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Digitalisierung Warum sich die Einführung von Industrie 4.0 bei vielen Unternehmen verzögert

Digitalisierung steht bei vielen Firmen auf der Agenda. Doch Hemmnisse für einen Durchbruch auf breiter Front gibt es viele. Der Handlungsbedarf ist groß.
18.12.2019 - 07:00 Uhr Kommentieren
Die Wolfsburger wollen ihre Produktion und Logistik vollständig digitalisieren Quelle: Paul Langrock/Zenit/laif
Golf-Produktion bei Volkswagen

Die Wolfsburger wollen ihre Produktion und Logistik vollständig digitalisieren

(Foto: Paul Langrock/Zenit/laif)

München Es ist eines der ambitioniertesten Digitalisierungsprojekte in der deutschen Industrie: Autobauer Volkswagen will seine Produktion und Logistik vollständig digitalisieren und die 122 Fabriken weltweit, sowie die Maschinen und Produktionssysteme miteinander vernetzen. Langfristig will VW sogar die Integration seiner globalen Lieferkette an mehr als 30.000 Standorten mit 1500 Zulieferern und Partnerunternehmen geplant.

Viele Unternehmen in Deutschland beobachten das Pilotprojekt genau. Eine neue Studie zeigt indes, dass es bis zur umfassenden Vernetzung über Produktionsstandorte und über Unternehmensgrenzen hinweg noch ein weiter Weg ist.

„Die allerwenigsten Unternehmen treiben die Vernetzung von Werken und Zulieferern so entschieden wie Volkswagen mit der Industrial Cloud voran“, sagte Johann Kranz, Professor für Internet Business und Internet Services an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) dem Handelsblatt.

Laut neuem Industrie 4.0 Barometer, das die Porsche-Management- und IT-Beratung MHP und die LMU München gemeinsam herausgegeben haben, ist die Thematik bei den Firmen angekommen. „Aufmerksamkeit ist da, aber keiner traut sich so richtig aus der Deckung“, sagte MHP-Experte Tom Huber.

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    Die Firmen setzten eher auf stetige Evolution wie die schrittweise Vernetzung des Maschinenparks, den Fokus auf Kostenreduktion und auf Effizienzsteigerung – statt auf eine disruptive Revolution zum Beispiel in Form einer Komplettvernetzung und der Implementierung neuer Geschäftsmodelle.

    Auch eine neue Studie des TÜV Süd zeigt, dass das Thema bei den Unternehmen angekommen ist. Derzeit bewerteten 56 Prozent der Unternehmen die Relevanz des Themas Internet der Dinge (englisch IoT) als hoch oder sehr hoch. Vor einem Jahr waren es 51 Prozent.

    Knapp jeder zweiter Konzern hat schon erste Projekte umgesetzt. Doch sind das bislang eben meist Pilotprojekte.

    „Auch bei reiferen Industrie-4.0-Technologien erfolgt der Einsatz in der Praxis derzeit noch zögerlich“, sagte MHP-Experte Huber. „Die deutsche Industrie befindet sich mehrheitlich in einer Experimentierphase.“

    Hemmnisse für einen Durchbruch auf breiter Front gibt es viele. So wiesen knapp 53 Prozent der rund 200 befragten Unternehmen darauf hin, dass sich die Einführung von Industrie-4.0-Technologien bei ihnen verzögere, weil durch das Tagesgeschäft nicht genug Kapazitäten zur Verfügung stünden.

    Zudem haben mehr als 48 Prozent angegeben, dass „etablierte, historisch gewachsene IT-Systeme die Integration erschweren“. Ebenso viele erklärten, dass bislang kein durchgängiger Datenaustausch entlang der Wertschöpfung möglich sei.

    Sicherheitsbedenken als größtes Hindernis

    Jedes zweite Unternehmen nennt zudem als Grund „funktionsbedingte und historisch gewachsene Datensilos, die die Umsetzung bereichsübergreifender Lösungen erschweren“. Hinzu kommen Fachkräftemangel und die Unsicherheit, ob sich die Investitionen wirklich rechnen.

    Der Handlungsbedarf ist groß. Deutschland habe in der Fertigungstechnik große Kompetenz, sagte Thomas Bergs vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie. „Dem gegenüber stehen die USA, die sehr stark in der IT-Entwicklung und Datenverarbeitung sind und China, das besonders schnell in der Umsetzung neuer Technologien ist.“

    Um die Positionierung der deutschen Unternehmen im Bereich der Industrie 4.0 voranzutreiben, müssten „die Technologiefähigkeiten mit der Digitalisierung zusammengeführt werden, damit schnell Lösungen entwickelt werden können“.

    Der TÜV-Studie zufolge sind Bedenken in Sachen Datenschutz und Sicherheit das wichtigste Argument gegen die Einführung der IoT-Vernetzung auf breiter Basis. In 37 Prozent der befragten Unternehmen stellten Datenschutzbedenken das „allgemein belastbarste Argument gegen einen umfassenden IoT-Einsatz dar“.

    Ein Drittel der Unternehmen nennt Sicherheitsbedenken als größtes Hindernis. Sie fürchten vor allem Hacker-Angriffe, Industriespionage und juristische Probleme.

    Dennoch planten die meisten Unternehmen, ihre Investitionen in IoT in den nächsten Jahren zu erhöhen. Ziel seien vor allem neue Themen wie Robotik, Künstliche Intelligenz und Blockchain.

    Grafik

    Noch kommunizieren in nur wenigen Unternehmen Anlagen, Geräte und Systeme autonom über das Internet im Regelbetrieb miteinander, zeigt das Industrie 4.0 Barometer. Doch laufen bei vielen Unternehmen erste Praxistests und Planungen für Pilotprojekte. Vorreiter sind hier, wie so oft bei der Automatisierung, die Automobilhersteller.

    Nur 32 Prozent der Unternehmen nutzen sich autonom organisierende Maschinen und Roboter gar nicht und haben bislang auch noch keine Pläne dafür. Den höchsten Implementierungsgrad gibt es bei der Fernsteuerung von Anlagen und Maschinen.

    Das Industrie Barometer zeige, dass sich der 4.0-Reifegrad in der Industrie weiterentwickelt habe, heißt es in der Studie. Derzeit werde am Markt dabei vor allem auf zentrale Lösungen zur Kommunikation von Anlagen, Geräten und Systemen zurückgegriffen. „Allerdings lässt sich ein Trend in Richtung Dezentralität erkennen.“ Diese habe den Vorteil, dass der Datenverkehr im Netzwerk reduziert werde und die Daten nahezu in Echtzeit vor Ort verarbeitet werden könnte.

    Die Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 kommt also voran, wenn auch schrittweise. „Spannend wird sein, ob es einen ‚iPhone-Moment‘ in einzelnen Industrien wie der Automobilbranche geben wird, bei dem ein Player wie Tesla oder ein chinesischer Hersteller in kurzer Zeit die Spielregeln der Branche radikal verändern kann“, sagt LMU-Professor Kranz. Dann könne es „sich rächen, dass derzeit mehrheitlich zu wenig Kapazitäten für Industrie 4.0 in den Unternehmen zur Verfügung stehen“.

    Mehr: Industriegiganten wie Siemens und GE liegen mit ihren Industrie-Plattformen vorn. Doch das muss nicht so bleiben. Tech-Konzerne wie Microsoft oder IBM holen auf.

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