Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Digitalgipfel der Bundesregierung Allianz um BMW und SAP baut gemeinsame Datenplattform für Autoindustrie

Mehr Nachhaltigkeit, weniger Pannen: BMW will die Lieferkette digitalisieren. Dabei sollen SAP, Siemens, Bosch und die Politik helfen. Die Plattform baut auf der Cloud-Initiative Gaia-X auf.
01.12.2020 Update: 01.12.2020 - 14:19 Uhr Kommentieren
Daten sind für die Zukunft der Automobilindustrie von zentraler Bedeutung – ob fürs autonome Fahren oder die Verbesserung der Nachhaltigkeit. Das Archivbild zeigt eine Mobilitätsstudie. Quelle: dpa
Konzept eines selbstfahrenden Autos

Daten sind für die Zukunft der Automobilindustrie von zentraler Bedeutung – ob fürs autonome Fahren oder die Verbesserung der Nachhaltigkeit. Das Archivbild zeigt eine Mobilitätsstudie.

(Foto: dpa)

Berlin, München, Düsseldorf Wie viel CO2 entsteht bei der Produktion eines SUVs? Und in welchen Modellen sind fehlerhafte Teile eingebaut? Für Autohersteller sind das drängende Fragen. Der BMW-Konzern sucht nach Wegen, seine Lieferketten schneller, transparenter und sicherer zu machen.

Der Autohersteller hat daher mit dem Softwarekonzern SAP, der Deutschen Telekom und seinen wichtigsten Zulieferern eine Allianz für einen „unternehmensübergreifenden Datenaustausch“ gegründet, wie die Unternehmen am Dienstag auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung ankündigten.

Ab dem kommenden Jahr wollen die Partner der Allianz mit dem Aufbau eines branchenübergreifenden Datentransfers über die gesamte Wertschöpfungskette beginnen, idealerweise von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt. Die Cloud-Plattform, die auf den Standards der europäischen Cloud-Initiative Gaia-X aufbauen soll, werde für weitere Partner offenstehen, betonen BMW und SAP. Insbesondere Klein- und mittelständische Unternehmen will die Allianz einbinden. Erste Anwendungsfälle sollen in sechs bis acht Monaten zur Verfügung stehen.

„Daten haben in der Automobilindustrie und für das Auto selber eine enorme Bedeutung“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse bei einer Podiumsdiskussion auf dem Digitalgipfel. Im Zuge der Industrie 4.0 sei es bereits üblich, Fabriken und Maschinen zu vernetzen. Der „nächste folgerichtige Schritt“, sei es, das auf ganze Industrien und Wertschöpfungsketten auszudehnen. Ziel sei, mit der Automotive Alliance „deutschlandweit und europaweit einen neuen Industriestandard“ zu setzen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Starten soll der Datenaustausch in den Bereichen Qualitätsmanagement, Logistik, Instandhaltung, Lieferketten-Management und Nachhaltigkeit. Gerade Letztere beschäftigt BMW: Der Autokonzern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Kohlendioxid-Ausstoß in der Produktion um 80 Prozent und in der Lieferkette um 20 Prozent zu senken. Konzernchef Zipse hat im Juli angekündigt, Nachhaltigkeit zu einem Ausweis der Investmentstory zu machen.

    An Bedeutung gewinnt zudem der Nachweis ethischer Standards in der Rohstoffgewinnung. Bislang kann BMW dieses Versprechen lediglich bis zu seinem eigenen Werkstor einhalten. Künftig darf nur noch an BMW liefern, wer diese Kriterien einhält und dokumentieren kann. Der Nachweis soll über die neue Datenplattform erfolgen.

    Grafik

    Der Datenaustausch soll in einem zweiten Schritt von jedem Auto einen „digitalen Zwilling“ produzieren. Diese digitalen Profile sind eine wichtige Voraussetzung, um künftige Produktentwicklungen zu beschleunigen. Bereits jetzt hat BMW einen Teil seiner Erprobungsfahrten durch Simulationen ersetzt.

    Durch den Austausch der Daten mit den Zulieferern soll das digitale Abbild der Autos noch präziser werden. Zudem lassen sich über den Zwilling Verschleiß und mögliche Reparaturen besser voraussagen. Auch das Erneuern von Software sowie mögliche neue Geschäftsfelder ließen sich so leichter umsetzen, heißt es bei BMW.

    In Konzernkreisen wird betont, dass die Initiative global eingeführt werden soll, aber dafür Partner braucht. BMW ist zwar einer der größten industriellen Einkäufer Deutschlands, dominiert wird die Branche aber von den Massenherstellern Volkswagen, Toyota und General Motors, die je dreimal so hohe Einkaufsvolumen haben. In München hofft man, dass sich einer der Großen anschließt. Die Initiative sei ein Branchenstandard, kein geschlossenes System.

