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Datenplattform Firmendaten vernetzen in Echtzeit: Wie Snowflake für Kunden wie Douglas Datenschätze erschließt

Der US-Software-Anbieter führt die Daten seiner Kunden aus allen Datenbanken in der Cloud zusammen. Amazon, Microsoft und Co. sind für Snowflake Partner und Rivalen zugleich.
15.06.2021 - 12:58 Uhr Kommentieren
Der IPO des Software-Konzerns im vergangenen Herbst war ein echter Volltreffer. Das Geschäft hat im Zuge der Pandemie noch einmal deutlich zugelegt. Quelle: imago images/Levine-Roberts
Snowflake-Börsengang in New York

Der IPO des Software-Konzerns im vergangenen Herbst war ein echter Volltreffer. Das Geschäft hat im Zuge der Pandemie noch einmal deutlich zugelegt.

(Foto: imago images/Levine-Roberts)

San Francisco, Düsseldorf An der Wimperntusche zeigt sich, wie stark das Geschäft von Douglas bereits digitalisiert ist. Besucht die registrierte Kundin den Online-Shop, berechnen Algorithmen, ob ihre zuletzt gekaufte Mascara allmählich aufgebraucht sein müsste.

Dann schickt Douglas einen Hinweis, doch mal wieder nachzukaufen – oder tut genau das nicht: „Wenn das Produkt aktuell ausverkauft ist, dürfen wir es auch nicht anzeigen“, sagt Vanessa Stützle, die Digitalchefin der Parfümeriekette aus Düsseldorf. Douglas muss also zahlreiche Firmendaten in Echtzeit vernetzen und analysieren. Ein wichtiger Partner dabei: der Software-Konzern Snowflake.

Der US-Anbieter führt für seine Kunden die Daten aus verschiedenen Datenbanken an einem Ort zusammen. Dabei macht das Unternehmen einerseits die Dateninfrastruktur der meisten Kunden leistungsfähiger, andererseits bietet es ihnen ein leicht bedienbares Werkzeug, um all die Daten zu visualisieren und zu analysieren.

Snowflake legte 2020 einen spektakulären Börsengang hin

Dabei betreibt Snowflake selbst keine eigenen Rechenzentren, sondern läuft auf Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und seit Anfang 2020 auch Google Cloud. Das Unternehmen ist Marktführer beim sogenannten Data Warehousing, bei dem Daten in für Analysezwecke optimierten Datenbanken abgelegt werden.

Snowflake gehört zu den großen Profiteuren der digitalen Transformation und deren Beschleunigung in der Viruskrise. Mitten in der Pandemie hat das Unternehmen im September einen spektakulären Börsengang hingelegt: Der Einstandskurs lag mehr als doppelt so hoch wie der Ausgabepreis, Einnahmen von rund 3,4 Milliarden Dollar besiegelten den bis dato größten Börsengang einer Softwarefirma in den USA. In der Spitze lag Snowflakes Börsenwert seitdem bei 110 Milliarden Dollar.

Inzwischen ist er auf etwas mehr als 71 Milliarden Dollar gesunken. Aber das ändert nichts daran, dass sich Snowflake als wichtiger Transformationshelfer in der Unternehmenswelt aufgestellt hat. Zuletzt ist das Geschäft besonders in Europa gewachsen: Knapp 1000 der mehr als 4500 Kunden stammen inzwischen aus EMEA, also Europa, dem Mittleren Osten und Afrika.

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Laut neuen Unternehmenszahlen stieg der Umsatz in dieser Region im ersten Quartal 2021 im Jahresvergleich um 172 Prozent auf 27,4 Millionen Dollar – ein deutlich stärkeres Wachstum als im Gesamtunternehmen. Dort legte Snowflakes Umsatz um 110 Prozent auf 213,8 Millionen Dollar zu.

