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Dax-Konzern US-Geschäft treibt Wachstum der Deutschen Telekom – Prognose angehoben

Nach der Fusion mit dem Rivalen Sprint in den USA traut sich die Telekom noch Wachstum zu. Analysten bescheinigen der Aktie großes Potenzial.
12.11.2020 Update: 12.11.2020 - 12:09 Uhr Kommentieren
Die nordamerikanische Tochter der Telekom wird zum Wachstumstreiber. Quelle: dpa
T-Mobile US

Die nordamerikanische Tochter der Telekom wird zum Wachstumstreiber.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die wichtigsten Daten für die Telekom kommen schon länger nicht mehr aus dem rheinischen Bonn, sondern aus Bellevue in den USA. Hier hat die Tochtergesellschaft T-Mobile US ihren Sitz. Sie ist zum Wachstumstreiber mutiert. Mehr noch: Sie dominiert die Kennzahlen des Dax-Konzerns, Deutschland und alle europäischen Landesgesellschaften zusammen machen weniger Umsatz als die US-Tochter.

Nachdem US-CEO Mike Sievert vergangene Woche die Prognose für T-Mobile US angehoben hatte, zog nun die Konzernmutter nach. „Die Deutsche Telekom zeigt Stärke“, sagte Konzernchef Timotheus Höttges. Das Unternehmen plant jetzt für 2020 mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) ohne Leasingaufwendungen von mindestens 35 Milliarden Euro statt bisher rund 34 Milliarden Euro.

Für das abgelaufene Quartal konnte die Telekom solide Zahlen vorlegen. Von Juli bis September kletterte das bereinigte Ebitda der Bonner um fast 50 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um fast 32 Prozent auf 26,4 Milliarden Euro zu.

Damit übertraf die Deutsche Telekom die Prognosen von Analysten. Diese hatten in einer vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenen Umfrage im Schnitt Erlöse von knapp 25,8 Milliarden Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn von 9,03 Milliarden Euro erwartet.

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    An der Börse legte die Telekom-Aktie zwischenzeitig um rund ein Prozent auf rund 15 Euro je Papier zu. Die Analysten sprachen weitgehend Kaufempfehlungen für die Aktie aus. Die US-Bank JPMorgan ging von einem langfristigen Kursziel von 23,60 Euro aus. Die US-Investmentbank Goldman Sachs legte ihr Kursziel auf 23 Euro.

    Starkes Wachstum und neue Risiken in den USA

    Die mit Abstand stärksten Wachstumsdaten lieferte Sievert. Zum 1. April hatte T-Mobile nach langem Tauziehen mit den Regulierungsbehörden den Rivalen Sprint übernehmen dürfen. Seitdem ist das Unternehmen zum zweitgrößten Netzbetreiber in den USA aufgestiegen. Als Synergieeffekt sollen in diesem Jahr 1,2 Milliarden Dollar an Einsparungen erzielt werden.

    Der Gewinn legte im dritten Quartal im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) zu, wie das Unternehmen am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Die Erlöse wuchsen vor allem dank der Übernahme um 74 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar.

    T-Mobile US hatte sich nach der Übernahme von Sprint für das zweite Halbjahr zum Ziel gesetzt, 12,4 bis 12,7 Milliarden US-Dollar beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zu erwirtschaften. Nachdem es im dritten Quartal bereits 7,13 Milliarden Dollar operativer Gewinn waren, steht nun das Ziel von 13,6 bis 13,7 Milliarden Dollar im Plan. Die weiterhin für die Fusion veranschlagten Kosten von 0,8 bis 1,0 Milliarden Dollar werden aus dem operativen Gewinn herausgerechnet.

    Gleichzeitig werden jedoch auch Probleme beim Fusionspartner bekannt. So musste T-Mobile US eine Strafe in Höhe von 200 Millionen Dollar zahlen, weil Sprint über längere Zeit unrechtmäßig Subventionszahlungen in Anspruch genommen hatte.

    Die US-Regierung unterstützt seit 1985 Verträge von einkommensschwachen US-Amerikanern. Die Verträge, für die Sprint die staatliche Unterstützung bezogen hatte, wurden jedoch nach Darstellung der Branchenaufsicht FCC gar nicht genutzt. „Wir hatten schon vorher gedacht, dass es bei Sprint einige Leichen im Keller geben könnte“, sagte ein T-Mobile-Manager.

