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Digitalmesse Ifa 5G und „Hallo Magenta“: Telekom startet Aufholjagd auf die Konkurrenz

Der Branchenprimus hat sein 5G-Netz in Betrieb genommen. Zudem beginnt der Verkauf eines smarten Lautsprechers – ein bei der Telekom umstrittenes Projekt.
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Der Konzern stellt auf der Digitalmesse Ifa in Berlin neue Produkte vor. Quelle: Fotograf: Norbert Ittermann
Deutsche Telekom

Der Konzern stellt auf der Digitalmesse Ifa in Berlin neue Produkte vor.

(Foto: Fotograf: Norbert Ittermann)

Berlin Nach längerer Wartezeit läutet die Deutsche Telekom das neue Mobilfunkzeitalter ein: Der Standard 5G wurde am Donnerstagmorgen auf der Digitalmesse Ifa in Berlin gestartet, wie der Dax-Konzern bekanntgab. Mit mehr als 120 Antennen sendet das neue Netz in den Städten Berlin, München, Köln, Bonn und Darmstadt. Ende des Jahres sollen auch Hamburg und Leipzig erschlossen werden.

Die Telekom versucht sich an einem Superlativ: Mit sechs Quadratkilometern habe sie das größte zusammenhängende 5G-Netz in Deutschland. Damit versucht sie den Rückstand aufzuholen, in den sie zuletzt geraten ist. Rivale Vodafone hatte schon Mitte Juli das eigene 5G-Netz für Endverbraucher freigeschaltet.

Auch bei den Tarifen ist Vodafone der Telekom einen Schritt voraus. Erst am Wochenende hatte der Netzbetreiber angekündigt, den ursprünglich vorgesehenen Aufpreis von fünf Euro pro Monat für 5G künftig entfallen zu lassen. In vielen Tarifen ist 5G bei Vodafone automatisch verfügbar.

Die Telekom hatte noch im Juli 5G für Tarife ab 75 Euro im Monat angekündigt – zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ohne ein konkretes Datum für den Start des Echtzeitmobilfunk für Endkunden. Mit der Pressekonferenz auf der Ifa zieht der Dax-Konzern jetzt nach und bietet nun 5G auch in Tarifen ab 39,95 Euro im Monat an. Die neue Tarifstruktur kommt allerdings wieder einige Tage später als Rivale Vodafone.

Dafür ist die Telekom in einem anderen Bereich Vorreiter: Mit dem smarten Lautsprecher „Hallo Magenta“ bringt sie das erste Gerät dieser Kategorie einer europäischen Firma auf den Markt, wirbt der Konzern. Anfangs kostet der Assistent 99 Euro, später dann 149,99 Euro oder 4,95 Euro im Monat.

„Hallo Magenta“ gegen Amazon und Google

Auch wenn sich die Telekom als Pionier feiert, ist „Hallo Magenta“ eigentlich ein Nachzügler. Noch Ende 2017 hatte die Telekom mitgeteilt: „Der Smart Speaker wird im ersten Halbjahr 2018 im deutschen Markt eingeführt.“ Bei der Ifa vor einem Jahr kündigte die Telekom dann lediglich an, 1000 Geräte an Tester zu vergeben. An der Qualität werde noch gearbeitet, sagte Technologie-Vorständin Claudia Nemat zu Begründung.

„Hallo Magenta“ will vor allem mit hohen Datenschutzstandards gegenüber den großen Konkurrenten Amazon oder Google punkten. Allerdings stellt die Telekom ihren Kunden frei, auch den Amazon-Dienst Alexa auf dem Gerät zu installieren. Die Farbe des Lautsprechers soll anzeigen, ob gerade gesicherte Funktionen der Telekom oder der Funktionsumgang von Alexa in Anspruch genommen wird.

Bei der Präsentation der ersten Testgeräte waren etwa eine Wettervorhersage und Nachrichten der „Tagesschau“ integriert. Ebenso ließen sich Radioprogramme abspielen oder Kochrezepte mit Verweis auf Angebote vom Lebensmittelhändler Rewe abrufen.

