Digitalmesse So bunt und jugendlich präsentiert sich die neue Cebit

Es ist alles ein bisschen bunter, alles etwas großzügiger als in den vorherigen Jahren: Die Cebit will sich als Digitalmesse neu positionieren.
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„Plattformen haben das größte Potenzial disruptiv zu sein"

HannoverSie soll runderneuert sein, diese Cebit. Das Image als verstaubte Businessmesse, die mit der schnellen und agilen Digitalisierung wenig zu tun hat, musste weg – sonst drohte sie in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Also wurde monatelang über ein neues Konzept gegrübelt. Herausgekommen ist eine bunte Veranstaltung, die sich Business-Festival nennt und versucht, mehr als nur Hoodie-statt-Anzug zu sein.

„Welcome to your new Cebit 2018“ leuchtet den Teilnehmern in großen Lettern von den Bildschirmen bei der Eröffnungsveranstaltung am Montagabend entgegen. Die Messe, deren hartes Rot im Logo verschwunden ist, geht noch bis Freitag. Es wird Konzerte geben, es darf gecampt werden. Alles ist großzügig angelegt – auffallend großzügig. Alle haben „sexy“ Themen im Programm: Internet of Things, Blockchain, Künstliche Intelligenz, AR, VR und dergleichen.

Doch auch wenn die Messe der Jugendlichkeit frönt, weil diese offenbar mit Offenheit für Digitalisierung gleichgesetzt wird, gibt es bei vielen dieser Themen noch Überzeugungsbedarf. Der Hausverband der Cebit, der Digitalverband Bitkom, hatte am Montag eine Studie vorgestellt, die zeigt, dass die Unternehmen diese Technologien zwar kennen und durchaus auch glauben, dass sie sehr wichtig sind – aber nicht einmal ein Viertel gezielt darein investiert.

Einer der Gründe dafür ist mangelnde Zeit. Bei seiner Rede zur Eröffnung der Cebit verglich Bitkom-Präsident Achim Berg dieses Verhalten mit einem Rennfahrer, der erklärt, er wolle nicht in die Box zum Tanken, weil er ja ein Rennen fahren müsse.

Eine, die das verstanden hat, wird kurze Zeit später mit warmem Applaus begrüßt. Sie hat sich in der Branche einen Namen gemacht. Virginia Rometty, von allen „Ginni“ genannt, ist seit sechs Jahren gleichzeitig Chefin und Präsidentin des IT-Anbieters IBM. Die 60 Jahre alte Amerikanerin gilt als eine der mächtigsten Frauen der Welt. Sie arbeitet seit 36 Jahren in verschiedenen Positionen bei IBM.

Die Ingenieurin ist bekannt für klare Ansagen und ihren lockeren Ton. Der Konzern sei bereits seit 31 Jahren bei der Cebit, erklärt sie zu Beginn ihrer Rede bei der Eröffnungsfeier. Doch nun muss sie neue Technologien schmackhaft machen. Daten würden zu denen gehören, die sie kreieren, erklärt sie. Auch künstliche Intelligenz würde von ihnen immer transparent aufgesetzt. Die Intelligenz von IBM nennt sich Watson und ist eines der neuen Produkte, in die das Unternehmen in den vergangenen Jahren investiert hat.

Der 106 Jahre alte Konzern baut auf neue Technologien wie Blockchain und künstliche Intelligenz – und muss dafür aber auch investieren. Auf der Cebit wirbt IBM derzeit mit großen Worten für seine Produkte rund um die Blockchain-Technologie: Der Konzern biete die einzige voll integrierte, auf Unternehmen abgestimmte Blockchain-Plattform, über die Entwicklung, Governance und Betrieb eines institutionsübergreifenden Geschäftsnetzwerks beschleunigt werden könnten, heißt es. Auch der Traditionskonzern tritt nun in den Wettbewerb mit neuen Konkurrenten und muss sich rechtzeitig positionieren.

Zu Jahresbeginn war die Aktie des Konzerns stark eingebrochen – obwohl der Umsatz eigentlich gestiegen war –, weil IBM wegen der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump einen Einmalaufwand von 5,5 Milliarden Dollar verbuchen musste. In Deutschland arbeitet IBM unter anderem mit der Techniker Krankenkasse zusammen: Sie bietet eine elektronische Gesundheitsakte an.

Und weil bei derartigen Angeboten das Vertrauen der Kunden essenziell ist, verwundert es wenig, dass Rometty ihre Rede mit dem Appell schließt, es sei möglich, vertrauenswürdige Technologie zu bauen – und das sollte auch geschehen.

Vergangenes Jahr hatte noch Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend der Eröffnung der Messe ihre Aufwartung gemacht. Sie hatte betont, wie wichtig die Cebit sei, auch als eigenständige Messe. Es hatte vorher immer wieder Spekulationen darüber gegeben, ob sie aufgrund der schwindenden Aufmerksamkeit nicht mit der Hannover Messe zusammengelegt werden sollte.

An diesem warmen Sommerabend hat Angela Merkel ihren Wirtschaftsminister Peter Altmaier nach Hannover geschickt. Altmaier wird auch am nächsten Morgen den traditionellen Rundgang übernehmen. Als er am Ende des üppigen, aber meist durchaus leichten Eröffnungsprogramms die Bühne betritt, grüßt er die Menge mit einem „Moin“, bevor er nach dem Protokoll all diejenigen mit Rang und Namen und das Publikum grüßt – enthusiastisch und auf Englisch – und sich dann selber zur Freude des Publikums als „biggest Minister at Cebit“ vorstellt. So viel Selbstironie kommt an.

Neues Logo, neues Image; die Cebit gibt sich moderner und entstaubt. Zur Eröffnung in Hannover trat die britische Sängerin Leona Lewis auf. Quelle: dpa
Cebit 2018

Neues Logo, neues Image; die Cebit gibt sich moderner und entstaubt. Zur Eröffnung in Hannover trat die britische Sängerin Leona Lewis auf.

(Foto: dpa)

Er wechselt zurück ins Deutsche und hält eine flammende Rede über die Bedeutung der Cebit, über die Wichtigkeit ihrer Eigenständigkeit, bezeichnet sie als „großes Geschenk“, das die Regierung weiter unterstützen werde.

Nach einem kurzen Exkurs über die Schnelligkeit der Digitalisierung und eine kurze Breitseite gegen die Strafzölle und die Vorgänge nach dem G7-Gipfel in Kanada spricht er über die Auswirkungen der Digitalisierung. Über die Ängste der Bevölkerung: „Lassen Sie uns den Menschen die Angst vor dem Versagen nehmen.“ Über die Legitimität, mit neuen Geschäftsmodellen auch Geld verdienen zu wollen. Über die Vertreibung von neuen Innovationen aus Deutschland, weil man zu lange über Risiken spreche. Über den Fachkräftemangel. Und noch vieles mehr.

Es ist eine Tour d'Horizon zur Digitalisierung mit Sätzen wie: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir unsere PS selber auf die Straße bringen.“ Alle mit kräftiger Stimme energisch vorgetragen. Er fordert von den Start-ups vor Ort, ihre Ideen dürften nicht nur wichtig für Deutschland oder Europa sein, sondern für die ganze Welt.

Immer wieder schiebt er lustige Geschichten und Anekdoten ein, bevor er mit den Worten schließt: „Fürchtet euch nicht. Unsere menschliche Intelligenz ist die, die entscheidend ist und die uns hilft, diese Veränderung zu gestalten.“ Er freue sich auf die nächste und noch bessere Cebit.

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