    Gleichzeitig steht die Telekom in den USA vor einer neuen Herausforderung. Die Auflagen für die Fusion mit Sprint zwangen das Unternehmen, knapp zehn Millionen Prepaid-Kunden an den Rivalen Dish zu verkaufen und den Firmen einen Zugang zum T-Mobile-Mobilfunknetz für sieben Jahre einzuräumen. „Wir wissen, dass wir einen neuen Wettbewerber bekommen“, sagte Höttges.

    Die Verteidigungsstrategie der Telekom setze auf zwei Aspekte. Auf der einen Seite versuche das Unternehmen, über guten Service Kunden zu binden. Zu diesem Zweck sei kürzlich das TV- und Streamingangebot TVision gestartet worden. Gleichzeitig setze die Telekom darauf, im US-Markt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis aufzutreten. Während der vergangenen Jahre hatte die T-Mobile die beiden größten Netzbetreiber AT&T und Verizon immer wieder mit besonders günstigen Angeboten herausgefordert. Der Neueinsteiger Dish könne nun weiter vor allem AT&T und Verizon Kunden abjagen und weniger auf T-Mobile schauen, sagte Höttges. „Wir hoffen, dass wir einen Schutz gegen neue Spieler haben“, sagte der Konzernchef.

    Großkundentochter in der Krise

    Während es für die Telekom in den USA läuft, ist die Großkundentochter T-Systems wieder in die Krise gerutscht. Lange Zeit war die Firma das Sorgenkind im Konzern und fuhr Verlust nach Verlust ein. Vor drei Jahren war der Sanierer Adel Al-Saleh als CEO geholt worden, um das Geschäft zu drehen. Er hatte einen harten Sparkurs angekündigt.

    Nachdem sich die Zahlen zuletzt gebessert hatten, fielen sie für das abgelaufene Quartal sehr schlecht aus. Der besonders wichtige Auftragseingang als Messlatte brach ein. Er ging um 24,9 Prozent auf 0,7 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz fiel angepasst um die konzerninterne Neustrukturierung um 11,6 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro.

    Finanzchef Christian Illek räumte Probleme bei T-Systems ein. Die Corona-Pandemie habe der gesamten Branche geschadet – und das schlage sich bei T-Systems durch, argumentierte der Manager. „Wir sind vor allem stark exponiert im Bereich Automobil“, sagte Illek. Kunden hätten Aufträge storniert. Illek sagt: „Bei T-Systems belasteten die Folgen der Covid-19-Pandemie die Transformation und den mittelfristigen Ausblick.“

    Künftig werde die Telekom versuchen, die Kosten im klassischen IT-Geschäft zu reduzieren. Gleichzeitig versuche das Unternehmen aber auch, Wachstumsbereiche wie das vernetzte Gerät oder Cybersicherheit weiter auszubauen.

    Büroflächen sollen reduziert werden

    Konzernweit schaut sich Illek nach Bereichen um, in denen er noch sparen kann. Nach Handelsblatt-Informationen plant Illek, an einzelnen Standorten bis zu 40 Prozent der Bürofläche zu reduzieren. Der Finanzchef bestätigte: „Immobilen sind nicht optimiert.“ Gerade vor dem Hintergrund einer stärkeren Arbeit aus dem Homeoffice sei die Telekom dabei, ihre Bürokonzepte zu überarbeiten. „Ich bin ein Gegner von Verschwendung“, sagte Illek. Bei den Büroflächen gebe es große Sparpotenziale.

    Konzernchef Höttges stellte jedoch auch klar, dass die Telekom weiter auf die persönliche Begegnung in Büros setzen will. „Es wird in Zukunft einen Mix von Büroflächen geben“, sagte Höttges. „Ich möchte Büros haben, wo viele Menschen zusammenkommen.“ Zu einem konkreten Sparziel machten weder Höttges noch Illek eine Angabe. Die Pläne seien noch nicht final, stellte Höttges klar.

    Mehr: Die Telekom plant langfristig mit dem Arbeiten von zu Hause. An einzelnen Standorten könnten Büroflächen um bis zu 40 Prozent reduziert werden.

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