    Die Datenplattform ist auch ein Weg, um sich ein Stück unabhängiger von den großen US-Softwarekonzernen zu machen, die mit jedem deutschen Autokonzern große Cloud-Projekte vereinbart haben. BMW hatte sich 2019 mit Microsoft verbündet, um eine „Open Manufacturing Platform“ aufzubauen. In diesem Projekt werden sämtliche BMW-Fabriken mit einem einheitlichen System vernetzt.

    Verwirrende Datenpolitik der Bundesregierung

    Für SAP dürfte es sich um ein Prestigeprojekt handeln: Der Softwarehersteller will künftig verstärkt in Spezialanwendungen für einzelne Branchen investieren, in Walldorf läuft das unter dem Schlagwort „Industry Cloud“. Die Akteure versprechen sich durch die Digitalisierung zudem eine höhere Ausfallsicherheit – die Corona-Pandemie hat dafür besondere Sensibilität geschaffen. Es brauche Transparenz „bis zum einzelnen Rohstoff“, sagte SAP-Chef Christian Klein. „Dadurch werden Lieferketten nicht nur widerstandsfähiger, es lassen sich auch Lagerkosten signifikant reduzieren.“ Mehr als 40 Anwendungsfälle haben die Teilnehmer bislang gesammelt. Der Softwarehersteller sieht sich dabei als idealer Partner: Bereits 75 Prozent aller Transaktionen in der Automobilindustrie laufen über SAP-Anwendungen, sagte Klein. „Wir als SAP sind sozusagen ein offenes digitales Postamt, gemeinsam mit anderen Technologiepartnern wie Siemens und T-Systems.“
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht in dem Projekt eine Bestätigung für seine Initiative Gaia-X: „Das ist ein qualitativer Schritt nach vorne – jedermann kann sehen, wie Gaia-X in der Praxis funktioniert und dass es geht.“ Die Bundesregierung werde die neue Allianz finanziell unterstützen, gerade, besonders mittelständische Unternehmen. „Ich kann zusagen, dass wir das Projekt im notwendigen und erforderlichen Umfang begleiten werden, damit es schnell auf die Beine kommt und wir international Maßstäbe setzen.“

    Der Erfolg der Plattform dürfte davon abhängen, wie viele Unternehmen sich beteiligen: Die Lieferkette der Automobilbranche ist hochkomplex, für eine lückenlose Nachverfolgung müssen sich Tausende Zulieferer beteiligen. Mithilfe des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) will die Allianz gezielt Mittelständler ansprechen: Die Behörde hat Cluster für das Thema Industrie 4.0 geschaffen.

    Die Aktion wirft allerdings Fragen hinsichtlich der Datenpolitik der Bundesregierung auf. So engagiert sich zum einen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für das Gaia-X-Projekt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) indes baut auf Geheiß von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Datenraum Mobilität auf, der auf der Infrastruktur der International Data Spaces Association (IDSA) aufbaut. Der Datenraum Mobilität wird mit Steuergeld in Höhe von 18 Millionen Euro unterstützt.

    Wie es in Regierungskreisen hieß, gebe es einen regelrechten Wettlauf – bei dem bisher Minister Scheuer die Nase vorne hat. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen stand beim Datenraum Mobilität deshalb in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem BMW „auf der Bremse“. Währenddessen engagieren sich Daimler und Volkswagen. Der Wolfsburger Autobauer will sogar Gesellschafter des Datenraums werden, der als gemeinnützige GmbH bis März durch die Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) gegründet werden soll.

    VW sieht sich auf dem Weg „hin zum softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter“. Dazu baut der Konzern einen eigenen Datenmarktplatz auf. Dieser sei Voraussetzung, „um sich an übergeordneten Plattformen wie dem Datenraum Mobilität zu beteiligen“, erklärte eine Sprecherin dem Handelsblatt.

    Zu den Aktivisten der ersten Stunde gehören auch Here Technologies, die Datenplattform von Audi, BMW und Daimler; der Mobilitätsanbieter Free Now, an dem BMW und Daimler beteiligt sind, die Deutsche Bahn AG, der Deutsche Wetterdienst, die Bundesanstalt für Straßenwesen oder die hessische Straßenbauverwaltung Hessen mobil.

    Wer nicht Gesellschafter werden will, kann Rahmenverträge für Teilnahme- und Datennutzungsverträge schließen. Diese werden nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen der Beteiligten in dieser Woche verschickt. Bis zum Sommer will Acatech auch einen privaten Betreiber des Datenraums finden. Im Oktober sollen erste Anwendungen auf dem Weltkongress für Telematikdienste (ITS) in Hamburg präsentiert werden.

    Mehr: Lidl-Mutter startet Anfang 2021 ihre Cloud-Plattform.

    Startseite
    Mehr zu: Digitalgipfel der Bundesregierung - Allianz um BMW und SAP baut gemeinsame Datenplattform für Autoindustrie
    0 Kommentare zu "Digitalgipfel der Bundesregierung: Allianz um BMW und SAP baut gemeinsame Datenplattform für Autoindustrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%