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Amazon dominiert das globale Geschäft mit smarten Lautsprechern. Rund drei Viertel des Marktes entfallen auf den Online-Händler, wie der Analysedienst Canalys errechnet hat. Google beansprucht etwa ein Viertel des Marktes. Alle anderen Anbieter wie etwa der chinesische Online-Händler Alibaba oder der Elektronikkonzern Xiaomi kommen insgesamt nicht einmal auf ein Prozent des globalen Marktanteils.

Zu den Chancen auf einen Erfolg von „Hallo Magenta“ sagte Klaus Böhm vom Unternehmensberater Deloitte: „Ob einem smarten Speaker in einem besetzen Markt der Durchbruch gelingt, wage ich zu bezweifeln.“ Die Telekom sei deshalb aber noch nicht zwangsläufig abgehängt, argumentierte Böhm. „Die Marktmacht der anderen kann auch eine Chance sein“, sagte der Berater.

Es sei sinnvoll für die Telekom, sich als Aggregator für ganz verschiedene Anwendungen und Dienstleistungen zu positionieren, argumentierte Böhm. Als Netzbetreiber könnte sie für Kunden alle Dienste bündeln, die sie benötigten: Ob Video oder Musik-Streaming oder eben Stimmsteuerung. Dabei müsse die Telekom nicht alles alleine aufbauen, sondern könnte eng mit Anbietern wie Netflix, Spotify oder eben Amazon zusammenarbeiten. „Hallo Magenta“ sei als Marketing-Projekt zu verstehen.

Unmut im Konzern

Innerhalb der Telekom ist das Projekt „Hallo Magenta“ umstritten. Einerseits passt es zur Strategie des Konzerns, mit mehr digitalen Produkten das Wohnzimmer der deutschen Kunden zu erschließen. Andererseits gibt es große Zweifel, dass es der Telekom gelingen wird, eine ausreichende Qualität im Vergleich mit Amazon und Google zu liefern. „Wir sollten das Geld lieber in andere Projekte stecken. Der Vorsprung der US-Konzerne ist viel zu groß“, sagte ein ranghoher Telekom-Manager dem Handelsblatt.

Zudem gibt es innerhalb des Konzerns Unmut darüber, dass die Telekom beim Thema 5G nicht mit Vodafone gleichziehen konnte. „Wir sind viel besser aufgestellt als Vodafone, aber lassen uns in der Öffentlichkeit vorführen“, klagte der Telekom-Manager, der nicht namentlich genannt werden sollte.

Er verwies darauf, dass der Dax-Konzern bereits mehr als 80 Prozent der Mobilfunkstandorte mit Glasfaser angeschlossen habe, Vodafone lediglich rund 20 Prozent. Glasfaser gilt als Voraussetzung, um Mobilfunkstandorte mit der nötigen Bandbreite und Qualität für die Aufrüstung auf 5G zu versorgen.

Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter hatte zwar eingeräumt, dass sein Unternehmen beim Glasfaserausbau in Deutschland zur Telekom zurückhängt, „die genaue Zahl sagen wir nicht, weil sie sich über die letzten Jahre dynamisch entwickelt“. Zudem sei es nicht nötig, Glasfaser an alle Standorte zu bringen, sondern Vodafone könne auch auf Richtfunk setzen, sagte Ametsreiter im Podcast Handelsblatt Disrupt. „Das ist genau so schnell wie Glasfaser.“ Der Netzbetreiber werde an vielen Ort daher auf Richtfunk setzen, um seine Standorte mit hohen Bandbreiten zu erschließen, anstatt auf Glasfaser zu setzen.

Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner hatte daraufhin entgegnet: „Ich halte das für eine reine Schutzbehauptung.“ Glasfaser sei klar überlegen. Trotz Verbesserungen in der Technologie für Richtfunk sei der Ansatz deutlich anfälliger für Störungen, etwa bei Regen. „An Glasfaser führt kein Weg vorbei“, sagte Wössner.

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