Getrieben wird diese Entwicklung wohl vor allem von Snowflakes Expansion und dem digitalen Aufholbedarf europäischer Unternehmen. „Vor der Pandemie hatten gerade in Europa viele CEOs und CTOs noch nicht von uns gehört“, sagt Alison Tierney, die Vizepräsidentin für die Region. „Plötzlich war es viel einfacher für uns, direkt mit CEOs zu sprechen.“

„Viele Organisationen haben begriffen, dass die Cloud ihnen hilft, sehr schnell und anpassungsfähig zu werden“, sagt Benoit Dageville, Produktchef und Mitgründer von Snowflake. Der Franzose arbeitete 16 Jahre beim Datenbank-Spezialisten Oracle, bevor er mit Snowflake einen Software-Konzern für die Cloud gründete. „Eigene Server zu betreiben schränkt Unternehmen sehr ein.“


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Bei Douglas erklärt es Thomas Wrobel, Leiter für das globale Kunden-Marketing und Daten, wieder am Beispiel der Wimperntusche: „Wenn man wie wir 44 Millionen Kunden auch nur annähernd in Echtzeit persönlich ansprechen will, braucht man eine Cloudlösung, die skalierbar ist.“

Sonst entstehen Fehler, die Douglas Geld kosten. „Dann würden wir Kunden erst den Kauf einer neuen Mascara empfehlen, wenn schon der zweite Nachkauf fällig ist“, sagt Wrobel. Bis dahin hat der Kunde vielleicht schon bei der Konkurrenz eingekauft.

Das System mit eigenen Servern und der SAP-Software Hybris habe zu Beginn ihrer Tätigkeit bei Douglas „nicht optimal performt“, wie Digitalchefin Stützle sagt – das dürfte eine starke Untertreibung sein. Das Unternehmen musste sich neu aufstellen und entschied sich für eine Multicloud-fähige Strategie mit der neuen Version der SAP-Software und Snowflake in der Azure Cloud.

Einen kleinen Teil seiner Daten speichert Douglas noch auf eigenen Servern, weil sie nicht transferierbar seien, sagt Wrobel. Die On-Premise-Cloud ist für das Unternehmen außerdem eine Sicherheitsmaßnahme: „Wir haben das System so aufgesetzt, dass wir technisch jederzeit in eine andere Cloud gehen können – auch für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Azure Cloud ausfällt.“

Manche zweifeln am Trend zur Cloud

Douglas hat sich auf den Weg in die Cloud gemacht, andere hingegen kehren schon wieder zurück. Zwei Partner des Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz haben kürzlich ein überraschendes Plädoyer für die eigene Cloud veröffentlicht. In einem Blogbeitrag argumentierten Sarah Wang und Martin Casado, es ergebe für manche Firmen Sinn, zum Teil zu eigenen Rechenzentren zurückzukehren, um die teils hohen Margen der Cloud-Anbieter nicht bezahlen zu müssen.

Firmen wie der Speicherdienst Dropbox und der Cybersecurity-Anbieter Crowdstrike hätten damit gute Erfahrungen gemacht, schreiben die Investoren. Für Snowflake wäre das ein Problem. Seine Software für die On-Premise-Nutzung anzubieten ergebe keinen Sinn, sagt Dageville.

Der Franzose glaubt aber auch nicht an einen größeren Trend weg von der Cloud: „Für einen Spezialfall wie Dropbox, der sehr dünne Margen hat, ist das vielleicht so“, wendet er ein. Die meisten anderen Firmen bräuchten aber Datenanalyse-Tools und KI-Anwendungen, die sie auf eigenen Servern nie selbst entwickeln könnten.

Der Produktchef und Mitgründer von Snowflake arbeitete zuvor lange für Oracle. Quelle: Pressefoto
Benoit Dageville

Der Produktchef und Mitgründer von Snowflake arbeitete zuvor lange für Oracle.

(Foto: Pressefoto)

Besonders kann Snowflake seine Stärke ausspielen, wo mehrere Clouds zusammenkommen – etwa weil ein Kunde die Office-Software von Microsoft und KI-Anwendungen von Google nutzt oder eine zu große Abhängigkeit von einem Anbieter verhindern will.

