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Dirk Wössner im Interview Telekom-Deutschlandchef zu 5G: „Wir sind offen für Kooperationen“

Nach dem Ende der Lizenzvergabe zeigt sich Dirk Wössner verhandlungsbereit. Im Interview spricht der Manager über die ersten Netze und die Spionagevorwürfe gegen Huawei.
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Der Manager ist Deutschlandchef der Telekom. Quelle: Telekom
Dirk Wössner

Der Manager ist Deutschlandchef der Telekom.

(Foto: Telekom)

Düsseldorf Die Deutsche Telekom hat bei der Auktion der Mobilfunkfrequenzen 2,2 Milliarden Euro ausgegeben. Dirk Wössner, Chef des Deutschlandgeschäfts, sieht in den hohen Ausgaben für die Lizenzen aber weniger ein Problem als in der langsamen Genehmigung neuer Antennen.

Lesen Sie hier das Interview mit dem Manager:

Herr Wössner, die 5G-Auktion ist wie von Ihnen befürchtet teuer geworden. Wie lautet Ihre Bilanz?
Wir haben in Deutschland wieder ein Verfahren gewählt, bei dem hohe Erlöse wichtiger waren als eine gute Mobilfunkversorgung. Wir als Branche haben mehr bezahlt, als wir wollten. Wir hätten mit dem Geld lieber Masten gebaut und die Versorgung verbessert. Aber so ist es nun, jetzt schauen wir nach vorne.

Dauert der Ausbau des 5G-Netzes wegen der hohen Kosten länger?
Wir müssen schauen, welche Auswirkungen die Auktion auf unsere Investitionsfähigkeit haben wird. Wir als Deutsche Telekom sind in Deutschland mit 5,5 Milliarden Euro jährlich an der Grenze dessen, was wir insgesamt stemmen können, das gilt fürs Festnetz wie für den Mobilfunk. Bei den Frequenzkosten ist aber auch zu berücksichtigen, dass die Lizenzen über 20 Jahre laufen.

Können Sie also loslegen?
Das größte Problem beim schnellen 5G-Ausbau ist weniger die Finanzkraft als die Erschließung neuer Standorte – das macht mir am meisten Sorgen. Die Baurichtlinien für Antennenstandorte sind zum Beispiel noch nicht final. Ich sehe das als nationale Aufgabe an, das können die Netzbetreiber nicht allein.

Was muss die Politik tun?
Mein Appell: weniger Bürokratie, mehr Pragmatismus. Wir brauchen schnell Klarheit bei den Rahmenbedingungen.

Es gibt Spionagevorwürfe gegen Huawei. Werden Sie Technologie des Konzerns nutzen?
Die Sicherheit des Netzes steht und stand schon immer an erster Stelle. Wie schon gesagt, bewerten wir unsere Zuliefererstrategie neu, haben aber noch keine Entscheidung getroffen. Wir setzen generell immer auf mehrere Lieferanten – sollten wir einen für 5G nicht nutzen dürfen, könnte sich das auf die Geschwindigkeit des Ausbaus auswirken.

Wann wird die Deutsche Telekom erste 5G-Netze anbieten?
Wir haben schon in Berlin und Darmstadt Testnetze. Die werden wir in Betrieb nehmen, wenn die Genehmigungen vorliegen. Das dauert vermutlich ein paar Monate. Ein Pilotprojekt mit dem Hamburger Hafen haben wir diese Woche erfolgreich abgeschlossen.

Und wann werden Verbraucher auf breiter Front 5G nutzen können?
Einen konkreten Zeitplan für den Ausbau kann ich noch nicht nennen. Entscheidend ist, dass es 5G-taugliche Endgeräte gibt. Die ersten kommen gerade heraus, massenmarktfähig wird das Thema aber erst in der zweiten Hälfte 2020 werden.

Wie wollen Sie mit 5G Geld verdienen?
Das Erste ist unser Brot-und-Butter-Geschäft mit Daten und Gesprächen. Die Datenmengen wachsen exponentiell, wir brauchen neue Mobilfunktechnologie, um sie so schnell wie möglich abzutransportieren. Das Zweite werden Spezialanwendungen sein, zum Beispiel Campusnetze für Firmen, die Industrieanwendungen ermöglichen. Da sind wir schon in vielen Gesprächen. Das Dritte sind neue Anwendungen wie Virtual Reality.

Wie wirkt sich der Markteintritt von United Internet aus?
United Internet ist ja schon im Markt und hat ein Segment gefunden …

… nämlich als Discountanbieter.
Ich erwarte eine Kontinuität des Wettbewerbs. Man wird sehen, wie sich das auf die Netzqualität auswirkt. Wir haben das beste Netz in Deutschland, das soll so bleiben.

Würden Sie United Internet mit Marken wie 1&1 Netze vermieten?
Wir sind offen für Kooperationen, soweit sie fair sind. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir beim Ausbau im ländlichen Raum gemeinsam agieren. Wir würden auch unsere Standorte für Wettbewerber öffnen, auch für 1&1. Allerdings nur bei einer ausgeglichenen Lastenverteilung. Da waren unsere Erfahrungen in der Vergangenheit jedoch mau.

Es geht also um die Frage, für wie viel Geld Sie Ihre Kapazitäten vermieten?
Es ist ein Unterschied, ob wir über Kapazität in der Stadt oder auf dem Land reden – da kostet die Anbindung deutlich mehr. Wer sein Netz in der Stadt ausbaut und auf dem Land die Infrastruktur mietet, lässt sich von den anderen subventionieren.

Einige Menschen haben Angst, dass die Strahlung der Gesundheit schadet. Ist die Technologie unbedenklich?
Man muss die Bedenken der Menschen ernst nehmen. Wir haben bei der 4G-Einführung viel Aufklärung betrieben, das werden wir auch künftig tun. Dieses Thema werden wir übrigens mit der Politik adressieren müssen: Es gibt keinen Mobilfunk ohne Masten.

Mehr: Die 5G-Auktion ist zu Ende. Damit muss der auch der Stillstand enden, meint Handelsblatt-Reporter Stephan Scheuer. Die Betreiber sollten schnell damit beginnen, ihre Netze auszubauen.

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