 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Infineon erzielt in einem Quartal doppelt so viel Umsatz wie Cree im ganzen Jahr. Bei Infineon bedauern sie es noch heute, dass es mit der Übernahme von Cree nicht geklappt hat. Vorstandschef Reinhard Ploss lobt die Firma noch immer in höchsten Tönen, wenn er darauf angesprochen wird.

Gleichwohl, beide Seiten arbeiten inzwischen eng zusammen. Vergangenes Jahr verkaufte der Dax-Konzern einen kleineren Bereich an die Amerikaner. Cree wiederum sagte zu, über Jahre hinaus das begehrte Siliziumkarbid an Infineon zu liefern. In den vergangenen zwei Monaten sei er dreimal nach Deutschland gereist, erklärte Lowe.

Zuletzt Anfang Juli zu einem Treffen im Rahmen des „Fast“-Programms mit VW. Es sieht so aus, als würde er auch in Zukunft öfter einmal ins Flugzeug über den Atlantik setzen. Denn er rechnet fest damit, dass sich weitere Autohersteller für Halbleiter von Cree entscheiden.

Ganz auf Deutschland verlassen mag sich Lowe aber nicht. Und so werde er neben München ein zweites neues Zentrum eröffnen, in dem seine Ingenieure künftig Anwendungen nahe an den Kunden entwickeln, sagte Lowe: in China.

Mehr: Ein Viertel des Umsatzes erzielt Infineon in China. Das US-Embargo gegen Huawei-Produkte stellt den Dax-Konzern vor große Herausforderungen.

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