„Selbst wenn ein Unternehmen heute auf AWS schwört, übernimmt es vielleicht morgen eines, das Azure nutzt“, sagt Dageville. „Das zu integrieren ist ein Albtraum.“ Snowflake bietet das Dashboard, das die Funktionen der verschiedenen Clouds vereint. Steht ein Kunde mit jeweils einem Fuß in einer anderen Cloud, kommt es ohne einen Dienst wie Snowflake kaum noch aus.

Abhängigkeit von Amazon, Microsoft und Google

Damit ist der Konzern aber auch von den großen Cloud-Anbietern abhängig, weil jeder Snowflake-Kunde auch Kunde bei einem der großen drei ist. Die sind für Snowflake Freund und Rivale zugleich: Amazon, Microsoft und Google entwickeln selbst Anwendungen, die mit Snowflakes Produkten konkurrieren, und können diese gebündelt mit Speicherplatz verkaufen. Snowflake muss daher immer einen Schritt voraus bleiben.

Dazu kommen direkte Konkurrenten wie Databricks, mit einer Investorenbewertung von 28 Milliarden Dollar eines der wertvollsten Start-ups der Welt. Databricks-Chef Ali Ghodsi sagte dem Handelsblatt im März, sein Unternehmen sei Snowflake bei der Analyse einer Kombination von strukturierten Daten in Data Warehouses und unstrukturierten Daten in sogenannten Data Lakes voraus – „Data Lakehouse“ nennt das Unternehmen seinen Ansatz.

Dieser soll die Stärken beider Ansätze vereinen und sowohl Informationsverluste als auch Sicherheitslücken verhindern, weil strukturierte und unstrukturierte Daten nun nur noch an einem Ort gespeichert werden. Auch Datenschutzvorgaben ließen sich so leichter einhalten. Dageville sieht die Bedrohung gelassen: „Wir sind der klare Marktführer. Jeder schaut auf uns und sagt, er sei besser als wir. So war es bei Oracle früher auch.“

Vanessa Stützle von Douglas evaluiert den Nutzen von Snowflake in einer einzelnen Leitfrage: „Wie stark hat Snowflake uns geholfen, das Unternehmen zu transformieren?“


Die Parfümeriekette setzt auf die Datenanalyse in Echtzeit. Quelle: dpa
Douglas

Die Parfümeriekette setzt auf die Datenanalyse in Echtzeit.

(Foto: dpa)

Für Douglas sei ein großer Mehrwert, dass mehr und mehr Mitarbeiter Zugriff auf Unternehmensdaten bekommen und sie selbstständig analysieren, während sich die Daten-Wissenschaftler auf schwierigere Fälle konzentrieren könnten. „Trainierte Nutzer können sehr gut mit Snowflake arbeiten, damit demokratisieren wir das Daten-Thema bei Douglas.“

Engerer Datenaustausch mit anderen Firmen

Künftig will Snowflake seinen Kunden sogar helfen, seine eigenen Datenbanken auf einem Data Marketplace interessierten Snowflake-Kunden anzubieten und damit direkt Geld zu verdienen.

Vanessa Stützle plant noch keinen Verkauf von Daten. Douglas profitiere aber bereits vom kostenfreien Datenaustausch mit Zulieferern. „Basierend auf unseren aggregierten Abverkaufsdaten, die wir unseren Partnern zur Verfügung stellen, können diese ihr Produktportfolio optimieren und Bestände sowie zukünftige Nachfrage managen.“

Der Zukauf von Daten wiederum werde beim Vergleich mit Konkurrenten interessant. Je besser man mit Daten arbeite, desto höher der Wettbewerbsvorteil, den man sich erarbeiten könne, sagt Stützle. „Man muss nur aufpassen, dass einen die Daten nicht treiben, sondern man selbst das Business auf Basis der Daten treibt.“

Mehr: „Wir können Geschichte schreiben“: SAP will Milliardenzukauf Signavio zum Zukunftskern machen

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